Rathauskunstwerk
APA/Hans Klaus Techt
APA/Hans Klaus Techt
Kultur

Rathausturm-Künstlerinnen bei Biennale

Nun ist fix, wer Österreich 2021 bei der Biennale Venedig vertreten wird: Die Künstlerinnen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Sie haben im Vorjahr auch den Rathausturm mit einem Mega-Kunstwerk verhüllt.

Seit dem vergangenen Frühjahr kennt sie zumindest halb Wien. Das Kunstwerk auf dem Rathausturm war 1.500 Quadratmeter groß und 70 Meter hoch. Die ganz in Rot gehaltenen Silhouetten zweier Figuren, von denen eine auf den Schultern der anderen saß, konnten als Selbstporträt mit Augenzwinkern gelesen werden.

Solo, als auch im Doppelpack

Vor allem aber symbolisierte das Bild einen spielerischen Umgang mit Uneindeutigkeit: dick oder dünn, männlich oder weiblich, homo oder hetero – alles nicht einmal beim genauen Hinsehen klar erkennbar. Und auch egal. Nicht nur, weil es ein ganz schön großes „Dazwischen“ gibt. Diese Statement, das am Rathaus für eine weltoffene Stadt warb, wird auch die Bespielung des Österreich-Pavillons bei der 59. Kunstbiennale 2021 in Venedig prägen. Die erstmalige Ausschreibung der Bespielung des Österreich-Pavillons in den Giardini gewann mumok-Direktorin Karola Kraus mit dem queeren Duo Scheirl und Knebl.

 Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl
APA/Georg Hochmuth
Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl vertreten Österreich in Venedig

Die beiden arbeiten sowohl als Solo-Künstler wie im Doppel-Pack. Von ihrem gemeinsamen Vorjahres-Auftritt auf der 15. Biennale in Lyon werden sie manche Ideen mit nach Venedig nehmen, hieß es bei der heutigen Präsentation. 2021 sind sie zu einer gemeinsamen Ausstellung ins Musée d’Art de Joliette in Quebec eingeladen.

Taufnamen getauscht

Jakob Lena Knebl wurde 1970 in Baden geboren. Sie war zehn Jahre in der Altenpflege tätig, ehe sie an der Akademie der bildenden Künste bei Heimo Zobernig textuelle Bildhauerei und bei Raf Simons an der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst Wien studierte. Von einigen Jahren ersetzte sie ihren Taufnamen im Sinne ihres Spiels mit Identität und Geschlecht durch die Vornamen ihrer Großeltern und gab sich den Nachnamen Knebl.

„In ihren Arbeiten setzt sie die assoziative Fülle des eigenen Denkens mit einer Vielzahl von Ausdrucksmitteln (Performance, Installation, Film, Fotografie, Objekt) in Verbindung“, heißt es in einer Kurz-Biografie der Akademie der bildenden Künste Wien, wo Knebl als Senior Artist am Institut für das künstlerische Lehramt arbeitet.

2017 wurde sie mit einem Outstanding Artist Award ausgezeichnet und bestritt mit „Oh… Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung“ ihre erste große Museumsschau, mit der sie die Besucher in die bunte Knebl-Welt einlud. Noch bis 28. März ist ihre Ausstellung „Ruth Anne“ in der Wiener Galerie Kargl zu sehen, bis 17. Mai ihre Ausstellung „Frau 49 Jahre alt“ im Kunstmuseum Lentos Linz. Im Musée d’Art et d’histoire in Genf soll sie die Antrittsausstellung des neuen Direktors Marc Olivier Wahler ausrichten.

Österreichischen Preis für bildende Kunst

Die Transgender-Künstlerin Ashley Hans Scheirl wurde 1956 in Salzburg geboren und studierte 1975-80 an der Akademie der bildenden Künste Wien. 1980 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom in Konservierung und Restaurierung ab und übersiedelte für einige Zeit nach New York. 2003 legte sie ihre Masterprüfung am Master of Art studies am Fine Art at Central Saint Martins College of Art and Design in London ab. Nach 16 Jahren in London, wo sie sich in der Szene von queeren und transgender-Künstler*innen bewegte und sich die transgender Identität „Hans“ zulegte, lebt sie seit 2005 in Wien.

 Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl
APA/Georg Hochmuth
Queeres Duo aus Wien für Venedig

Scheirl erhielt 2006 das österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst und wurde im selben Jahr Professor*in für kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach über 50 Filmen („Flaming Ears“, „Dandy Dust“ u.a.) rückte installative Malerei in den Mittelpunkt ihres Interesses. 2017 war sie an der documenta 14 in Kassel beteiligt, 2018 stellte sie im Kunstverein Salzburg und im Künstlerhaus Graz aus. 2019 erhielt Ashley Hans Scheirl den Österreichischen Preis für bildende Kunst und gestaltete die Trophäe für den Großen Schauspielpreis des Filmfestivals Diagonale.