Was uns die Nase sagt

Was lösen gute Düfte in uns aus, warum ist unser Geruchssinn auch ein Alarmsystem und können wir unserer Nase trauen und ihr getrost folgen- Tipps hat Kommunikationsexpertin Nana Walzer.

Die Nase ist ein oftmals unterschätztes Organ. Was wir riechen wirkt vielfach unmittelbarer auf uns, als was wir hören oder sehen. Düfte lösen nämlich ganz leicht starke Gefühle und Assoziationen aus. Viele von diesen Verknüpfungen entstanden bereits in unseren frühen Lebensjahren.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 28.6.2018

Besonders intensive Erlebnisse, seien sie nun höchst angenehm oder äußerst unangenehm, haben sich nämlich auch mit der sie begleitenden Duftwelt tief in unsere Erinnerung eingegraben. Sie werden dann automatisch wieder aufgerufen, wenn wir etwas Bestimmtes riechen. Wobei die Intensität der Empfindung oft überraschend ist. Ob etwas gut oder schlecht riecht hängt dabei von der Situation ab, in der wir den Duft das erst Mal gerochen haben. So löst Orangen-, Vanille- und Zimtduft bei den meisten angenehme Gefühle aus, weil es sie an Weihnachten erinnert.

Frau riecht an Blumenstrauss

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Geruchssinn als Alarmsystem

Unser Geruchssinn ist auch so etwas wie ein Alarmsystem. Wenn uns schlecht wird oder wir uns ekeln, so kann das auf verdorbene Lebensmittel oder eine gesundheitsschädliche Umgebung hinweisen. Manche Menschen reagieren auf manche Gerüche sogar mit Kopfschmerzen, Übelkeit und erhöhtem Blutdruck. Eine andere Ebene ist die zwischenmenschliche. In angenehmer Duftumgebung nehmen wir andere Menschen auch positiver, sympathischer, offener wahr. Das funktioniert auch andersherum. Wenn etwas schlecht riecht, so wirkt sich das auch auf die Einschätzung der Anwesenden und der Situation ungünstig aus.

Berühmt sind auch die Pheromone, also Botenstoffe, die Menschen absondern. Sie signalisieren etwa Angst oder Erregung. Die chemische Zusammensetzung entscheidet darüber, ob andere uns anziehend finden oder abweisend auf uns reagieren. Wobei Pheromone fast geruchlos sind, sie wirken dennoch. Starke Körpergerüche signalisieren etwas anderes: männlicher Schweiß ruft den Eindruck von Kraft, aber auch von Aggression und Dominanz hervor. Frauen zieht dies eher an, Männer schreckt dies eher ab.

Ein anderer Botenstoff wird mit jugendlicher Fruchtbarkeit assoziiert und erreicht im Alter von 20 Jahren seinen Höhepunkt. Menschen wirken dann gefühlvoller, intelligenter, sexuell attraktiver, freundlicher und vertrauensvoller. Ältere haben diesen Bonus schlichtweg nicht. Ein anderer Sexualbotenstoff wird v.a. während der fruchtbaren Phase des weiblichen Zyklus ausgeschüttet und sendet ein Signal der sexuellen Verfügbarkeit, sie entspannen und lösen Stress bei Männern. Durch künstliche Hormone oder die Menopause werden diese Stoffe drastisch reduziert – und auch in der restlichen Zeit des weiblichen Zyklus ist dieser Effekt nicht vorhanden.

Immer der Nase nach?

Unglaublich aber wahr: bereits Babys im Mutterleib können ab der 28. Schwangerschaftswoche riechen. Und sogar unser Darm hat Riechrezeptoren! Sie reagieren auf bestimmte Duftmoleküle im Essen, wodurch etwa die Verdauung aktiviert wird. Unser Wohlgefühl wird letztendlich enorm von Düften beeinflusst. Wir haben mit der Zeit richtiggehend ein Duftgedächtnis entwickelt. Wohlfühldüfte spiegeln also unsere persönlichen Erfahrungen, lösen Glücksgefühle und Wohlbefinden aus. Unsere Lieblingsdüfte sind insofern berechenbar und auch nachvollziehbar. Unsere Nase führt uns demnach dorthin, wo unser Unbewusstes sich aus unserer persönlichen Geschichte heraus viele gute Erlebnisse verspricht.

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“