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AK-TIPP

Alles zur Selbstversicherung für Pflegende

Einen Angehörigen zuhause zu pflegen, ist oft mehr als ein Vollzeitjob. Damit sich das familiäre Engagement nicht negativ auf die Pension auswirkt, können sich pflegende Angehörige freiwillig und kostenlos pensionsversichern. Wie das funktioniert ist jetzt das Thema.

Bei der Selbstversicherung wegen Pflege erwerben Personen, die nahe Angehörige pflegen, Pensionsversicherungszeiten und Gutschriften am Pensionskonto, ohne dass sie selbst Pensionsbeiträge zahlen müssen. Es wird also so getan, als ob der Pflegende arbeiten gegangen wäre, wobei anzumerken ist, dass die Selbstversicherung auch neben einer Arbeit möglich ist.

Es gibt in diesem Zusammenhang zwei Arten von Selbstversicherung. Zum einen die Selbstversicherung wegen Pflege eines behinderten Kindes und zum anderen die Selbstversicherung wegen Pflege eines nahen Angehörigen. Als naher Angehöriger gelten zum Beispiel Ehegatten, Eltern, Großeltern, Geschwister und Cousinen und Cousins – also Personen, zu denen ein familiäres Verhältnis besteht. Aber auch Lebensgefährten oder Pflegekinder zählen dazu.

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Die Person, die gepflegt wird, muss Pflegegeld zumindest in Höhe der Stufe drei beziehen

Sonstigen Voraussetzungen und Penionszeiten

Die Person, die gepflegt wird, muss Pflegegeld zumindest in Höhe der Stufe drei beziehen. Zudem muss die Pflege die Arbeitskraft erheblich beanspruchen, das bedeutet, dass jedenfalls 14 Stunden pro Woche gepflegt wird. Die Pflege muss in häuslicher Umgebung,also nicht in einem Pflegeheim, erfolgen, nicht notwendig ist allerdings, dass der Pflegende im gemeinsamen Haushalt mit dem Angehörigen lebt.

Bei der Pflege eines behinderten Kindes spielt das Pflegegeld keine Rolle. Hier muss erhöhte Familienbeihilfe bezogen werden und die Pflege die Arbeitskraft überwiegend, aber nicht zur Gänze beanspruchen. Ein Job neben der Pflege ist daher auch hier nicht zwingend ein Ausschlussgrund.

Die Beiträge für die Selbstversicherung wegen Pflege werden zur Gänze vom Bund bzw bei einem behinderten Kind zum Teil vom Familienlastenausgleichsfonds gezahlt und zwar so, als ob man rund € 2.000,00 brutto im Monat verdienen würde.

Antrag stellen und abschliessender Tipp

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Vormittag“, 28.7.2020

Wichtig ist, dass ein Antrag beim zuständigen Pensionsversicherungsträger, in der Regel der Pensionsversicherungsanstalt, gestellt wird. Bei der Pflege naher Angehöriger geht dies nur für zwölf Monate rückwirkend. Bei der Pflege eines behinderten Kindes dagegen ist die Selbstversicherung sogar für zehn Jahre in der Vergangenheit möglich, für alle, die irgendwann in der Zeit seit 1988 die Voraussetzungen erfüllt haben.

Die Selbstversicherung scheitert oft einfach daran, dass die Pflegenden diese Möglichkeit nicht kennen oder denken, dass sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Im Zweifel empfiehlt sich jedenfalls, einen Antrag beim Pensionsversicherungsträger zu stellen. Die Arbeiterkammer bietet kostenlose Beratung zu diesem Thema an und freut sich über jeden Anrufer!