Defibrillator
APA/Barbara Gindl
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Gesundheit

Herzinfarkt: Uhrzeit für Überleben irrelevant

Ob man in einer Stadt wie Wien mit funktionierender Rettungskette tagsüber oder nachts einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, hat keinen signifikanten Einfluss auf die Überlebensraten. Das fand eine Forschungsgruppe der MedUni Wien (AKH) heraus.

Die Wissenschafter von der Universitätsklinik für Notfallmedizin um Christoph Schriefl und Thomas Uray analysierten das Datenmaterial von 1.811 Patienten aus den Jahren 2013 bis 2015, die in Wien einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatten. Die Studie wurde im Journal „Resuscitation“ veröffentlicht.

Rettungskette besonders wichtig

Um einen Herz-Kreislaufstillstand ohne neurologische Folgeschäden zu überleben, müssen so rasch wie möglich Erste-Hilfe-Maßnahmen angewandt werden. Für eine gute Prognose ist eine exzellent funktionierende Rettungskette wichtig. Dazu gehören eine qualitativ hochwertige Herzdruckmassage, eine möglichst frühe Defibrillation, und die weitere Behandlung nach der primär erfolgreichen Reanimation.

Wenn all diese Faktoren gut zusammenspielen, stehen die Chancen auf möglichst weitgehende Erholung in Wien gut. Die Überlebensrate ohne nachfolgende Einschränkung beträgt in der Bundeshauptstadt zwölf Prozent, hieß es am Montag in einer Aussendung der MedUni Wien.

Ersthelfer bei mehr als der Hälfte der Fälle

Das Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob die Tageszeit oder der Wochentag bzw. das Wochenende Auswirkungen auf die Überlebensrate habe, und ob es Qualitätsunterschiede in den Reanimationsmaßnahmen gebe. Entgegen möglichen Erwartungen und entgegen der Ergebnisse mehrerer internationaler Studien, dass die Nachtzeit einen negativen Einfluss auf die Überlebenschancen nach einem Monat haben könnte, zeigten sich im Studienergebnis keine signifikanten Unterschiede zwischen Tag und Nacht.

Zudem stellte sich heraus, dass viele Menschen unabhängig von der Tageszeit bereits Reanimationsmaßnahmen durch Ersthelfer erfahren hatten, bevor der Rettungsdienst eintraf. Bei den für die Studie untersuchten Fällen wurden 58 Prozent der Herz-Kreislauf-Stillstände von anderen Menschen beobachtet, in 57 Prozent waren bereits vor dem Eintreffen der Rettung Wiederbelebungsmaßnahmen gesetzt worden.

Neue Behandlungsmethode für Kinder

Neuigkeiten aus dem Wiener AKH (MedUni Wien) gib es auch an der Klinischen Abteilung für Pädiatrische Kardiologie. Bei Kindern mit medikamentös nicht ausreichend behandelbaren Herzrhythmusstörungen wird ein neues Verfahren eingesetzt, hieß es am Montag in einer Aussendung. Bei zwei Kindern wurde mittels Kathetertechnik die fehlerhafte elektrische Leitungsbahn im Herzen durch die gezielte Abgabe von Strom verödet.