Wiener Philharmoniker im Konzertsaal Musikverein bei Probe 2020
APA/Dieter Nagl
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Coronavirus

Kritik an Impfung von Philharmonikern

95 Mitglieder der Wiener Philharmoniker haben zu Wochenanfang die erste Dosis einer CoV-Impfung erhalten, um spielfähig zu bleiben. Kritik daran kommt von der IG Autorinnen Autoren und der freien Szene. Sie bezeichnete das Vorgehen als „Schlag ins Gesicht“.

Die Stadt Wien hat laut mehreren Medienberichten eine Vorreihung der Musiker bestätigt, um den Klangkörper international spielfähig zu halten. Es gebe „unterschiedliche Spielverpflichtungen", die an internationale TV- und andere Medienkooperationen geknüpft sind, teilte das Orchester mit.

Um diese Verpflichtungen wahrnehmen zu können, müssten die Musikerinnen und Musiker nachweisen, dass ihnen bereits beide Teilimpfungen verabreicht wurden. Ansonsten würden hohe vertragliche Pönalstrafen drohen. „Auch bei weiteren Auftritten, die ohne Impfung nicht möglich sein werden“, hieß es gegenüber der „Presse“.

Mit Biontech/Pfizer geimpft

95 der insgesamt 148 Mitglieder der Philharmoniker haben deshalb am Montag eine erste Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer erhalten. Man habe sich für den Impfstoff entschieden, weil dabei ein kürzerer Zeitraum zwischen den beiden Teilimpfungen liegen muss als etwa bei AstraZeneca. Weitere Vorreihungen anderer Kulturinstitutionen sind laut „Standard“ vorerst übrigens nicht geplant.

„Schlag ins Gesicht“

Als „Schlag ins Gesicht“ aller anderen Künstlerinnen und Künstler bezeichnete die IG Freie Theaterarbeit die Impfvorreihung der Philharmoniker. Die Stadt Wien zeige damit, „dass sie Menschen – und Kunst – in mehreren Klassen denkt und unterstützt“, heißt es in einer Aussendung. Auf diese Weise entstehe „eine Neiddebatte, die gerade zu dieser Zeit äußerst kontraproduktiv ist“. Nicht zuletzt aufgrund des Infektionsrisikos bei Proben im darstellenden Bereich fordere man daher einen sofortigen Impfstart „für alle Künstler*innen, die dies wollen“.

Die nun entstandene Diskussion um die Impfreihung sei ein Ergebnis der „nachrangigen Behandlung von Kunst und Kultur seit Ausbruch der Pandemie“, hielt Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren in einer Aussendung fest.

Die Philharmoniker hätten allergrößte Bedeutung. „Das haben aber auch viele andere in allen anderen Kunstsparten“, so Ruiss. Es brauche „die umgehende Einbeziehung“ von Kunst, Kultur und Publizistik in den Impfplan. „Die Gründe, die zurecht von den Philharmonikern in Anspruch genommen werden, gelten auch für alle anderen, nicht nur für einzelne Ereignisse und für eine Einrichtung allein.“