Stefan Ruzowitzky
APA/AOEF
APA/AOEF
Kultur

„Hochwald“ Favorit für Österreichischen Filmpreis

Im Juli wird der elfte Österreichische Filmpreis verliehen. Seit Donnerstag sind die Nominierungen bekannt: Angeführt wird das Feld von „Hochwald“, ein Regiedebüt der Südtirolerin Evi Romen.

Sie ist als Editorin und Drehbuchautorin bereits ein alter Hase im Filmgeschäft. „Hochwald“ veröffentlichte die 54-Jährige jedoch erst im Vorjahr – und konnte sich damit nun gleich an die Spitze des Nominiertenfeldes für den Österreichischen Filmpreis 2021 setzen. Neun Nennungen konnte das Drama bei der Onlinebekanntgabe der Filmpreisaspiranten am Donnerstag für sich reklamieren – und dabei in fast allen Königskategorien reüssieren.

Coming-out in Südtiroler Dorf

So ist der Film über den sensiblen Mario sowie sein Coming-out in einem kleinen Südtiroler Dorf sowohl als bester Spielfilm, für das beste Drehbuch als auch für die Kamera nominiert. Auch die beiden Darsteller Thomas Prenn (Hauptdarsteller) und Noah Saavedra (Nebendarsteller) können auf einen Preis hoffen.

Mit Respektsabstand folgen mit je sechs Nominierungen Sandra Wollners Sci-Fi-Dystopie „The trouble with being born“, die bei der Berlinale 2020 Weltpremiere feierte, sowie „Waren einmal Revoluzzer“ von Johanna Moder. Auch Wollners Werk ist im Rennen um den besten Spielfilm, Drehbuch und – anders als Romen – für die Regie. „Waren einmal Revoluzzer“ indes dominiert die Darstellerkategorien, sind hier doch Julia Jentsch für die beste weibliche Hauptrolle sowie Manuel Rubey und Marcel Mohab jeweils als bester männlicher Schauspieler im Rennen.

Arash T. Riahis Helfer-Romanverfilmung

Das Führungsquartett komplettiert mit fünf Nominierungen Arash T. Riahis Verfilmung des Monika-Helfer-Romans „Ein bisschen bleiben wir noch“. Das Werk über zwei Flüchtlingsgeschwister und ihren Kampf in Österreich ist der fehlende Teil des Trios in der Kategorie Bester Spielfilm, hat mit Christine Ostermayer auch ein Eisen im Feuer bei der Sparte Beste weiblichen Hauptrolle und könnte Arash T. Riahi die Regieauszeichnung bringen.

Zuvor hatte zum Auftakt der Onlineübertragung aus der Synchron Stage Vienna Filmakademie-Präsident Stefan Ruzowitzky an das Gewissen der Branche appelliert. So habe man vor allem hinter der Kamera noch einen Mangel an Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund. „Nicht so gut sieht es aus bei den Gewerken, da würden wir uns wünschen, dass mehr junge Leute mit Migrationshintergrund zu uns kommen“, so Ruzowitzky.

Vor der Kamera sei es zwar besser, aber auch hier gelte: „Wir müssen uns als Autoren auch ein bisschen besser an der Nase nehmen.“ Es müssten die entsprechenden Rollen für die Filme geschrieben werden.

Gala im Globe Wien

In jedem Falle wählen nun aus der Reihe der Nominierten die knapp 600 Mitglieder der Akademie des Österreichischen Films die Siegerinnen und Sieger. Gekürt werden die Gewinnerinnen und Gewinner 2021 heuer erstmals im Globe Wien in der Marx Halle und das nach der pandemiebedingten Verschiebung von Jänner erstmals im Sommer: am 8. Juli. Der ORF bietet dazu einen Livestream an und sendet tags darauf einen Zusammenschnitt.

Die Gestaltung der Gala übernehmen die beiden Regiebrüder Riahi. „Der Abend soll eine Hommage sein an das Kino und das Filmemachen“, gab der nun selbst nominierte Arash T. am Donnerstag als Parole aus. Alles solle respektvoll, aber auch ironisch-lustig vonstattengehen: „Und ein bisschen ist das Konzept die Überraschung, weshalb wir jetzt nicht zu viel verraten wollen.“ Ebenso kryptisch zeigte sich Bruder Arman: „Wir können es nicht allen recht machen. Aber wir werden versuchen, es zumindest ein paar recht zu machen.“

Von den 45 Nominierungen sind 13 Filme vom ORF kofinanziert. „Der ORF ist stolz darauf, als stets verlässlicher Partner ein Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein", freute sich Programmdirektorin Kathrin Zechner. Peter Schöber, der ORF-III-Programmgeschäftsführer, ergänzte: "Die Vielfalt des heimischen Filmschaffens in unserem Programm umfassend abzubilden ist ein wesentliches Bestreben von ORF III. Aus diesem Anlass rief ORF III nicht nur die Sendeleiste „Der Österreichische Film“ ins Leben, sondern gestaltet regelmäßig Programmschwerpunkte, die die große Bandbreite des heimischen Filmschaffens abdecken.“