Versuchsperson auf Hängebrücke
APA/Hans Punz
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Wissenschaft

Prater: Johanniter üben Schiffsevakuierung

Schwankende Bodenplatten, wackelige Hängebrücken: Die Hilfsorganisation der Johanniter führt im Wiener Prater derzeit eine Studie auf einem Hindernis-Parkour durch. Die Erkenntnisse sollen künftig bei der Evakuierung von Kreuzfahrtschiffen helfen.

Zehn Teilnehmer umkurven sich drehende Schaumstoffrollen, torkeln über Hängebrücken, steigen bewegliche Stufen empor. Erschwert wird das Überwinden der Hindernisse durch Gewichtswesten, Sonnenbrillen und einen Gehstock. Die Zeit wird gestoppt. Was sich wie die Beschreibung einer launigen TV-Show anhört, hat einen ernsten Hintergrund.

„In Katastrophenfällen sind auf Schiffen vor allem Ältere und Menschen mit Behinderung im Nachteil, da sie in der Mobilität und auch in der Wahrnehmung ihrer Umgebung eingeschränkt sind“, sagte Georg Aumayr, Leiter der Johanniter-Forschung. Es sei daher wichtig, „die Unterschiede in der Bewegungsgeschwindigkeit zwischen jungen und alten Menschen auf beweglichen Untergründen, wie man sie in einem schwankenden Schiff vorfindet, zu kennen.“ Der Kapitän eines Schiffes könne dann besser entscheiden, ob er etwa sofort evakuieren muss, oder noch Zeit hat zu warten.

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Versuchspersonen auf dem Hindernis-Parkour
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Versuchspersonen auf dem Hindernis-Parkour
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Versuchsperson bekommt Armschlinge angezogen
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Versuchsperson auf dem Hindernis-Parkour
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Versuchspersonen auf dem Hindernis-Parkour
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Versuchsperson auf dem Hindernis-Parkour
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Johanniter-Fahrzeug beim Prater
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Prater-Parkour ähnelt Schiff bei starkem Seegang

Als ideal für die Studie hätte sich das „Magic Dream House“ im Prater erwiesen, „ein Hindernis-Parkour, bei dem der unebene und instabile Untergrund dem meist engen Inneren eines Schiffes bei starkem Seegang ähnelt“, erklärte Aumayr die ungewöhnliche Ortswahl.

Zehn Teilnehmer absolvierten zunächst in ihrer gewohnten Straßenkleidung den Hindernis-Parkour, wobei bei jeder Etappe – etwa schwankende Rampen, drehende Holztunnel oder kippende Bodenplatten – mit der Stoppuhr die Zeit bis zur erfolgreichen Bewältigung des Hindernisses gemessen wurde und der Studienteilnehmer nach seiner persönliche Stimmung und dem empfundenen Schwierigkeitsgrad befragt wurde.

Anschließend wurde ein zweiter Durchgang durchgeführt: diesmal trugen die Teilnehmer einen Alters-Simulationsanzug, bestehend aus einer Gewichtsmanschette für ein Fußgelenk, einer Knieschiene, einer Gewichtsweste, einem Gehörstöpsel, Überschuhen, einer gefärbten Brille, einer Armschlinge und einem Gehstock. So konnten verschiedene Einschränkungen wie die Lähmung einer Extremität, Seheinschränkungen oder Höreinschränkungen simuliert werden.

Fluchtrouten sollen mit Daten verbessert werden

Mit den gewonnenen Daten würden nun Fluchtrouten und Evakuierungs-Zeitpunkte von Schiffen optimiert werden, die in das von Airbus geleitete Projekt Palaemon einfließen sollen, im Rahmen dessen ein hochkomplexes System entwickelt wird, das mit Hilfe von Erschütterungssensoren, Kameras und einem Drohnensystem Evakuierungen großer Kreuzfahrtschiffe sichererer machen soll.

Außerdem seien die Daten der Studie Grundlage für ein Augmented-Reality-Programm, das gemeinsam mit der Jade-Hochschule entwickelt würde, um zukünftig Kapitäne kostengünstig in der virtuellen Realität auf ihre Schiffe einzuschulen.