Kundenschlange vor Baumarkt
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Wirtschaft

Ansturm nur auf Baumärkte

Tag 1 nach der Coronavirus-Sperre hat für den Wiener Handel eine zwiespältige Bilanz erbracht. Baumärkte und Gartencenter waren so wie an sehr starken Einkaufssamstagen besucht. Um einiges ruhiger ist es hingegen in den Wiener Einkaufsstraßen zugegangen.

Wiens längste Einkaufsstraße ist die Mariahilfer Straße. Doch selbst hier war die Zahl der Einkaufswilligen überschaubar. Zwar durften zahlreiche Geschäfte ohnehin nicht aufsperren, weil sie größer als 400 Quadratmeter sind. Aber die geöffneten Geschäfte wurden auch eher nur sporadisch besucht, dafür flanierten Spaziergänger in der Mitte der Straße. Ein ähnliches Bild war auch am Graben und in der Kärntner Straße zu beobachten. Selbst im „Goldenen Quartier“ in der Innenstadt, in dem sich normalerweise vorrangig betuchte Touristen tummeln, waren am ersten Öffnungstag kaum Passanten zu sehen.

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Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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Nach vierwöchiger Sperre öffnen in Wien wieder Geschäfte…
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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…nicht ohne auf die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus zu erinnern.
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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Der Andrang hält sich in Grenzen…
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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…Menschenmassen sind nicht auszumachen…
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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…Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel sowie Bankomatkasse gehören jetzt zum Inventar.
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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Manche schützen sich mit Behelfskonstruktionen.
Lokalaugenschein am 14. April in der Wollzeile
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Die Polizei kontrolliert, nicht viele Menschen sind zu sehen.
Ein Schuster mit Schutzmaske in seinem Geschäft aufgenommen am Dienstag, 14. April 2020, in Wien.
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Nicht viel los auch bei einem Schuster in der Mariahilfer Straße.

Ganz anders die Situation vor den großen Baumärkten und gartencentern. Bisweilen bildeten sich lange Schlangen vor den Eingängen. Die Kunden mussten mittels Blockabfertigung in die Baumärkte gelotst werden. Denn laut Regierungsvorgaben darf sich pro 20 Quadratmeter nur ein Kunde im Verkaufsraum aufhalten. So warteten vor den Eingängen bereits in der Früh dutzende Kunden mit Mund-Nasen-Schutz und mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand auf den Einlass ins Geschäft. Drinnen wurde es dann bei Pflanzen und Heimwerkerzubehör eng. Der Abstand war oft nur schwer einzuhalten.

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Kundenschlange vor Baumarkt
Andrea Habla
Kundenschlange vor Baumarkt
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Kunden vor Baumarkt
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Security und Kunden mit Masken vor Baumarkt
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Kunden vor einem Baumarkt mit Einkaufswagen und Maske
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Kunden und Polizeiauto vor einem Baumarkt
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Kundin nach einem Baumarktbesuch
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Gewerkschaft und Regierung ersuchen um Geduld

Die Gewerkschaft appellierte erneut an die Vernunft der Kunden, „nur dringende Einkäufe bereits in dieser Woche zu erledigen". Denn die Kundenströme müssten sich über längere Zeit verteilen können. „Material zur Reparatur der Wasserleitung kann gerne heute gekauft werden, der neue Lampion für den Garten soll bitte bis nächste Woche warten“, sagte Barbara Teiber von der Gewerkschaft GPA-djp. Gemeinsam mit dem Handelsverband wurde auch dazu aufgerufen, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Arbeitgeber müssten auch auf die Beschränkung von einem Kunden pro 20 Quadratmeter achten.

Ansturm nur auf Baumärkte

Tag 1 nach der Coronavirus-Sperre hat für den Wiener Handel eine zwiespältige Bilanz erbracht. Baumärkte und Gartencenter waren so wie an sehr starken Einfkaufssamstagen besucht. Um einiges ruhiger ist es hingegen in den Wiener Einkaufsstraßen zugegangen.

Ähnlich die Regierung. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) empfahl, nicht gleich am ersten Tag die Geschäfte zu stürmen: „Die Baumärkte bleiben offen. Man muss nicht alles heute besorgen.“ Kanzler Kurz (ÖVP) ergänzte, der Andrang sei nicht überraschend, weil die Geschäfte lange geschlossen waren. „Dass es in den Baumärkten großen Andrang geben wird, damit haben wir gerechnet.“ Aber die Geschäfte haben wieder länger offen, man müsse nicht unbedingt am ersten Tag einkaufen gehen.

4.600 Geschäfte in Wien wieder offen

In Wien durften rund 4.600 Geschäfte wieder aufsperren. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) appellierte, regional zu kaufen statt bei internationalen Onlineriesen. Von den Branchen her sind die meisten der wieder geöffneten Geschäfte Schuh- und Bekleidungs-Shops. 1.018 wieder geöffnete Geschäfte verschiedener Branchen liegen laut „Kurier“ in der Inneren Stadt.

Seit Dienstag dürfen Tankstellen-Waschstraßen, Kfz- und Fahrradwerkstätten, Baustoff-, Eisen- und Holzhandel, Pfandleihanstalten und der Handel mit Edelmetallen, Bau- und Gartenmärkte (unabhängig von der Größe) sowie kleinere Händler, wenn der Kundenbereich im Inneren höchstens 400 Quadratmeter beträgt, ihre Pforten öffnen.

Wirtschaftskammer: Zwei Milliarden Euro Verlust

Die Verluste für ganz Österreich durch die ein Monat dauernde Schließung der Geschäfte bezifferte Peter Buchmüller, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, mit rund zwei Milliarden Euro: „Hier wird es Schritt für Schritt weniger Umsatzverluste geben. Insgesamt kann dieser Verlust im Jahresverlauf aber nicht mehr ganz aufgeholt werden", sagte er im Ö1-Morgenjournal.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖV) hatte am Montag in der Zib2 zur Kritik, dass manche Geschäfte ab Dienstag offen halten dürfen, andere nicht – obwohl sie weiträumiger sind als Lokale, die aufsperren dürfen – betont, dass „wir noch weit davon entfernt sind, gleichzeitig aufzumachen“. Man habe hier auf Erfahrungen anderer, erfolgreicher Länder im Kampf gegen den Coronavirus zurückgegriffen.