Das Schild vor dem Bellaria Kino
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Kultur

Bellaria-Kino sperrt nach 107 Jahren zu

Das Wiener Bellaria-Kino sperrt zu. Das hinter dem Volkstheater gelegene Lichtspieltheater schließt nach 107 Jahren seine Pforten. Es handelt sich um eines der ältesten Kinos der Stadt. Letzter Spieltag ist der 19. Dezember.

Betreiber Erich Hemmelmayer übernahm den 1912 eröffneten Betrieb vor 13 Jahren von seinem Vater, welcher ihn vorher 35 Jahre lang betrieben und selbst von einem Cousin übernommen hatte. Hemmelmayer begründete den Schritt nun mit den zu hohen Kosten etwa für Räumlichkeiten oder Filme: „Ich hab mir immer gesagt, in dem Moment, wo ich Geld reinbuttern muss, hör ich auf“, sagte er gegenüber dem „Kurier“. Zuletzt waren zwei Angestellte im Bellaria-Kino beschäftigt, die Kaltmiete soll 3.000 Euro betragen.

„Mir tut es auch wegen der Kundschaft leid. Das sind alles alte Leute und allein zu Hause. Und die Bellaria war für sie ein zweites Zuhause“, erzählte eine Angestellte gegenüber wien.ORF.at. „Die Bellaria ist nicht nur ein Kino. Ich sage immer, die eine Hälfte ist ein Kino und die andere ein Museum.“

Fotostrecke mit 5 Bildern

Das Bellaria-Kino sperrt am 19. Dezember zu.
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Das Bellaria-Kino ist eines der ältesten Kinos Wiens
Das Bellaria-Kino sperrt am 19. Dezember zu.
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Bis am 19. Dezember zeigt es noch Filme, danach bleibt der Vorhang zu
Das Bellaria-Kino sperrt am 19. Dezember zu.
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Die Einrichtung des Kinos erinnert an vergangene Zeiten, …
Das Bellaria-Kino sperrt am 19. Dezember zu.
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… die wenigen Stammgäste, die täglich vorbeikommen, reichen nicht aus, …
Das Bellaria-Kino sperrt am 19. Dezember zu.
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… um die laufenden Kosten zu decken

Kein Nachfolger

Geld habe Hemmelmayer mit dem Kino nie verdient, sagte er zum „Kurier“. Es sei eher ein Hobby gewesen. Früher seien alle Vorführungen voll gewesen. „Wenn Sie heute einen Film um 16.00 Uhr zeigen, haben Sie Glück, wenn ein paar Leute drinnen sitzen.“ Einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin gibt es nicht.

Gegründet wurde das Kino unter dem Namen „Invalidendank Kino“ und wurde in den ersten Jahren vom Invalidendank-Bankverein betrieben. 1966 – in der ersten Phase des Wiener Kinosterbens – begann eine Spezialisierung des Programms. Gezeigt wurden Filmschlager der Vor- und Nachkriegszeit. Mittlerweile wurden ausgewählte aktuelle Filme gezeigt.