Ein Flugzeug der Austrian Airlines AUA
ORF.at/Christian Öser
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Wirtschaft

AUA-Sparpaket: Kritik an Wirtschaftskammer

Die AUA plant einen drastischen Stellenabbau, bis zu 800 Job sollen gestrichen werden. Die Gewerkschaft vida spricht von einer absehbaren Katastrophe. Zu einem Gutteil verantwortlich ist dafür aus ihrer Sicht die Wirtschaftskammer (WKÖ).

Die WKÖ verweigere seit Jahren Verhandlungen über einen Branchen-Kollektivvertrag für die Fluglinien mit Wiener Basis, so die Kritik von Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. Damit betreibe die Kammer „seit Jahren verfehlte Standortpolitik auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, schreibt Liebhart in einer Aussendung.

Die Wirtschaftskammer habe erklärt, dass durch einen Branchen-Kollektivvertrag für den Standort Wien Jobs in Gefahr seien, weil Fluglinien aus Österreich abwandern könnten, so der Gewerkschafter weiter. Jetzt vernichte der „beinharte Wettbewerb“ Jobs, „das hat die WKÖ zu verantworten.“ Es gebe am Flughafen Wien etwa Fluglinien, die einer Flugbegleiterin über Leiharbeitsverträge nur 1.130 Euro brutto zahlen würden.

Wettbewerbsdruck für Gewerkschaft „kein Freibrief“

Die Gewerkschaft forderte zudem neue Doppelbesteuerungsabkommen. So würde derzeit etwa die Wizz Air ihre Einkommenssteuer auf niedrigerem Niveau im Ausland abführen. „Das ist unfair und darf nicht sein", forderte Liebharts Stellvertreterin Christina Pratl. Die Gewerkschaft plädierte zudem für verstärkte Kontrollen durch Finanzpolizei, Sozialversicherung, Arbeitsinspektorat.

In Richtung der AUA erklärte Liebhart, der verschärfte Wettbewerb könne „kein Freibrief für übertriebene Sparmaßnahmen und Personalabbau sein“. Er forderte den Lufthansa-Mutterkonzern dazu auf, der AUA unter die Arme zu greifen. „Schließlich verfügt der Konzern mit seinen Milliardengewinnen über ausreichende finanzielle Reserven, um wirtschaftlich schwierige Zeiten überbrücken zu können.“

90 Millionen Euro schweres Sparpaket bei AUA

Die AUA kündigte am Donnerstag einen drastischen Stellenabbau an. Von den derzeit rund 7.000 Stellen wird demnach bis Ende 2021 jede zehnte gestrichen. 700 bis 800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen seien voraussichtlich betroffen. Zuvor hatte die Fluglinie bis Ende 2021 Einsparungen von 90 Millionen Euro im Jahr angekündigt – mehr dazu in news.ORF.at.

Lufthansa-Streik: Flugausfälle auch am Freitag

Ein Streik der Flugbegleiterinnen und -begleiter bei der AUA-Mutter Lufthansa führt unterdessen am Donnerstag und Freitag zu zahlreichen Flugausfällen. Die Lufthansa sagte insgesamt 1.300 Flüge ab. Am Donnerstag waren auch 13 Flüge von und nach Wien-Schwechat betroffen – am Freitag sind es 15 Flüge.

Bei den am Freitag gestrichenen Lufthansa-Flügen von und nach Wien geht es bei acht Flügen um die Destination München (vier hin, vier zurück) und bei sieben Flügen um Frankfurt (drei hin, vier zurück). Fünf Lufthansa-Flüge von bzw. nach Frankfurt sollen dagegen planmäßig durchgeführt werden, so der Flughafen.