Ein Kellner serviert Gästen Getränke im Cafe Museum in Wien
APA/GEORG HOCHMUTH
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Coronavirus

Öffnungen “vertretbar“, Wien wartet ab

Die Infektionszahlen sinken, doch die aktuellen Zahlen spiegeln den Stand von vor rund 14 Tagen wider. ÖVP und Grüne übertrumpfen sich mit Öffnungsankündigungen, zuletzt am Dienstag für 10. Juni. Das sei vertretbar, so die Epidemiologin Eva Schernhammer. Doch Wien wartet ab.

Er halte nichts davon, jetzt schon „vage Prognosen“ in den Raum zu stellen, hielt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) fest. „Denn es ist gerade in einer solchen Situation wichtig, dass die Politik Sicherheit vermittelt.“ Im Bund gebe es offensichtlich „nicht abgestimmte Einzelmeinungen“. Die Situation erfordere weiter Vorsicht, denn es könnten auch weitere Mutationen auf Österreich zukommen. „Es wäre sinnvoll, dass man sich in der Politik gemeinsam mit Expertenrunden abstimmt und dann die Öffentlichkeit geschlossen informiert“, so Ludwig gegenüber „Wien heute“.

„Jetzt habe ich eher den Eindruck, es gibt einen Wettlauf, wer früher Öffnungsschritte in der Öffentlichkeit ankündigt.“ Das löse bei der Bevölkerung nicht nur Verunsicherung, sondern auch Verärgerung aus. Grundsätzlich will Ludwig gemeinsam vorgehen: „Von daher bin ich prinzipiell für bundeseinheitliche Lösungen, schließe aber nicht aus, dass wir da und dort spezielle Wiener Vorgehensweisen wählen werden“, so Ludwig weiter.

Ludwig (SPÖ) wartet bei Lockerungen noch ab

Während sich koalitionsintern offenbar eine Art Wettlauf über weitere Öffnungsschritte entwickelt hat, will Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) weiter abwarten. Er verwies auf Expertengespräche am Donnerstag.

Mund-Nasen-Schutz statt FFP2-Maske im Gespräch

Bis Freitag will Ludwig also nichts Inhaltliches sagen, dann treffen sich Regierung und Landeshauptleute. Dann könnten die Masken im Freien fallen, etwa auf Märkten oder Outdoor-Veranstaltungen. Im Juli könnte statt einer FFP2-Maske in Öffentlichen Verkehrsmitteln auch ein Mund-Nasen-Schutz reichen. Auch in der Gastronomie könnte es bald lockerer werden: Im Gespräch sind eine spätere Sperrstunde bis Mitternacht und größere Gruppen in Lokalen.

Gerade die Sperrstunde ist für Wien ein wichtiges Thema. Ludwig sprach sich für eine Verlängerung der Öffnungszeiten aus. Wie auch immer, Ludwig zieht ein gemeinsames Vorgehen allen anderen Varianten vor – mit gewissen Einschränkungen: „Von daher bin ich prinzipiell für bundeseinheitliche Lösungen, schließe aber nicht aus, dass wir da und dort spezielle Wiener Vorgehensweisen wählen werden.“

Auch die Epidemiologin und Forscherin an der MedUni Wien, Eva Schernhammer, sprach im „Wien heute“-Interview von möglichen zusätzlichen Maßnahmen zur Öffnung für die nächsten Wochen und Monate, die man jetzt überlegen könne. In jedem Fall aber seien das erste Schritte. Vor allem im Innenbereich, etwa in Nachtklubs, wo man eng beisammen stehe und eine größere Virenlast entstehen könne, werde es wohl schwieriger, die Sicherheitsmaßnahmen ideal umzusetzen.

Noch kein Grund zur Sorglosigkeit

Generell seien die aktuellen Öffnungsschritte aber vertretbar: „Es war in der Vergangenheit immer so, dass man sich 14 Tage Zeit gegeben hat, um zu schauen, ob die Zahlen rauf oder runter gehen (…) Diesmal haben wir einen sehr starken Trend nach unten“, so Schernhammer. Insofern könne man sich schon trauen zu sagen, dass es in den nächsten Tagen wahrscheinlich keinen starken Anstieg geben werde.

Angesichts der Bilder der vergangenen Tage appellierte Schernhammer vor allem an Jugendliche, nicht zu sorglos zu agieren. Das Virus zirkuliere weiter, „man muss versuchen sich zu schützen, wenn man nicht krank werden will“. Man wisse, dass eine Infektion auch Langzeitfolgen haben könne, die noch nicht genau erforscht seien. Vorsicht sei also geboten, „bis zu dem Zeitpunkt, wo sie einen vollen Impfschutz haben“.

Zur indischen Variante meinte Schernhammer, es habe sich bisher gezeigt, dass die Impfungen „eine gewisse Effektivität“ dagegen hätten, es sei aber scheinbar wichtig, den vollen Impfschutz, also beide Impfungen, zu haben. Bisher aber gebe es kaum Fälle der indischen Variante in Österreich, insofern sei auch verständlich, dass der Grüne Pass schon drei Wochen nach der ersten Impfung gültig werde. Sollte sich aber die Situation ändern, dann müsse man das Virus bzw. dessen Verbreitung eingrenzen und darauf achten, möglichst rasch die zweite Teilimpfung zu verabreichen.

Doskozil für „Öffnungsschritte mit Hausverstand“

Nachdem Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für weitere Lockerungen ab 17. Juni plädiert hatte, sagte der grüne Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein Montagabend in der ZIB2, er könne sich die nächsten Schritte bereits eine Woche früher vorstellen – mehr dazu in Mückstein für frühere Öffnung (news.ORF.at; 24.5.2021). „Ich bin froh, dass jetzt alle auf Öffnungskurs sind“, sagte Kurz am Rande des EU-Gipfels in Brüssel in der Nacht auf Dienstag. Er freue sich „wenn wir das am Freitag noch im Detail beschließen können, auch die Landeshauptleute werden, glaube ich, diesen Kurs unterstützen“.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) sprach sich am Dienstag für „weitere Öffnungsschritte mit Hausverstand“ aus. Diese sollen den Tourismus, die Thermen und die Sperrstunde um 22.00 Uhr betreffen. Vor allem für Open-Air-Festivals sei die derzeit geltende Sperrstunde zu früh, sagte Doskozil. Um bereits um 22.00 Uhr fertig zu sein, müssten die Festivals, die im Burgenland ab Juli über die Bühne gehen, laut dem Landeshauptmann schon um 18.00 Uhr beginnen – also noch bei Tageslicht – mehr dazu in Doskozil will spätere Sperrstunde (burgenland.ORF.at; 25.5.2021).