Landesgericht für Strafsachen Wien
APA/Hans Punz
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Chronik

90.000 Euro erbeutet: Falscher Polizist verurteilt

Ein 41-jähriger Mann ist heute in Wien zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt worden, weil er sich als Polizist ausgegeben hat. Eine 85-Jährige Wienerin soll ihm mindestens 90.000 Euro übergeben haben – im Glauben, das Geld so vor Einbrechern zu schützen.

Die 85-jährige Wienerin war den falschen Polizisten Anfang Jänner 2019 zum Opfer gefallen. Bei der vermögenden Frau, die ihren Angaben zufolge in einem Safe in ihrer Hietzinger Wohnung über 200.000 Euro verwahrte, hatte eines Abends das Telefon geläutet. Ein vermeintlicher Polizeibeamter erklärte ihr am anderen Ende der Leitung, ihr Name finde sich auf einer Liste von Leuten, bei denen eingebrochen werden soll. „Ich hab’ am ganzen Körper gezittert“, berichtete die Pensionistin nun im Zeugenstand.

Als nächstes erkundigte sich der angebliche Polizist, ob sie Geld zu Hause habe, was die 85-Jährige bejahte. Darauf wurde ihr weisgemacht, sie müsse einem anderen Beamten die Hälfte des Gelds übergeben, das registriert werden müsse. Dabei soll es sich um den Angeklagten gehandelt haben, der wenige Minuten später vor ihrer Wohnung erschien und mit ausgewählter Höflichkeit anklopfte.

„Ich hab’ mich manipulieren lassen“

Die Frau drückte ihm darauf ein Sackerl mit zumindest 90.000 Euro in die Hand, wobei sie dem Gericht erklärte, dass es wahrscheinlich mehr gewesen sei: „Ich weiß nicht mehr, wie viel ich im Safe gehabt habe.“ Sie gehe heute davon aus, dass sie „mehr als 100.000 Euro, sicher 120.000 Euro“ losgeworden sei.

„Ich bin selber schuld. Ich hab’ mich manipulieren lassen“, gab sich die rüstige 85-Jährige in ihrer Zeugenbefragung zerknirscht. Der Illusion, dass sie vom verschwundenen Vermögen auch nur einen Cent je wieder sehen wird – formal bekam sie als Privatbeteiligte vom Gericht 90.000 Euro zugesprochen –, gab sie sich nicht hin: „Ich werd’ kein Geld kriegen.“

Acht Monate unbedingte Haft

Im Hinblick auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten wurde vom Schöffensenat nur ein Teil der verhängten Strafe für den 41-Jährigen – acht Monate – unbedingt ausgesprochen. Den Rest bekam der von Verteidiger Roland Friis vertretene Mann unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Da der 41-Jährige den unbedingten Strafteil unter Anrechnung der U-Haft bereits verbüßt hat, wurde er nach der Verhandlung enthaftet.

Von zwei weiteren Taten wurde der Angeklagte im Zweifel freigesprochen. In diesen Fällen war nicht nachweisbar, dass der 41-Jährige in die betrügerischen Machenschaften involviert war. Von diesen war vor allem eine 81-jährige Witwe betroffen, der im vergangenen September insgesamt 270.000 Euro abgeluchst wurden. Weder sie noch ein drittes Opfer erkannten im Angeklagten zweifelsfrei den Täter wieder, dem sie ihr Geld in die Hand gedrückt hatten.

Bande soll Millionen erbeutet haben

Der Mann dürfte einer Bande angehört haben, die nach derzeitigem Stand in Ostösterreich vorwiegend ältere Frauen um insgesamt fast vier Millionen Euro gebracht hat. Die Opfer wurden offenbar gezielt angerufen, wobei ihnen vorgemacht wurde, sie hätten es mit der Polizei zu tun. In weiterer Folge wurden sie dazu gebracht, den Kriminellen Bargeld und Schmuck zu übergeben.

Bisher sind nicht weniger als 180 Fälle polizeibekannt, bei denen Beträge zwischen 1.000 und 300.000 Euro übergeben wurden. Ermittelt wird gegen die kriminelle Organisation von burgenländischen, niederösterreichischen und Wiener Polizeidienststellen – mehr dazu in Falsche Polizisten erbeuten 3,5 Millionen.