Wenn Menschen nicht zuhören wollen

Warum wollen manche Menschen nicht zuhören, wie kann man statt „gegen eine Mauer“ zu reden, „mit“ ihr reden und wie kann man verhindern, dass andere ihre Mauer hochziehen- Tipps hat Kommunikationsexpertin Nana Walzer.

Es gibt Menschen, die reden viel, aber hören nicht zu. Sie verlieren sich dabei in Details, wiederholen sich – und merken nicht mal, dass man selbst darauf nichts sagt, vielleicht nur Hmh erwidert oder mit dem Kopf nickt. Solche Menschen reden auch besonders gern nur über sich selbst, über ihre Erfahrungen, Gedanken, Ansichten.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 21.6.2018

Mitunter wird dieses Verhalten mit zunehmendem Alter immer schlimmer. Manch älterer Mensch ist gar nur eine Einbahnstraße der Kommunikation. Das kann einerseits am verschlechterten Hören liegen, also körperlich bedingt sein. Andererseits kann es daran liegen, dass Menschen verlernen, geistig flexibel auf veränderte Umstände zu reagieren.

Sie verlernen die Fähigkeit, sich auf etwas anderes als auf ihre Vorannahmen einzustellen. Sie möchten ihre Selbst- und Weltsicht bestätigt bekommen, koste es, was es wolle. Eine echte Auseinandersetzung mit den Ansichten von anderen Menschen würde ihren Seelenfrieden und ihre Selbstsicherheit erschüttern. Ein einfacher Weg, ungestört und in sich stimmig zu bleiben ist das Ausblenden, eben etwa durch nicht-Zuhören.

Freundinnen sprechen miteinander

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Statt „gegen die Mauer“, „mit“ ihr reden

Ein guter Türöffner sind Fragen. Wer Fragen stellt, der öffnet scheinbar zunächst die Büchse der Pandora. Aber er zeigt auch Interesse am anderen, schafft Vertrauen. Indem die Fragen dann immer mehr ins eigentliche, für einen selbst wichtige Thema weisen, kann man das Gespräch gut lenken. Auch kann man zum Beispiel fragen: „Interessiert es Dich, was ich dazu denke?“. Die wenigsten werden darauf geradeheraus „Nein“ sagen. Gerade jüngere Menschen sind oft noch offener, haben eine gewissen Bereitschaft zum Lernen oder eine ausgeprägte Neugierde. Da gilt es herauszufinden, was den anderen tatsächlich fasziniert und dann den Gesprächskern in diese Thematik einzubauen.

Besonders schwierig sind Personen, die darauf bestehen dass die Welt so ist, wie sie es behaupten. Sie wollen ihre Erfahrungen und Vorurteile bestätigt hören, etwa dass alle Menschen schlecht sind.Ihnen kann man zunächst und eingeschränkt recht geben, etwa sagen: „Ja, es gibt einige Menschen, die tatsächlich höchst üble Zeitgenossen sind und sich furchtbar verhalten“. Dies sichert die Aufmerksamkeit des Gegenübers. Und im nächsten Schritt erweitert man diese Ansicht: „Aber es gibt auch andere, die versuchen zu helfen, das beste aus dem leben zu machen und die Welt ein Stück weit lebenswerter zu gestalten.“ Idealerweise gibt man dann einige Beispiele aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis.

Verhindern, dass andere „Mauer hochziehen“

Auch wenn es anstrengend ist, sich mit Menschen, die aus Selbstschutz ihre Wand hochziehen auseinanderzusetzen, macht es zugleich viel Sinn. Dabei hilft es, sich klar zu machen, dass sie nicht absichtlich so sind, sondern früher oft verletzt oder enttäuscht, übergangen bzw. selbst nicht wahrgenommen wurden. Wir können uns vornehmen, ihnen einen gewissen Zeitraum zu widmen und darin einige Male etwa über Fragen zu versuchen, eine Verbindung aufzunehmen und so ein echtes Gespräch zu führen.

Ein anderes Kaliber sind Menschen, die immer nur Recht haben wollen – ihnen kann man entweder Recht geben und von dort aus sehen, wie das Gespräch weitergeht. Oder man widerspricht ihnen klar und deutlich und lässt sich auf die nachfolgende energie-intensive Diskussion ein, die mit höherer Wahrscheinlichkeit wenig fruchtbar sein wird. Will man dies dennoch, so sollte man um konkrete Beispiele bitten, die die Ansicht des anderen untermauern. Und dann nach Gegenbeispielen fragen. Sobald das Perspektive-Wechseln gelingt, hat man einen Meilenstein geschafft und die Schallmauer jedenfalls reduziert.

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“