Eine Fahrradfahrerin in der Wiener Innenstadt.
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
Verkehr

Fahrrad statt Auto für Berufsverkehr

Der Berufsverkehr verursacht werktags die Hälfte der Autokilometer. Künftig sollen berufliche Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern zurückgelegt werden. Dafür soll Mobilitätsmanagement für Betriebe ab 50 Mitarbeitern zur Norm werden, fordert der VCÖ.

Boehriger Ingelheim in Wien-Hetzendorf setzt bereits auf Mobilitätsmanagement, genauso wie Infineon Austria in Villach mit seinem Programm „Green Way“. Dort kommen bei gutem Wetter bereits bis zu 800 Mitarbeiter mit Fahrrädern zur Arbeit. In Wien gibt es laut Verkehrsklub Österreich (VCÖ) auch Initiativen einzelner Unternehmen, die etwa Lastenfahrräder für den Betrieb nützen, oder auch Vergünstigungen für jene, die mit dem Fahrrad in die Firma kommen. Doch es brauche mehr. Neben Firmen sei auch die Politik gefordert, sagte Christian Gratzer vom VCÖ.

Lastenfahrrad vor Busgarage
Wiener Linien / M. Helmer
Paketverteilung per Lastenfahrrad

Viele Arbeitswege wären mit Fahrrädern oder E-Bikes zu bewältigen. Doch dazu brauche es neben politischen Förderungen auch ein besseres Radwegenetz. In Österreich sind derzeit rund 750.000 E-Bikes im Einsatz. Es mache schon einen Unterschied, wenn von 1.000 Mitarbeitern einer Firma 800 mit dem Auto kommen oder nur 100. Wenn es genügend Platz für Radfahrer gebe, würden auch viele Wienerinnen und Wiener vom Auto auf das Fahrrad umsteigen.

„Gute Gründe“, um Gewohnheiten zu ändern

Der Mobilitätsmanagement-Experte Martin Reis vom Energieinstitut Vorarlberg betonte, Menschen bräuchten gute Gründe, um ihr Mobilitätsverhalten zu ändern: "Und die Unternehmen brauchen gute Gründe betriebliches Mobilitätsmanagement umzusetzen.“ Der betriebliche Nutzen sei vorhanden, unter anderem durch Einsparungen von Parkplatzflächen sowie durch gesündere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dass Österreich mehr betriebliches Mobilitätsmanagement braucht, war auch ein zentrales Ergebnis der VCÖ-Fachleutekonferenz, bei der am Dienstag 70 Expertinnen und Experten online über Maßnahmen für ein klimaverträgliches Mobilitätsverhalten am Arbeitsweg diskutierten.

Radfahrer in Wien
APA/Helmut Fohringer

Mehr öffentlicher Verkehr, mehr Radwege

Profitieren würden freilich noch viel mehr Menschen als die unmittelbar Beteiligten. Denn weniger Autos dafür mehr Fahrräder auf den Straßen würden auch weniger Staus und eine bessere Luftqualität mit sich bringen. Zwar hätten durch die Covid-19-Pandemie Home-Office und Videokonferenzen zugenommen, gleichzeitig gebe es aber eine Verlagerung vom Öffentlichen Verkehr auf den Pkw.

„Für die Verkehrssituation und die Luftqualität in den Ballungsräumen ist es wichtig, dass der Anteil des Öffentlichen Verkehrs wieder rasch steigt“, stellte VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Mitzunehmen wären auch Pendlerinnen und Pendler. Sie würden ebenso eine bessere Infrastruktur brauchen, wie etwa Radschnellwege vom Umland nach Wien.

Radverkehr sorgt immer wieder für Debatten

Dass der Ausbau von Radwegen, wenn er zulasten von Autofahrern geht, in Wien höchst umstritten ist, zeigten in jüngster Vergangenheit die mitunter heftigen politischen Debatten über Pop-up-Radwege und über die Wiener Verkehrspolitik. Die Rede ist von Wut und Unverständnis bei Autofahrern. Der ÖAMTC schlug etwa vor, den Radverkehr genau zu evaluieren. Wenn die Belastung des Autoverkehrs in keinem akzeptablen Verhältnis zum Nutzen für den Radverkehr stehe, müsste die Verkehrsorganisation den tatsächlichen Bedürfnissen der Verkehrsteilnehmer angepasst werden.

In Wien gibt es derzeit 1.432 Kilometer Radwege, allein für dieses Jahr sind 30 Projekte zur Verlängerung angekündigt. In ihrem „Grundsatzbeschluss Radfahren in Wien“ bekennt sich die Stadt zu nachhaltiger Mobilität: „Die Anteile von Gehen, Radfahren und Öffentlichem Verkehr an den Wegen der Wienerinnen und Wiener sind deshalb zu stärken.“

„Green Way“ bei Infineon Villach

„Green Way“ heißt das betriebliche Mobilitätsmanagement von Infineon Austria in Villach. Basierend auf einer im Jahr 2016 durchgeführten Umfrage und Wohnstandortanalyse werden seither Maßnahmen ergriffen, damit die Beschäftigten vermehrt mit Fahrrad beziehungsweise Elektrofahrrad, mit dem Öffentlichen Verkehr oder in Fahrgemeinschaften zur Arbeit kommen. Die Erfahrung vom Infineon Projektleiter Matthias Felsberger: „Das Mobilitätsverhalten wird meist wechselwirkend anhand der Faktoren Komfort, Zeit und Kosten entschieden. Hier muss angesetzt werden.“