Christoph Wiederkehr im Wien heute Studio
ORF
ORF
Politik

Wiederkehr: „Privilegienritter kennen mich“

Seit knapp eineinhalb Jahren ist Christoph Wiederkehr Chef von NEOS Wien. Aktuelle Umfragen sehen die Partei bei circa acht Prozent in Wien. Von fehlender Bekanntheit will der NEOS-Chef nichts wissen: „Die Privilegienritter in der Stadt kennen mich genau.“

Bildung, Gesundheit und Kontrolle hat sich NEOS in Wien auf die Fahne geheftet. „Paaren muss man diese Themen sicherlich mit einem bekannten personellen Angebot. Da Christoph Wiederkehr eben noch nicht so bekannt ist, wäre mein Tipp gepaart mit Beate Meinl-Reisinger aufzutreten“, meint Politikwissenschafterin Kathrin Praprotnik. Welche Rolle Meinl-Reisinger im NEOS-Wahlkampf 2020 spielen wird, darauf will sich Wiederkehr im „Wien heute“-Jahreswechselinterview noch nicht festlegen. Nur so viel: „Wir halten zusammen.“

Wiederkehr im „Wien heute“-Interview

Von fehlender Bekanntheit will der NEOS-Chef im „Wien heute“-Jahreswechsel-Interview nichts wissen: „Die Privilegienritter in der Stadt kennen mich genau.“

Dass er selbst nicht so bekannt ist, sieht Wiederkehr wenig problematisch: „Mit der Bekanntheit in der Politik ist es immer eine Sache. Man wird schnell bekannt mit Skandalen, das ist nicht die Politik, die ich machen möchte“, so der NEOS-Wien-Chef. Jedoch: „Im Krankenhaus Nord habe ich mir einen Namen gemacht, mich kennen hier einige Leute und, davon können Sie ausgehen, die Privilegienritter in der Stadt kennen mich ganz genau.“

Beate Meinl-Reisinger mit Christoph Wiederkehr
APA/Helmut Fohringer
Fehlende Bekanntheit könnte, laut Politikwissenschafterin, durch NEOS-Bundeschefin Beate Meinl-Reisinger ausgeglichen werden

Bildung und Gesundheit als zentrale Themen

Sein Resümee zum vergangenen Jahr fällt im Interview positiv aus. „Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr mit zwei sensationellen Wahlergebnissen auch in Wien bei der Europa- und Nationalratswahl“, sagte Wiederkehr. Bei der Europawahl erhielt NEOS in Wien knapp über zehn Prozent der Stimmen, bei der Nationalratswahl lag man knapp darunter. „Mir geht es aber um mehr als die Prozentzahl – um ein Ziel, auch Wirksamkeit zu entfalten und darum, den Bildungsmissstand in dieser Stadt anzusprechen. Wir haben vier von zehn Kindern in dieser Stadt, die nicht ausreichend Deutsch können.“

Problematisch sieht er auch, dass Menschen zweimal zahlen müssen, wenn sie gute Leistungen wollen: „Wenn man zum Beispiel beim Arzt schnell drankommen will, muss man privat dafür zahlen. Wenn man gute Bildung für die Kinder haben möchte, muss man die Kinder in vielen Bereichen in die Privatschule schicken. Das ist unfair, das ist ungerecht.“

Regieren ja, aber nicht mit der FPÖ

Offen lässt Wiederkehr, ob es eine NEOS-Regierungsbeteiligung geben wird. Sicher ist er sich jedoch, dass die SPÖ die Wahl mit großem Vorsprung gewinnen wird und sich den Koalitionspartner aussuchen kann. Eine Mitarbeit schließt er aber nicht aus: „Wir haben immer klar gesagt, wir sind allen Varianten gegenüber offen – außer mit der FPÖ.“ Wichtiger als die Varianten sei ohnehin, in welche Richtung sich Wien entwickelt. Da will sich NEOS auch ohne Regierungsbeteiligung einbringen.

Gegenüber den neuesten Entwicklungen in der Causa Heumarkt – das Hochhaus soll ja nun nicht kommen, bzw. nur in Welterbe-konformer Höhe – zeigt sich der NEOS-Wien-Chef zurückhaltend: „Schauen wir mal, was wirklich kommen wird.“ Er sieht jahrelanges Versagen der rot-grünen Stadtregierung bei diesem Thema. Vor allem die Grünen kritisiert Wiederkehr scharf: „In der Regierung haben sie ihre Werte aufgegeben, schauen dort weg, wo man eigentlich hinschauen muss und sind von Aufdeckern zu Zudeckern geworden.“