Kultur

Werkbundsiedlung wird Kulturerbe

Die EU-Kommission hat der Werkbundsiedlung in Wien-Hietzing das „Europäische Kulturerbe Siegel“ verliehen. An der 1932 eröffneten Siedlung waren 70 Architekten beteiligt. Die Generalsanierung ist weitgehend abgeschlossen.

Die Stadt Wien sieht in der Verleihung des Kulturerbes eine Würdigung für die jahrelangen Bemühungen um die Sanierung, wie Bürgermeister Michael Ludwig und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) in einer Aussendung mitteilten: „Die Werkbundsiedlung ist ein beeindruckendes Zeichen der fortschrittlichen Aufbruchsstimmung in der 1. Republik, an die wir heute in Wien nicht nur erinnern, sondern die wir mit unserer Wohnbaupolitik fortleben lassen.“

Die Wiener Werkbundsiedlung bildet nun gemeinsam mit vier weiteren Siedlungen in Deutschland, Polen und Tschechien eine länderübergreifende Kulturerbe-Stätte. Die Einreichung bei der EU erfolgte unter der Leitung von Stuttgart und in Kooperation mit Brünn, Prag, Breslau und Zürich.

Soziales Wohnen als Thema für Bauaustellung

Das Thema „sozialer Wohnbau“ wird in den nächsten Jahren in Wien einen Schwerpunkt bilden, etwa bei der „Internationalen Bauausstellung Wien“ im Jahr 2022. Dabei sollen Innovationen und neue Kooperationen für zukunftsfähige Lösungen rund ums Thema Wohnen entwickelt werden. Ein aktueller Stand wird bei der Ausstellung „Wie wohnen wir morgen?“ präsentiert, die planmäßig ab 8. September im ehemaligen Sophienspital zu sehen sein wird.

Auch das 2016 gegründete „Netzwerk europäischer Werkbundsiedlungen“ plant weitere Aktivitäten. Kooperationen mit Universitäten und neue Websites sind geplant.

Gebäude von 70 Architekten

Die Wiener Werkbundsiedlung wurde in den Jahren 1930 bis 1932 errichtet. Insgesamt waren 32 Architekten und eine Architektin – Margarete Schütte-Lihotzky – an der Errichtung der 70 Häuser beteiligt. Drei Architekten waren aus dem europäischen Ausland – Gerrit Rietveld aus Holland, Hugo Häring aus Deutschland und André Lurcat aus Frankreich – und auch der in Wien geborene Richard Neutra, der damals schon in den USA arbeitete, plante ein Gebäude.

Ebenso waren zahlreiche lokale Architekturgrößen wie Adolf Loos, Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister, Oswald Haerdtl und Ernst Plischke an der Planung der Siedlung beteiligt.

Die Eröffnung der Siedlung fand im Sommer 1932 statt und anschließend wurde die Siedlung in nur acht Wochen von mehr als 100.000 Menschen besucht. Die 70 voll möblierten Einzelhäuser in freistehender, gekoppelter bzw. zeilenförmiger Bebauung konnten sowohl von Innen als auch von außen besichtigt werden.

Generalsanierung seit 2011

Eine erste Generalsanierung fand von 1983 bis 1985 statt. Nach einer europaweiten Ausschreibung arbeiten die WISEG Wiener Substanzerhaltungsg.m.b.H. & Co KG und die Praschl-Goodarzi Architekten ZT GmbH seit 2011 bis heute an der Generalsanierung der Werkbundsiedlung.

Die Sanierung von 48 Häusern soll das Erscheinungsbild so nah wie möglich an den Zustand von 1932 angleichen und die vorhandene Originalsubstanz langfristig sichern. In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesdenkmalamt wurden die einzelnen Häuser in Etappen saniert.