Impfattrappe zu Beginn der Großimpfaktion gegen Covid-19
APA / Hans Punz
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Radio Wien

Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

In Wien kann man sich seit 18. Jänner für eine Impfung gegen das Coronavirus vormerken, vorerst allerdings noch ohne Terminvereinbarung. In Kürze will man mit der Impfung in zwölf Impfzentren und einer neuen Impfstraße beginnen.

Radio Wien beantwortet ab sofort jeden Montag Fragen rund um das Thema Corona-Impfung. Wenn Sie eine Frage haben, dann können Sie sie hier stellen. Ein Experten-Team wird versuchen, so viele Fragen wie möglich zu beantworten. Die bisherigen Fragen und Antworten haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Fragen und Antworten vom 22. Februar 2021

Epidemiologin Dr. Eva Schernhammer von der MedUni-Wien

Warum gehen die Zahlen nicht schneller zurück? Wir hatten doch jetzt schon den dritten Lockdown.

Man hätte gehofft, dass die Zahlen schneller zurück gehen. Wir kämpfen ein bisschen gegen die Mutationen, die zum Teil ansteckender sind. Es kommt also dadurch zu mehr Infektionen als ursprünglich. Die Mutationen nehmen deutlich zu, im Osten Österreichs ist eine Mehrzahl der Neuinfektionen schon auf die britische Variante zurückzuführen. Dazu kommt noch die Corona-Müdigkeit der Menschen, die uns alle betrifft. Die führt dazu, dass man die Maßnahmen nicht mehr so gut einhält und sich weniger bemüht. Außerdem testen wir derzeit sehr viel, weshalb wir sehr viel mehr Fälle identifizieren können, als das vorher der Fall war.

Impfen wir in Österreich zu langsam?

Auch ich würde mir wünschen, dass wir beim Impfen rascher Fortschritt machen würden. Die Europäische Union erwartet in den nächsten Wochen viele Impfstoff-Dosen. Es wird dann auf einmal sehr viel da sein, wir müssen also nur noch ein wenig zuwarten. Und dann wird es darum gehen, diese verfügbaren Impfstoffe auch möglichst rasch verimpfen.

Virologin Christina Nicolodi

Kann man die Impfstoffe eigentlich kombinieren? Also wäre beispielsweise nach einer ersten Spritze von AstraZeneca eine Auffrischung mit Pfizer möglich?

Nein. Dazu gibt es auf der einen Seite keine klinischen Daten und auf der anderen Seite ist es immunologisch tatsächlich so, dass hier dann Unterschiede wieder in der Wirksamkeit und in der Bildung von Antikörpern auftreten kann. Aus heutiger Sicht ist es nicht empfehlenswert, diese beiden zu mischen.

Muss man dann jedes Jahr auffrischen? Wie lange hält der Impfschutz?

Aus heutiger Sicht ist für alle Impfstoffe keine Auffrischung nach den sechs bis neun Monaten nötig. Nach wie vor ist ein Immunschutz gegeben. Die Teilnehmer der Studien werden weiterhin monitoriert, über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dann wird sich zeigen, ob der Impfschutz immer noch aufrecht ist.

Man hört immer nur von den Nachteilen des AstraZeneca-Impfstoffes, was sind die Vorteile?

Diese Art der Vektorenimpfstoffe ist ein gut bewährtes System, das wir seit Jahrzehnten kennen. Wir haben bereits sehr viele Menschen bereits mit auf Adenoviren basierenden Vektor-Technologien immunisiert, daher ist diese Technik sehr sicher. Auch die Lagerung von zwei bis acht Grad macht die Verteilung einfacher. Es könnte also sein, dass Sie sich den Impfstoff in der Apotheke besorgen oder gleich zu Ihrem Hausarzt gehen, der Ihnen den Impfstoff dann verabreicht.

Impfexperte Herwig Kollaritsch

Ich bin Allergikerin und sehr unsicher, ob ich mich impfen lassen soll, weil ich Angst vor einem allergischen Schock habe. Und: Meine Hausärztin rät mir davon ab, mich impfen zu lassen.

Das ist grundfalsch. Natürlich können Allergiker auch geimpft werden. Jeder Impfstoff, den wir haben, hat in den Gebrauchsanweisungen drinnen stehen, dass allergische Reaktionen auftreten können. Es ist aber sehr sehr selten, in einer Größenordnung zwischen eins auf 500.000 oder eins auf eine Million. Wir wissen, dass es beim Pfizer/Biontech-Impfstoff um den Faktor acht oder neun häufiger ist. Wir haben entsprechend darauf reagiert: Erstens bitten wir alle Allergiker, ihre Allergiepässe zur Impfung mitzubringen und zweitens bitten wir alle Allergiker, nach der Impfung noch eine halbe Stunde sitzen zu bleiben. Denn das, was man wirklich in Bezug auf allergische Reaktionen fürchtet, sind sogenannte Allergien vom „Sofort-Typ.“ Die treten aber, wie der Name schon sagt, sofort auf. Wenn man sie dann auch gleich beim Auftreten behandelt, sind sie kein großes Problem. Für den Betroffenen sind sie vielleicht eine unangenehme Erfahrung, aber sicher nicht lebensbedrohlich.

Dr. Arschang Valipour, Abteilungsvorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie in der Klinik Floridsdorf

Können Blutgruppen Einfluss auf die Wirkung der Impfung haben?

Eine spezielle Blutgruppe ist kein Grund, sich nicht impfen zu lassen. Die Impfung wurde bei allen Personen mit unterschiedlichsten Blutgruppen durchgeführt, da gab es keine einzelne Blutgruppe, die mit einer besseren oder schlechteren Wirkung herausgestochen hätte. Auch wurde keine erhöhte Zahl von Nebenwirkungen oder Komplikationen bei einzelnen Blutgruppen festgestellt. Also die Blutgruppe ist hier kein Thema.

Meine Mutter hat chronische Polyathritis und ist 77 Jahre alt, mein Bruder leidet unter Multipler Sklerose. Können sie sich bedenkenlos impfen lassen?

Personen mit einer Autoimmunerkrankung wie Polyathritis oder Multipler Sklerose können sich auch impfen lassen. Das einzige, was es zu berücksichtigen gibt: Oftmals erhalten diese Patientinnen und Patienten immunsuppressive Medikamente. Das sind zum Beispiel Tabletten, die das eigene Immunsystem schwächen. Da kann es durchaus sein, dass die Immunantwort gar nicht so ausgeprägt ist. Das werden künftige Studien zeigen, wie notwendig vielleicht eine dritte Teilimpfung ist. Gegen die ersten zwei Teilimpfungen spricht nichts, die sind absolut zu empfehlen. In den nächsten Monaten werden wir sehen, ob für diese Personen noch zusätzliche Dosen notwendig sein werden.

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