Eine Ärztin impft einen Patienten.
APA/dpa/Julian Stratenschulte
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Gesundheit

Gratis-Grippeimpfung steigert Impfrate nicht

In Wien steigt die Zahl der Grippeerkrankungen immer weiter an. Für viele Mediziner ist unverständlich, dass trotz der Möglichkeit sich impfen zu lassen, das nur sehr wenige Menschen machen. Eine Gratis-Grippeimpfung dürfte da auch nichts ändern. Die Zahl der Erkrankten steigt unterdessen an.

Knapp 15 Euro kostet die Grippeimpfung in den Impfstellen der Stadt. Preise in Apotheken oder Honorare von Ärzten können dagegen unterschiedlich ausfallen. Eine kostenlose Grippeimpfung würde die Durchimpfungsrate bei Influenza aber nicht anheben, meint Peter Voitl, Impfreferent der Ärztekammer Wien. „Es ist eine aufwendige Impfung, die jedes Jahr gemacht werden muss und nicht wie Zecken alle fünf Jahre oder andere Impfungen alle zehn Jahre.“

Impfrate liegt bei etwa zehn Prozent

Es brauche mehr Impfaktionen und Kampagnen für die Grippeimpfung. Das Problembewusstsein müsse gesteigert werden, meint Voitl. „Wir fürchten uns vor dem Coronavirus, das nach Wien kommen könnte, aber nicht vor der aggressiven Influenza die hier ist und tatsächlich Todesfälle fordert.“ In der Grippesaison 2017/2018 haben sich nur 6,2 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gegen die Grippe impfen lassen, so eine Sprecherin des Verbands der Impfhersteller.

In der vorigen Grippesaison lag die Durchimpfungsrate bei 8,4 Prozent – im selben Jahr starben in Österreich nach Expertenschätzungen über 1.000 Menschen an den Folgen der Grippe. In der heurigen Saison rechnet der Verband der Impfhersteller zumindest mit einer leichten Steigerung auf zehn Prozent. Das sei immer noch zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allein bei Senioren eine Impfrate von 50 Prozent.

Gesundheitsminister plant Kampagnen

Grundsätzlich ist die Influenza-Impfung für alle Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat empfohlen, insbesondere für Ältere, chronisch Kranke, Personengruppen mit anderen Risikofaktoren und Personal im Gesundheitswesen. „Generell muss es daher ein Ziel Österreichs sein, die Impfquote zu erhöhen. Für den nächsten Winter bereiten wir daher Initiativen für eine Anhebung der Impfquote vor“, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Der Verband der Impfhersteller sieht einen wichtigen Schritt des Gesundheitsministers, sich mit Ärzten, Apothekern, Landessanitätsverbänden und dem Verband der Impfstoffhersteller zusammenzusetzen und gemeinsamen Plan zu erstellen. Dann könne der Verband besser planen, wie viel Impfstoff überhaupt benötigt wird. Denn der soll nicht nur in den Apotheken herumliegen, sondern auch tatsächlich geimpft werden.

Zahl der Erkrankten auf 11.100 gestiegen

Die Zahl der an Grippe erkrankten Menschen in Wien ist im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Aktuell sind laut am Dienstag veröffentlichter Zahlen des Grippemeldedienstes rund 11.100 Personen (Schwankungsbreite plus/minus 1.150) betroffen. Das sind um 3.100 Fälle mehr als noch vor einer Woche.

Die Grippewelle hat die Bundeshauptstadt damit zunehmend im Griff. Die entsprechende Statistikkurve geht seit einigen Wochen deutlich nach oben. Anfang des Jahres wurden beispielsweise erst 4.200 Erkrankte verzeichnet.