Ex-OSV-Präsident Paul Schauer
APA/Georg Hochmuth
Chronik

Vor OSV-Prozess: Ex-Präsident Schauer ist tot

Große Betroffenheit am Wiener Landesgericht, wo am Mittwoch der Betrugsprozess gegen die frühere Spitze des Österreichischen Schwimmverbands (OSV) begonnen hat. Der ehemalige Präsident des OSV, Paul Schauer, ist tot.

Die Richterin verkündete kurz vor Beginn des Prozesses am Vormittag, dass Schauer am Pfingstmontag 72-jährig verstorben ist. Das habe ihr sein Verteidiger mitgeteilt. Schauer dürfte sich selbst das Leben genommen haben. Etwas später gab Richterin Patrizia Kobinger-Böhm während des Prozesses bekannt, dass ihr ein am Dienstag abgesandter Brief zugestellt worden sei, der gemäß Datierung von Schauer am Montag – seinem Todestag – verfasst worden sein soll.

Replik auf die Anklage

Das Schreiben beinhalte aber keine handschriftliche Unterschrift. Kobinger-Böhm: „Der Brief ist eine Replik auf die Anklage, er enthält seine Sicht der Dinge. Es ist aber in keiner Art eine Art Abschiedsbrief.“

Schwimm-Star Markus Rogan und Paul Schauer
APA/Helmut Fohringer
Schauer mit Schwimmer Markus Rogan im Jahr 2010

Hilfe im Krisenfall

Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Die Psychiatrische Soforthilfe bietet unter 01/313 30 rund um die Uhr Rat und Unterstützung im Krisenfall. Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen.

Schauer war von 2004 bis 2012 Präsident des OSV und bis 2012 einige Jahre lang auch Vizepräsident des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC). Der Wiener war Mitbegründer und bis 2012 Geschäftsführer der Medienagenturgruppe Media Austria.

Gangel bekannte sich schuldig

Von den übrigen Hauptangeklagten bekannte sich Ex-OSV-Generalsekretär Thomas Gangel am Mittwoch der Erschleichung von Fördermitteln schuldig, Ex-OSV-Finanzreferent Walter Benesch teilweise.

Gegen sie wird am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht weiterverhandelt, ebenso wie gegen zwei ehemalige unterangeklagte OSV-Buchhalterinnen. Eine von ihnen bekannte sich schuldig, die andere in wesentlichen Punkten nicht. Ein weiterer ehemaliger OSV-Büromitarbeiter erklärte sich schuldig. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, er hat 80 Stunden gemeinnütziger Leistungen zu erbringen und einen geringen Pauschalbetrag zu zahlen.

Mögliche Diversion für Meidlinger

Schauer, sein Finanzreferent Benesch und der vormalige Langzeitgeneralsekretär Gangel sollen mit der systematischen Erschleichung von Fördermitteln einen Schaden von insgesamt 335.000 Euro angerichtet haben.

Mitangeklagt war auch der Vorsitzende der younion-Gewerkschaft, Christian Meidlinger (SPÖ). Er war als Schauers Nachfolger vom September 2012 bis August 2013 OSV-Präsident. Das Verfahren gegen Meidlinger wurde jedoch ausgeschieden. „Es läuft eine Diversion“, so die Richterin am Mittwoch.

Fälle zwischen 2005 und 2013

Laut Anklage soll der OSV von 2005 bis 2013 den inkriminierten Schadensbetrag auf betrügerische Weise aus der Besonderen Bundessport-Förderung lukriert haben. Auf buchhalterischem Weg seien Jahr für Jahr auf dem Papier fiktive Aufwendungen kreiert worden, um nicht aufgebrauchte bzw. widmungswidrig verwendete Subventionen aus der Maßnahmenförderung nicht zurückzahlen zu müssen.

Ex-Generalsekretär Thomas Gangel (l.) und Ex-Finanzreferent Walter Benesch
APA/Herbert Neubauer
Die Angeklagten Ex-Generalsekretär Thomas Gangel und Ex-Finanzreferent Walter Benesch

Die Scheinaufwendungen wurden in Endabrechnungsblätter übertragen und mit entsprechend getürkten Belegen der Bundessportorganisation (BSO) bei der Förderabrechnung und damit verbundenen Prüfterminen vorgelegt.

Scheinrechnungen gestellt

Den Modus Operandi soll – so jedenfalls der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – Gangel auf Veranlassung von Schauer und Benesch gestaltet haben. Die Scheinrechnungen bezogen sich auf Aufwendungen für technische Infrastruktur und Trainer. Mehrere dazu vernommene Trainer hatten im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren versichert, sie hätten dem OSV niemals Honorarnoten gelegt.

Nach der Ablöse Schauers wurde Meidlinger zum OSV-Präsidenten bestellt. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft ein einmaliges Fehlverhalten vorgeworfen. Benesch und Gangel hätten ihn Ende 2012 gefragt, ob der OSV auch dieses Jahr – wie in den vergangenen Jahren – bei der BSO Scheinrechnungen bei der Fördermittelabrechnung gebrauchen soll. Für sämtliche Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung. Am Donnerstag soll der Prozess fortgesetzt werden.