Fahnen vor dem AUA Headoffice in Schwechat
APA/Roland Schlager
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Wirtschaft

AUA wegen Reisewarnung in Sorge

Deutschland hat Wien am Mittwochabend zum CoV-Risikogebiet erklärt. Für die österreichische Lufthansa-Tochter AUA sind Strecken nach Deutschland der wichtigste Verkehr – auch für den Umsteigeverkehr.

„Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Mittwochnachmittag zur APA, als die Risikoeinschätzung noch nicht offiziell war. Bisher dahin habe man nur mediale Vorboten wahrgenommen. Wie die deutsche Regierung tatsächlich vorgehe und in welcher Schärfe neue Reisebeschränkungen verhängt würden, müsse abgewartet werden. Das entscheidet dann auch über allfällige Handlungen bei der AUA. Gerüchten zufolge richtet sich die Reisewarnung nur gegen Wiener, damit wäre es spannend zu wissen, wie man Herkunftsorte nachweisen wollte.

„Wir können nicht ausschließen, noch einmal Kapazitäten herausnehmen zu müssen“, sagte Thier. Sprich: Strecken wieder aus dem Flugplan herausnehmen zu müssen. „Wir fliegen auf Sicht, wie die Piloten sagen.“

„Fleckerlteppich“ nationaler Reisebeschränkungen

Die AUA kritisiert einen „Fleckerlteppich“ nationaler Reisebeschränkungen und hofft zumindest für Europa auf einheitliche europäische Standards im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. „Jedes Land überbietet sich mit kurzfristigeren und noch radikaleren Einschränkungen. Wir glauben, dass das der falsche Weg ist. Reisefreiheit und Gesundheitsschutz sind vereinbar“, sagte dazu AUA-Chef Alexis von Hoensbroech im heutigen „Kurier“. Dafür gelte es, neue Testprogramme aufzuziehen.

Zwangsquarantäne oder Reisebeschränkungen seien der falsche Weg. Wer gesund sei, sollte reisen dürfen, findet die AUA. Ein Wunsch der Fluggesellschaft wäre es zurzeit, die Covid-Tests am Flughafen Wien-Schwechat (die derzeit 120 Euro kosten) kostenlos anzubieten, sagte Thier heute zur APA.

Eurocontrol hat diese Woche für den europäischen Luftverkehr die Prognosen zurückgeschraubt. Auch die AUA liegt hinter ihren Kapazitätszielen, die sie sich im Sommer setzte, als sie nach monatelangem coronavirusbedingten Grounding den Flugverkehr wieder aufnahm. Damals wollte man im Herbst bei 40 bis 50 Prozent der ursprünglichen Kapazitäten liegen.

AUA-Belegschaft weiter in Kurzarbeit

„Aktuell fliegen wir rund 30 Prozent von dem, was wir normalerweise fliegen“, sagte AUA-Chef Hoensbroech im Kurier. „Vielleicht wird es noch etwas nach oben gehen, aber sehr viel mehr wird es leider heuer nicht werden können. Es ist auch weniger, als wir ursprünglich geplant hatten.“

„Wir wussten aber immer, dass die Situation so lange unvorhersehbar sein wird, solange wir das Virus nicht im Griff haben. Insbesondere deshalb halten wir es für wichtig, dass die europäischen Staaten sich darauf verständigen, eine gemeinsame Corona-Politik zu betreiben.“

Für die AUA-Belegschaft gilt weiter Kurzarbeit. Im Schnitt beläuft sich die Arbeitszeit auf 30 Prozent. „Die Kurzarbeit hilft der Luftfahrt enorm. Ohne die würde es nicht gehen“, so die AUA am Mittwoch. Finanziell sei man nicht hinter den Plänen, auch weil man mit der durchmischten Flotte auf die sich schnell ändernden Bedingungen „aussteuern“ könne, also mal größere und mal kleinere Flieger einsetzen könne.

