Jemand mit Mund-Nasen-Schutz Maske in der Hand fotografiert den Stephansdom
APA/Georg Hochmuth
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Wirtschaft

Hotels: 71,5 Prozent weniger Nächtigungen

Wiens Tourismus liegt weiter am Boden: Die Nächtigungen seien im August um 71,5 Prozent auf 518.000 zurückgegangen, teilte der Wien-Tourismus mit. Auch die Umsätze wurden heuer bereits drastisch dezimiert. Die Austrian Airlines (AUA) fliegt wieder weniger.

Seit letzter Woche gilt in Deutschland und der Schweiz eine Reisewarnung für Wien, seit Mittwoch stuft Deutschland auch Vorarlberg als Risikogebiet ein. Belgien hat Tirol und Vorarlberg auf die rote Liste gesetzt, die Niederlande verhängten Reisebeschränkungen neben Wien auch für Innsbruck.

Bisher 70 Prozent weniger Umsatz

Die durchschnittliche Auslastung der Hotelbetten sank im August auf 27,2 Prozent. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte sie noch 73,2 Prozent betragen. Auch das Gesamtjahr liegt längst im Minus: Im Zeitraum Jänner bis August wurden in der Bundeshauptstadt 3.774.000 Nächtigungen gezählt, um 67 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019.

Die Umsätze sind ebenfalls eingebrochen: Im Zeitraum Jänner bis Juli konnten die Betriebe laut Wien-Tourismus 161,9 Mio. Euro erwirtschaften. Das sind um 70 Prozent weniger als im entsprechenden Zeitraum 2019. Die August-Umsatzzahlen liegen noch nicht vor.

Winterfahrplan mit Corona

Nach dem Hotelpersonal sollen etwa auch die Fremdenführer regelmäßig getestet werden für die kommende Wintersaison. Die Hotellerie glaubt aber nur mit Fixkostenschuss und Kurzarbeit bis Ende 2021 über die Runden zu kommen. Ob die Christkindlmärkte offen haben werden, ist noch nicht entschieden.

Hotellerie-Obfrau: Stadthotels stehen praktisch leer

Die steigenden Corona-Infektionszahlen in Österreich und die Reisewarnungen haben bereits zu einer Stornowelle geführt. Im September seien die Stadthotels noch zu etwa einem Viertel ausgelastet gewesen, „sie sind in zwei Wellen jetzt innerhalb von wenigen Tagen auf einstellige Auslastungszahlen hinuntergerutscht“, berichtete die Obfrau des Fachverbandes Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler, am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal.

Es gebe keine Buchungsnachfrage mehr, und auch in den Skigebieten gebe es Stornierungen und einen Rückgang der Nachfrage, sagte Kraus-Winkler. Viele Stammgäste hätten ihre Buchungen aber aufrechterhalten, „deswegen ist es für uns auch so wichtig, dass wir jetzt diese Fallzahlen innerhalb der nächsten zwei, drei, maximal vier Wochen wieder in den Griff bekommen“.

Mit dem von der Regierung präsentierten Sicherheitskonzept für die Wintersaison sei man „im Grunde sehr zufrieden und wir tragen das auch voll mit“, sagte Kraus-Winkler. „Für uns ist es wichtig, dass Tourismus überhaupt stattfindet.“ Ski-Tourismus ohne Apres Ski „muss möglich sein, wir haben gar keine andere Alternative“.

AUA muss Flugplan wieder ausdünnen

Die verhängten Reisewarnungen treffen auch die Austrian Airlines (AUA). Die Fluglinie sieht sich gezwungen, das Flugangebot zu reduzieren – zunächst gehe es bis Ende Oktober um Flüge nach Deutschland und in die Schweiz, wie ein AUA-Sprecher am Donnerstag der APA sagte. Temporäre Einstellungen ganzer Strecken seien jetzt einmal nicht vorgesehen. In die Schweiz und nach Deutschland werde aber weniger oft oder mit kleineren Maschinen geflogen, so der Sprecher. Die Entwicklung im Verkehr mit Belgien und den Niederlanden werde noch beobachtet.

Bis Ende Oktober werde es zu folgenden Zielen weniger Flüge ab Wien geben: Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München, Basel und Zürich. Die Flüge nach Leipzig und Nürnberg würden in eine Verbindung zusammengelegt, die Route lautet Wien-Leipzig-Nürnberg-Wien.

Die AUA ersucht abermals alle Passagiere, sich vor ihrem Flug auf der Website des Außenministeriums über die individuellen Länderregelungen kundig zu machen. Auch innerhalb des Reiselands selbst könne es nämlich unterschiedliche Regelungen geben, etwa für deutsche Bundesländer. Je nach Vorgabe seien ein negativer PCR-Test und/oder eine Quarantäne bei vorhergehendem Aufenthalt in Wien erforderlich. Transferpassagiere sowie Passagiere, die sich vor dem Flug nicht in Wien aufgehalten haben oder ohne Aufenthalt zum Flughafen angereist sind, unterliegen trotz der Reisewarnungen für Wien nicht der Test- bzw. Quarantänepflicht.

Ryanair streicht weitere Strecken ab Wien

Mit Monatsende stellt Ryanair, der auch Lauda angehört, 12 Strecken ab Wien-Schwechat ein. Dabei handelt es sich nach Informationen des Portals „Aviation.direct“ nicht nur um Sommerziele, die vorzeitig eingestellt würden, sondern auch City-Shuttle-Ziele sind betroffen. Ende Oktober 2020 würden nach aktuellem Wissensstand neun weitere Strecken wegfallen. Gleichzeitig kommen aber die Kanaren wieder ins Programm.

Grund der Streichungen dürfte die aufgrund der CoV-Pandemie äußerst verhaltene Nachfrage sein. Diverse Reisebeschränkungen, die dazu führen können, dass Personen mit Aufenthaltsort Wien bzw. Österreich überhaupt nicht einreisen können, wirken zusätzlich negativ. Nun gibt man Ziele wie Paris, Bordeaux und Danzig auf.

Generell sei der Winterflugplan ab Wien stark abgespeckt, Klassiker wie Marrakesch und Agadir fehlten ganz. Bei anderen Zielen erscheint die Aufnahme aufgrund harter Einreise- und Quarantänebestimmungen äußerst fraglich, heißt es im Bericht. Betroffene Passagiere wurden über die Annullierungen informiert, hieß es.