kranke Frau liegt im Bett, davor Medikamente
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AK-Tipp

Meine Rechte im Krankenstand

Auch in den nächsten Wochen werden Arbeitnehmerinnen, Corona hin oder her, in den Krankenstand gehen. Ein guter Grund uns mit dem Krankenstand auseinander zu setzen. Heute das Thema die Rechte der Arbeitnehmerin im Krankenstand.

In den Beratungen der Arbeiterkammer geben Arbeitnehmerinnen immer wieder an, dass sie schon einmal oder auch öfters krank zur Arbeit gegangen sind. Das sollte wirklich nicht sein. Geht jemand krank arbeiten, riskiert er seine Gesundheit, der Gesundheitszustand kann noch schlechter werden und man riskiert Langzeitfolgen. Auch besteht die Gefahr, dass auch Kollegen angesteckt werden. Daher ist es wichtig zu wissen, dass keiner krank arbeiten gehen muss und auch nicht sollte.

Die Arbeitgeberin hat lediglich das Recht zu fragen, ob jemand erkrankt ist oder einen Unfall erlitten hat oder ein Arbeitsunfall passiert ist. Nach der eigentlichen Diagnose darf sie nicht fragen beziehungsweise muss man diese Frage gar nicht beantworten.

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Auskunftsplicht und Dauer

Wenn man krank ist, dann ist man krank und muss quasi vom Bett aus keine Arbeitsleistungen erbringen. Nur ausnahmsweise, um etwa die Firma vor finanziellen oder sonstigen Nachteilen zu schützen, kann die Arbeitgeberin die erkrankte Mitarbeiterin kontaktieren und um kurze Auskünfte ersuchen. Das aber nur im Ausnahmefall, wenn man als einziger zum Beispiel wichtige Passwörter besitzt.

Der Chef darf fragen, wie lange der Krankenstand dauern wird, schließlich muss er ja auch planen und die Arbeit anders einteilen und für Vertretung sorgen. Wobei hier eine ungefähre Angabe des der Arbeitnehmerin reicht und sie etwa sagen kann „voraussichtlich komme ich in 10 Tagen wieder“. Die Arbeitgeberin kann diese Frage während eines Krankenstandes auch wiederholen, nach angemessener Zeit, allerdings sollten diese Nachfragen keinesfalls schikanös erfolgen.

Verhalten im Krankenstand

Was man im Krankenstand tun darf hängt im Wesentlichen davon ab, an welcher Erkrankung eine Arbeitnehmerin leidet. Im Zweifel entscheidet dies der Arzt. Oft löst das aber auch der Menschenverstand. So ist es wohl jedem klar, dass man nicht Ski fahren darf, wenn man Fieber hat. Umgekehrt ist nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Friseurin, die sich die Hand gebrochen hat, einen Spaziergang macht. Bin ich mir nicht sicher, was ich machen darf, dann bitte beim Arzt nachfragen. Erkrankte ArbeitnehmerInnen müssen sich im Krankenstand so verhalten, dass sie so rasch als möglich wieder gesund werden.

Entgeltfortzahlung im Krankenstand

Während des Krankenstands bekommen Arbeitnehmerinnen ihr Entgelt weiter bezahlt. Diese Zahlung wird „Entgeltfortzahlung“ genannt. Allerdings dauert sie nicht unbeschränkt lange. Die Dauer der Entgeltfortzahlung ist von der Beschäftigungsdauer abhängig. Im ersten Beschäftigungsjahr bekommen alle Arbeitnehmerinnen sechs Wochen volles und vier Wochen halbes Entgelt. Nach einer einjährigen Dauer des Arbeitsverhältnisses besteht Anspruch auf acht Wochen volle und vier Wochen halbe Entgeltfortzahlung. Die Sprünge auf zehn beziehungsweise zwölf Wochen volle und jeweils vier Wochen halbe Entgeltfortzahlung erfolgen dann nach 15 beziehungsweise 25 Jahren. Dieser Anspruch steht pro Arbeitsjahr zu.

Der anzuwendende Kollektivvertrag oder eine Betriebsvereinbarung kann eine günstigere Regelung für die Entgeltfortzahlung vorsehen.
Bei einem Arbeitsunfall beziehungsweise einer Berufskrankheit bekommt man acht Wochen lang Entgeltfortzahlung pro Anlassfall, ohne Rücksicht auf frühere Krankenstände. Nach 15-jähriger Betriebszugehörigkeit dauert die Entgeltfortzahlung zehn Wochen
Grundsätzlich kann man den Anspruch auf Entgeltfortzahlung auch verlieren, wenn die Krankheit vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig herbeigeführt wurde.

Viele Arbeitnehmerinnen haben ja nicht jeden Monat ein Einkommen in derselben Höhe, sondern schwankt dieses zum Beispiel durch die Auszahlung von Überstunden. Hier gilt die Arbeitnehmerinnen dürfen während des Krankenstandes finanziell nicht schlechter gestellt werden, als wenn sie tatsächlich gearbeitet hätten. Somit haben sie jene Bezahlung zu erhalten, die gebührt hätte, wenn die Erkrankung nicht eingetreten wäre. Hier sind dann Überstunden, Prämien, Provisionen einzurechnen, nicht jedoch Diäten oder sonstige Aufwandsersätze.

Ansprüche bei Gesundheitskasse und Kündigung

Ist die Entgeltfortzahlung der Arbeitgeberin beendet, dann hat die kranke Arbeitnehmerin Anspruch auf Krankengeld von der Österreichischen Gesundheitskasse.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Vormittag“, 16.12.2021

ArbeitnehmerInnen sind während des Krankenstandes nicht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes geschützt. Arbeitgeberinnen sind allerdings bei einer Kündigung beziehungsweise einvernehmlichen Lösung im Krankenstand verpflichtet den Krankenstand zu bezahlen, soweit die Arbeitnehmerin noch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat. Dies selbst dann, wenn das Arbeitsverhältnis bereits beendet ist.

Ist zum Beispiel ein Kellner erkrankt und wird gleich am ersten Krankenstandstag gekündigt, hat die Arbeitgeberin eine 14 tägige Kündigungsfrist einzuhalten. Dauert der Krankenstand 3 Wochen ist dieser Krankenstand von der Arbeitgeberin zu bezahlen, auch wenn das Arbeitsverhältnis bereits eine Woche zuvor beendet wurde. Dies soweit der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankenstand nicht aufgebracht ist. Das bedeutet, dass sich eine Arbeitgeberin bei einer Kündigung im Krankenstand im Grunde nichts erspart.