Hotellerie: Wegfall deutscher Gäste wäre Todesstoß

In der Wiener Hotellerie herrscht helle Aufregung angesichts der kolportierten Meldungen, dass Deutschland für die österreichische Bundeshauptstadt eine Reisewarnung wegen der Corona-Fälle verhängen könnte. „Wird Wien auf rot gesetzt, sehe ich schwarz für die Zukunft der Wiener Tourismusbetriebe“, warnt Dominic Schmid, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien, am Mittwoch.

Nachdem sich in den letzten Wochen eine mögliche leichte Erholung für den Herbst und Winter angekündigt hat, drohe dem Tourismus in Wien nun endgültig die Luft auszugehen. Seit der Wiedereröffnung der Wiener Hotels im Frühsommer habe sich die Buchungslage kontinuierlich verbessert. Zwar seien noch immer erst rund 60 Prozent der Betriebe geöffnet und die Auslastungszahlen der offenen Häuser liegen nur bei 28 Prozent, doch zeichnete sich für die kommenden Monate eine Verbesserung ab.

Ein Trend, der in der letzten Woche jedoch jäh ein Ende fand – laut WKÖ-Aussendung wegen der Corona-Ampelschaltung. „Die gelbe Ampel für Wien hat den Aufwärtstrend gestoppt, die orange Ampelschaltung die ersten Stornos gebracht und die Reisewarnung in der Schweiz eine Stornowelle. Und wenn uns Deutschland jetzt noch auf die Rote Liste setzt, dann werden 80 Prozent der noch bestehenden Buchungen wegfallen“.

Kammer verweist auf Sicherheitsgütesiegel

Schmid appelliert nun an die deutschen Behörden, diesen Schritt nochmals zu überdenken und verweist auf Präventionsmaßnahmen in den Beherbergungsbetrieben. Mit dem „safe stay Gütesiegel“ wurden einheitliche Abläufe zur Prävention umgesetzt, um Gäste und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen.

Die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien hat ein eigenes Sicherheits-Siegel für ihre Mitgliedsbetriebe entwickelt. Mit gezielten Maßnahmen in sechs Bereichen werde das Gesundheits-Sicherheitslevel in den Wiener Beherbergungsbetrieben gehoben. Beginnend mit Fiebermessungen für Mitarbeiter bei Dienstbeginn, einem eigenen Covid-19-Beauftragten, zusätzlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, der Digitalisierung von Aushängen und Menükarten und weiteren Maßnahmen werde der Schutz für Gäste und Mitarbeiter vor einer Ansteckung erhöht.

Nach außen sichtbar werden die Maßnahmen mit dem „Safe Stay“-Sicherheitssiegel, das die Beherbergungsbetriebe im Eingangsbereich anbringen können. Überprüft wird die Einhaltung der Vorgaben des Sicherheitssiegels gemeinsam von Wirtschaftskammer Wien und WienTourismus.

Gewerkschaft appelliert an Blümel

Unterdessen appelliert die Gewerkschaft vida an Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), sich wirklich für Wien einzusetzen, wie er es im Wiener Wahlkampf plakatieren lasse. Der Vorsitzende der Verkehrs-und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, fordert von Blümel mehr Hilfe für Wiens Wirtschaft und ihre Arbeitnehmer ein. Wien sei bis zum Corona-Lockdown die Kongressstadt Nummer eins gewesen, weil die Tourismusbetriebe und ihre Belegschaften – auch stellvertretend für die vielen anderen Branchen wie etwa auch die Mobilitätsunternehmen – großartige Leistung vollbracht haben, so Hebenstreit weiter.

„Jetzt stehen in Wien und in vielen anderen heimischen Städten zahlreiche Betriebe und Menschen vor einem Scherbenhaufen und müssen um ihre Existenzgrundlagen fürchten, wie etwa die 140 Beschäftigten, die in den Sacher-Hotels gekündigt werden“, hieß es. Blümel solle diese Menschen nicht hängen lassen.