Gesundheit

Caritas: Zeitfenster vor zweiter Welle nutzen

Die Caritas appelliert an die Bundesregierung, die verbleibende Zeit vor einer möglichen zweiten Welle zu nutzen, um den Pflege- und Gesundheitsbereich bestmöglich vor Infektionen zu schützen. Unter anderem wird eine Coronavirus-Pflege-Taskforce gefordert.

„Mehr als 500.000 alte und pflegebedürftige Menschen in ganz Österreich zählen zur Hochrisikogruppe Nummer eins. Österreich ist bislang deutlich besser durch diese Krise gelangt als viele andere Länder. Doch klar ist auch: Wir müssen das aktuelle Zeitfenster nutzen, um den Pflegebereich noch besser vor dem Virus zu schützen“, betonte Caritas-Präsident Michael Landau am Mittwoch vor Journalisten.

Ein Drittel aller CoV-Sterbefälle durch Pflegewohnhäuser

Laut einer Studie der AGES war ein Drittel aller Sterbefälle in Österreich zuletzt auf Infektionen in Pflegewohnhäusern zurückzuführen. „In anderen Ländern mag die Quote deutlich höher sein, doch diese Zahl macht deutlich: Wir müssen Lehren aus den vergangenen Monaten ziehen und die Abwehrkräfte der Pflege noch weiter stärken“, sagte Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat bei dem Termin.

Auch Patientenanwalt Gerald Bachinger fordert ein „noch verbessertes Krisenmanagement.“ Neben einem Ampelsystem, wie es die Bundesregierung zur Bekämpfung des Virus installieren will, brauche es auch „Schnellstraßen, Leitplanken und klare Regeln“.

Konkret gemeint sind damit laut Landau, Rauch-Kallat und Bachinger eine am Bund angesiedelte Coronavirus-Pflege-Taskforce, eine verbesserte Teststrategie, die Bevorratung von Schutzausrüstung, die Sicherstellung von medizinischer Grundversorgung im niedergelassenen Bereich und im Bereich der Krankenanstalten sowie Klarheit in Sachen Finanzierung.

Verbindliche, klare Richtlinien für ganz Österreich

In Bezug auf die Coronavirus-Pflege-Taskforce betonte Landau: „Zumindest für die Dauer der Pandemie sollten wir zentrale Auswüchse des Föderalismus über Bord gehen lassen.“ In der Pflege-Taskforce sollten Vertreter der Länder und Pflegeträger vertreten sein, die dem Krisenstab des Bundes beratend zur Seite stehen. Dadurch erwartet man sich rascheres Handeln und mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Es brauche nicht „bloße Empfehlungen, sondern verbindliche Richtlinien und klare Vorgaben für ganz Österreich“, betont die Caritas.

Ex-Ministerin Rauch-Kallat sprach sich für einen starken Einsatz des Bundes aus, wenn es um ein Mehr an Schutzausrüstung geht. „Noch immer müssen selbst kleine Pflegeanbieter mit ganzen Staaten wie Indien oder den USA am Weltmarkt konkurrieren. Engpässe sind bereits spürbar und dürften sich im Fall einer zweiten Welle verschärfen.“

Plattform zur Beschaffung von Schutzausrüstung

Die zentrale Beschaffung und Testung von Schutzausrüstung müsse vom Bund gemeinsam mit den Bundesländern geregelt werden. Derzeit sei die Frage der Versorgung in vielen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Ziel müsse eine zentrale Plattform des Bundes sein, bei der auch Träger Bedarf anmelden und bestellen können.

Ein bundesweit einheitliches Vorgehen fordert man auch bei der Teststrategie in Bezug auf Pflegeeinrichtungen: Werden Testungen veranlasst, könne es Tage bis zur Durchführung dauern, und noch länger, bis das Ergebnis vorliegt, so die Kritik. Das Prozedere unterscheidet sich oft von Bundesland zu Bundesland. Rauch-Kallat: „Für das Corona-Virus gilt: Speed kills. Geschwindigkeit im Handeln ist der größte Feind des Virus.“

Versorgung durch Ärzte in Heimen sicherstellen

Wenn alte und pflegebedürftige Menschen – so wie alle anderen auch – angehalten sind, Spitäler nach Möglichkeit zu meiden, müsste eine medizinische Grundversorgung in den Pflegeeinrichtungen sichergestellt werden, so Bachinger, also ausreichend Ärzte dort verfügbar sein.

Generell begrüßt die Caritas die Einrichtung von Hilfsfonds und Unterstützungszusagen in Sachen Ausrüstungsbedarf. Noch sei aber unklar, wie einzelne Pflegewohnhäuser zusätzliche anfallende Personalkosten bewältigen können, so Landau. Und auch die Zahlung einer Coronavirus-Prämie für systemrelevante Berufe sei noch nicht in allen Bundesländern gesichert.