Muttern eines Gleises im Vordergrund, Arbeiter im Hintergrund
APA/Roland Schlager
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Chronik

U4-Sanierung um 44 Millionen Euro teurer

Von 2014 bis 2024 wird die Wiener U-Bahnlinie U4 umfassend saniert: Dabei sind laut Rechnungshof die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Wie der „Kurier“ berichtet soll die Sanierung nicht wie bisher budgetiert 335 Millionen Euro, sondern doch 379 Millionen Euro kosten.

Zwei Wochen noch, dann wird die U4-Station Pilgramgasse nach einem Jahr Sperre wiedereröffnet. In den vergangenen zwölf Monaten wurde der Otto-Wagner-Bau in Margareten umfassend saniert. Das Projekt ist Teil der Rundum-Erneuerung der U4, die bereits seit 2014 läuft. Von der „größten Modernisierung in der Geschichte der Wiener U-Bahn“, sprechen die Wiener Linien. 335 Millionen Euro soll das Projekt laut offiziellen Angaben kosten, das noch bis 2024 läuft. Wie der „Kurier“ am Donnerstag berichtet, wird das Projekt um 44 Millionen Euro mehr kosten.

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Ein Mann schaufelt Kies neben U-Bahngleisen
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Im Zuge der U4-Sanierung werden immer wieder Stationen und Streckenabschnitte gesperrt
Mehrere Bauarbeiter arbeiten auf der Baustelle
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Hunderte Arbeiter werken Tag und Nacht an der Generalsanierung der Strecke
Nahaufnahme eines Gleises
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Zwischen den Stationen Längenfeldgasse und Karlsplatz wurden in Summe 209 Tonnen Schienen verlegt
Mehrere Arbeiter machen Pause und sitzen auf dem Bahnsteig
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Nicht nur Schienen und Technik müssen auf den neuesten Stand gebracht werden …
Ein gelber Bagger hebt ein Metallteil
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… sondern auch der Untergrund, der noch aus Otto Wagners Zeiten stammt
Muttern eines Gleises im Vordergrund, Arbeiter im Hintergrund
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Tausende Kubikmeter Schotter, viele Tonnen Betonschwellen und tausende dazugehörige Schrauben werden verbaut
Arbeiter vor der U-Bahnstation
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Ursprünglich war für die U4-Sanierung eine Investition von 335 Millionen Euro geplant
Die Gleise gehen in die Ferne
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Bei den Bauarbeiten kommen unterschieldiche Fahrzeuge zum Einsatz unter anderem auch eine „Gleisstopfmaschine“
Drei Arbeiter verlegen ein Gleis
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Parallel wird noch altes gegen neues Schienenmaterial getauscht
Eine Baggerschaufel füllt etwas in einen gelben Container
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Bevor eine Strecke eröffnet wird, werden ausführliche Testfahrten durchgeführt

Rechnungshof: „Unnötige Kosten“ bei Station Stadtpark

Der Grund: In der ursprünglichen Kostenschätzung waren künftige Preissteigerung bis zum Bauabschluss 2024 nicht berücksichtigt. Das geht aus einem Rechnungshof-Rohbericht hervor. Laut Prüfern musste bei den Kosten bereits im November 2018 nachgebessert werden. Auf der Homepage finden sich aktuell (Stand: 15. Jänner) jedoch immer noch die 335 Millionen Euro.

Das sei allerdings nicht das einzige Problem: Bei der Sanierung der Station Stadtpark führten Zusatzaufträge zu einer Kostenerhöhung zwischen Auftrags- und Schlussrechnungssumme von rund 354.000 Euro. Unnötige Kosten von 51.000 Euro sollen auch bei der Ober- und Unterbausanierung angefallen sein, weil für die Angebotsprüfung ein externer Sachverständiger beigezogen wurde. Seine Arbeit hätten die Wiener Linien selbst erledigen können, heißt es im Bericht.

Kurioses Detail: Das historische Stationsgebäude Stadtpark steht unter Denkmalschutz, weshalb für die Sanierung eine Bewilligung erforderlich war. Sie langte im April 2016 ein. Da hatten die Wiener Linien aber längst zu bauen begonnen.

Wiener Linien argumentieren mit Teuerungsrate

Das Plus von 44 Millionen Euro sei keineswegs Ergebnis von unerwarteten Mehrkosten, heißt es bei den Wiener Linien gegenüber der Zeitung, sondern der Valorisierung geschuldet. Man habe sie bisher nicht ausgewiesen, weil man die Schlussabrechnung abwarten wolle.

Hinter den Mehrkosten beim Stadtpark würden zusätzliche Arbeiten stehen. Sie wurden laut einer Wiener Linien-Sprecherin nach Baustart nötig, weil die Bestandspläne nicht der Realität entsprochen hätten. Jedenfalls sei ständig das Bundesdenkmalamt über die Bauarbeiten informiert gewesen. Es habe keine Einwände gehabt.

Opposition kritisiert Steuergeldverschwendung

„Wir haben große Sorgen, wie der U-Bahnausbau weiter verlaufen wird, wenn wir jetzt schon eine Verteuerung von mehr 13 Prozent zu erwarten haben. Das Ärgerliche daran ist, dass Stadträtin Sima es nicht einmal als nötig erachtet, die Parteien im Gemeinderat über diese Entwicklung zu informieren", kritisiert NEOS Wien Klubobmann Christoph Wiederkehr. Die Partei will einen Antrag einbringen, dass in Zukunft die Stadträtin die Mitglieder des Gemeinderats laufend über den aktuellen Status zum Entwicklungs- und Kostenplan informieren muss.

Für den Wiener ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch sind die 44 Millionen Euro Kostenüberschreibung bei der U4-Sanierung „wieder einmal ein aus dem Ruder gelaufenes Bauprojekt in unserer Stadt.“ Einer der ÖVP-Hauptkritikpunkte neben der „Steuergeldverschwendung“ ist zudem „die jahrelang fehlende Auswertung von Betriebsstörungen der U-Bahn“.