BRASILIEN – JUDO WM: PAISCHER
Nelson Perez/EPA
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Sport

Turbulenzen um Wiener Judo-WM: Rücktritte

In zwei Jahren soll in Wien die Judo-WM stattfinden. Eingefädelt wurde das Event unter anderem von Ex-Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) ohne die Stadt Wien. Die Austragung wackelt wegen fehlenden Geldes. Fast der gesamte Vorstand des Judoverbands ist mittlerweile zurückgetreten.

Die vergangenen Tage sind acht der zwölf Vorstandsmitglieder des Österreichischen Judoverbands (ÖJV) zurückgetreten. Neuwahlen sind deshalb für 12. Oktober in Wien angesetzt. Ob der aktuelle Verbandspräsident Hans-Paul Kutschera dabei antritt, ist unwahrscheinlich.

Hintergrund: Der ÖJV-Chef glaubt, bei den aktuellen Vorgängen eine vorbereitete „Intrige“ erkannt zu haben. Kutschera sieht deshalb ein Szenario, dass die aktuell zurückgetretenen Vorstandsmitglieder künftig das Ruder übernehmen, sein eventueller Nachfolger die Lorbeeren ernten und sich in seinem Licht sonnen könnte. „Oder auch nicht“, machte der ÖJV-Präsident am Dienstag in einem APA-Gespräch aber auch offensichtlich, dass alles auch komplett anders kommen könnte.

Internationaler Judoverband will sechs Millionen Euro

Die Judoweltmeisterschaft 2021 war vor einem Jahr noch unter dem damaligen Sportminister und Vizekanzler Strache in Baku an Wien vergeben worden. Vom Gesamtbudget von zwölf Mio. Euro gehen sechs an den Internationalen Judoverband (IJF).

Eine Million Euro muss der ÖJV für Preisgelder aufstellen, drei kommen vom Bund. Im entsprechenden Ministerratsbeschluss hatte die damalige Regierung sogar eine Art „Blankoscheck“ ausgestellt mit der Zusicherung, dass der Bund den verbleibenden Teil tragen werde.

Doch dann kamen bekanntlich die „Ibiza-Affäre“, der Strache-Rücktritt und das Platzen der Regierung. Deshalb ließ der ÖJV-Chef in einer vertraulichen und internen Mail – zwei Millionen Euro waren bereits an den IJF überwiesen – auch eine Rückabwicklung der WM prüfen. Informationen darüber seien über einen offensichtlichen „Maulwurf“ im Vorstand aber nach außen gedrungen und hätten der Sache sehr geschadet. Kutschera: „Das hat meine Verhandlungen sehr gestört. Der internationale Verband hat mich sofort angerufen.“

FPÖ-Delegation in Baku
APA/Harald Schneider
ÖJV-Präsident Kutschera mit Ex-Sportminister Strache und IJF-Präsident Marius Vizer (v. l.) in Baku

Verband kann nur noch Tagesgeschäft abwickeln

Er habe wegen dieses offensichtlichen Torpedierungsversuchs deshalb in den vergangenen zwei Monaten nur noch im engsten Kreis gearbeitet und auf Diskretion gepocht, um den Prozess nicht zu gefährden. „Vielleicht gab es deshalb tatsächlich zu wenig Info“, gestand Kutschera ein. „Aber ich hatte einen Grund dafür, und die großen Fakten waren immer klar. Und am Ende bin ich mit allen Infos natürlich in den Vorstand gegangen. Ich treffe ja keine Entscheidungen alleine.“

Mit den vielen Rücktritten hat sich der ÖJV-Vorstand nun fast komplett aufgelöst, nur noch das Tagesgeschäft kann abgewickelt werden, es können aber z. B. keine Verträge unterzeichnet werden. Dabei geht die WM-Budgetierung aktuell laut Kutschera sogar einen guten Weg.

Denn die ursprünglich von der Stadt Wien erhofften zwei Sponsor-Millionen werden zwar von der Gemeinde nicht fließen, die hat Kutschera aber laut eigenen Aussagen nun über Sponsoren und Ausfallshaftungen selbst „aufgestellt“ und auch schon präsentiert. Auch die Stimmung beim Besuch im Finanzministerium zuletzt sei positiv gewesen, versicherte der Noch-Präsident.