Würstelstand im 8.
APA/Thomas Rieder
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Chronik

Erster Würstelstand mit Biogütesiegel

In der Josefstadt ist ein Würstelstand an der Ecke Strozzigasse/Pfeilgasse mit der Plakette „Natürlich gut essen“ ausgezeichnet worden. Damit ist er der erste biozertifizierte Würstelstand Wiens.

Voraussetzung dafür sind unter anderem eine Herkunftsbezeichnung der biologischen Produkte sowie ein zusätzliches Angebot für Veganerinnen und Veganer. Der Würstelstand führt demnach Käsekrainer, Bratwürstel, Waldviertler und Lammwürstel aus Bioproduktion aus dem Waldviertel – und zwar „aus hauseigener stressfreier Schlachtung“, wie es auf der Speisekarte heißt.

„Natürlich gut essen“-Auszeichnung für Imbissstand

Seit 2018 können Wiener Gastronomiebetriebe mit dem Gütesiegel „Natürlich gut essen“ der Stadt Wien ausgezeichnet werden. Voraussetzung dafür sind biologisch angebaute oder gezüchtete Lebensmittel. War diese Auszeichnung bis dato eher der gehobenen Gastronomie vorenthalten,so ist das seit heute anders. Heute ist das erste Gütesiegel für einen Imbissstand verliehen worden.

Auch das dazugereichte Brot ist biologisch. Daneben gibt es Bosna, auch in der veganen Version mit Austernpilzwurst, und diverse Hotdog-Kombinationen. Auf Aludosen und auf PET-Flaschen wird verzichtet.

„Bronze“-Auszeichnung mit 30 Prozent Bioanteil

Der organisatorische Aufwand ist zwar höher als bei anderen Würstelständen, aber das ist es den Betreibern wert. „Wenn der Planet kaputt ist, gibt es auch keine Würstel mehr und insofern machen wir das gerne“, erläuterte Stand-Mitbetreiber Stefan Sengl am Mittwoch den Ökologie- und Nachhaltigkeitsgedanken gegenüber „Wien heute“. Dem Kunden sei die „Wurst nicht wurst“. „Es gibt schon viele, denen es auch um 3.00 Uhr in der Früh wichtig ist und die darüber nachdenken, was sie da in sich hineinstopfen.“

Einiges aus dem Sortiment ist aber nicht bio. Das muss es auch nicht sein, denn der Würstelstand trägt die „Bronze“-Version der „Natürlich gut essen“-Auszeichnung. Dafür reicht, neben einigen anderen Auflagen, ein Bioanteil von 30 Prozent. Für den „Silber“-Status braucht es mindestens 70 Prozent und für „Gold“ 90 Prozent.

Würstelstand im 8.
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(v.l.) Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22), OekoBusiness-Programmleiter Thomas Hruschka und Würstelstand-Mitbetreiber Stefan Sengl

Ob viele Studierende des angrenzenden „Pfeilheims“ vorbeikommen werden, ist allerdings fraglich. Denn die Preise liegen doch um einiges höher als man es vom durchschnittlichen Würstelstand ums Eck gewohnt ist. Die Biowürstel kommen etwa auf knapp fünf Euro, für eine „Kombi“ mit selbstgefertigten Rohscheiben – die Wiener Version der Kartoffelchips – zahlt man bis zu acht Euro.

24 Betriebe mit „Natürlich gut essen“-Siegel

Vergeben wird das Zertifikat von OekoBusiness Wien, das zur Umweltschutzabteilung (MA 22) gehört. Deren Leiterin, Karin Büchl-Krammerstätter, freute sich über den diesbezüglichen Würstelstand-Pionier. Denn wer hier kaufe, könne darauf vertrauen, dass der Wirt auf regionale, ökologische Produkte und wenig Tierleid Wert lege.

Für den Konsumenten seien Herkunft und Qualität des Essens in der Gastronomie oft gar nicht leicht herauszufinden, weil es nach wie vor keine Kennzeichnungspflicht gibt. Das 2018 ins Leben gerufene Wiener „Natürlich gut essen“-Siegel, das jährlich kontrolliert wird, tragen inzwischen 24 Betriebe. Ein paar weitere durchlaufen derzeit das mehrmonatige Zertifizierungsprozedere, hieß es.