Fußballspieler des österreichischen Nationalteams im Happel-Stadion
ORF.at/Dominique Hammer
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Chronik

„Kein radikales Njet“ zu Nationalstadion

Das Hick-Hack zwischen dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) und Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) um ein neues Fußball-Nationalstadion in Wien ist um eine Facette reicher. „Es gibt kein radikales Njet“, sagte Hacker nun.

Mit den bisher erhaltenen Unterlagen des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) ist Hacker aber nicht zufrieden. „Ich muss sagen, es ist ziemlich enttäuschend, welche Unterlagen in welcher Qualität aktuell auf unseren Tischen liegen zum Thema Nationalstadion“, sagte Hacker. Deshalb sei an eine Umsetzung momentan sowieso nicht zu denken.

Das gilt auch für eine etwaige Errichtung eines Trainingszentrum, das der ÖFB gerne sehen würde. „Ich lese ständig, wir brauchen ein Trainingszentrum, und habe das auch einmal vor ein paar Monaten gehört. Da habe ich den Vorschlag gemacht, es wird einmal eine Zusammenfassung geschrieben vom ÖFB, was denn überhaupt die Vorstellungen sind, wie groß so etwas ist, was es kann, wie viel Geld es kostet, wie oft man es im Jahr braucht, und was man das restliche Jahr damit macht“, schilderte der 56-Jährige.

„Das Ganze muss sich dann auch noch rechnen“

Eine Idee des ÖFB ist es, das Projekt Nationalstadion über Wirtschaftsunternehmen als Partner mitzufinanzieren. Das Entscheidende dabei sei laut Hacker nicht die Investition, sondern die Frage, wie diese zurückgezahlt werden könne. Einige hundert Millionen Euro von Investoren zu bekommen, sei keine große Kunst, meinte der Stadtrat.

„Die entscheidende Frage ist, was passiert in so einem Gebäude, dass man die Investoren mit einer Rückzahlung des Investments auch wieder befriedigt. Und dazu liegt gar nichts auf dem Tisch.“ Ein „ordentliches Konzept“ sei unabdingbar. „Und das Ganze muss sich dann auch noch rechnen“, so Hacker gegenüber der APA.

nach der ursprünglichen Absage Hackers, hatte der Fußballbund angekündigt, alternative Optionen in Niederösterreich und im Burgenland auszuloten – mehr dazu in Wien lehnt Pläne für Stadionneubau ab. Dich eine Errichtung außerhalb von Wien könnte Hackers Ansicht nach – wenig überraschend – mit Problemen verbunden sein. „Es stellt sich auch die Frage, ob es gelingen wird, etwa Rammstein nach Parndorf oder Götzendorf oder keine Ahnung wo zu kriegen, oder ob die Veranstalter sagen, da bleiben wir lieber in Wien. Das gehört mit in die Überlegungen“, meinte Hacker.

Hacker: Um Europa-League-Finale in Wien bewerben

Auch sonst ist vieles offen. Mit der Errichtung einer neuen Arena würden wohl alle Länderspiele an einem Ort stattfinden. „Wenn wir die Nationalmannschaft ausschließlich in Wien spielen lassen, sind dann wirklich alle ÖFB-Verantwortlichen der anderen Bundesländer einstimmig der Meinung, dass das so gut ist?“, fragte Hacker. Diesbezüglich führte er auch die Diskussionen um den Finalstandort des ÖFB-Cup-Finales ins Treffen. „Wir schaffen es nicht einmal in der Frage des Cup-Finales eine eindeutige Strategie zu haben.“

Seiner Meinung nach läuft zu dem neuen Stadion aktuell eine merkwürdige Diskussion. „Ich habe das Gefühl, da ist mehr politisch getriggert, als Ratio drinnen. Ich kann mir nur wünschen, dass wir wieder auf die Ebene der Vernunft kommen und vernünftige Gespräche führen auf der Basis von guten, brauchbaren Unterlagen“, sagte Hacker.

Er wäre auch offen für Gespräche bezüglich einer Bewerbung um ein Europa-League-Finale. „Wir wissen, dass ein Champions-League-Finale illusorisch ist, in dieser Liga spielt Österreich nicht. Ich fände es aber spannend, sich für ein Europa-League-Finale zu bewerben“, erklärte Hacker. Er führte auch ins Treffen, dass 2008 noch ein EM-Finale im Prater stattgefunden hatte. „Es kann mir keiner erzählen, dass das Stadion in zehn Jahren so verfällt, dass man da nichts mehr machen kann.“