Mann macht Gurgeltest
APA/Georg Hochmuth
APA/Georg Hochmuth
CORONAVIRUS

„Alles Gurgelt“: Vier Millionen Tests

Rund 300.000 Tests werden derzeit in Wien wöchentlich im Rahmen der Aktion „Alles Gurgelt“ durchgeführt. Laut Wirtschaftskammer wird noch in dieser Woche die Marke von insgesamt vier Millionen Tests erreicht.

„Man kann die Menschen nur dann in großem Ausmaß zum Test bewegen, wenn das Angebot niederschwellig ist – und das ist mit diesem Produkt gelungen und macht meines Erachtens auch seinen Erfolg aus“, bilanzierte Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer (WK), gegenüber der APA über die für den Anwender kostenlosen Test. Gemeinsam mit der Stadt Wien, dem Rewe-Konzern, dem Labor Lifebrain, dem Technikpartner Lead Horizon sowie der Post hat die Wirtschaftskammer „Alles Gurgelt“ auf die Beine gestellt.

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres offenbarte sich die Wichtigkeit dieses Projekt, erinnerte Ruck. Durch die Mutationen und der dadurch erhöhten Ansteckungswahrscheinlichkeit auf für bereits Geimpfte, bliebe der PCR-Test weiterhin ein wichtiges Instrument.

Anfragen aus Nachbarländern

Die Möglichkeit des PCR-Tests steht und fällt dabei mit der Logistik, denn mit der Durchführung des Tests zu Hause beginnt die Uhr bereits zu ticken, nachdem das entsprechende Zertifikat 72 Stunden danach die Gültigkeit verliert. Für diesen Zwischenschritt zum Labor war und ist die Post verantwortlich.

„Aus der Perspektive der Post AG sind wir glücklich mit dem Projekt die Leistungsfähigkeit unserer Logistik unter Beweis stellen zu können. Diese wird für gewöhnlich nur dann bemerkt, wenn sie nicht funktioniert – das ist ähnlich wie bei der IT“, zeigt sich Georg Pölzl, CEO der Österreichischen Post AG, mit dem bisher Erreichten zufrieden. Erst kürzlich wurden von der Post im Auftrag der Stadt Wien 1,17 Millionen Testkits an alle Wiener Haushalte zugestellt.

Der Erfolg von „Alles Gurgelt“ führte auch dazu, dass bereits mehrere Anfragen aus anderen EU-Staaten kamen, aus einigen Nachbarländern, aber auch aus Paris oder Spanien wurden Interesse bekundet. Am Donnerstag kündigte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bei einem Treffen der Hauptstadtbürgermeister von Deutschland, Österreich und der Schweiz zudem an, das Projekt seinen Amtskollegen in Berlin und Bern vorstellen zu wollen.

Startphase mit 5.600 Tests pro Woche

In Wien sind indes weiterhin täglich 55 Post-Fahrzeuge und rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post für „Alles Gurgelt“ im Einsatz und legen dafür im Schnitt 3.500 Kilometer pro Tag zurück. Und auch an die Postler selbst werden im Schnitt wöchentlich 4.300 Gurgeltests ausgegeben, insgesamt sind es aber inzwischen rund 300.000 Tests pro Woche, die durchgeführt werden.

„Alles Gurgelt“ wuchs jedoch langsam auf die Größe heran, denn in der Pilotphase vom 25. Jänner bis Ende März waren es noch 5.600 Tests pro Woche, die während dieses Zeitraums auf 108.000 Tests pro Woche hochskaliert wurden. Dann kam die Vollausrollung, also die Testmöglichkeit für alle Wiener Bürger und nicht nur für die Mitarbeiter derjenigen Firmen, die schon beim „Pilot“ dabei waren.

Mit 175.000 Tests ging es in der ersten Woche los, berichtete die Wirtschaftskammer, von April bis Mitte Mai stieg die wöchentliche Testfrequenz dann auf 250.000, von da bis Mitte Juni ging es noch einmal auf rund 350.000 Tests pro Woche hoch, ehe man jetzt wieder bei den genannten 300.000 landete.

Warnung vor vierter Welle

Der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident zeigte sich zur Zukunft optimistisch. „Ich hoffe, dass wir mit der Durchimpfung dagegenhalten und wir nicht noch einmal zu unerwünschten Maßnahmen greifen müssen“, lautete Rucks Antwort auf die Frage, ob im Herbst mit einer drohenden nächsten Welle zu rechnen sei.

Die Ampel-Kommission wie auch das Covid-Prognosekonsortium sehen dagegen aufgrund der Delta-Variante eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ für eine vierte Corona-Welle. Offen sei der Zeitpunkt des Eintreffens und des Ausmaßes. Die Experten rechnen wegen der Delta-Variante bereits im Juli mit „ähnlichen Prävalenzen“ wie in Großbritannien.

„Das ist wahrscheinlich die Ruhe vor dem Sturm“, sagte die Virologin Monika Redlberger-Fritz (MedUni Wien) am Donnerstag in der „Zib2“ zur aktuellen Situation. Auch sie betonte die Notwendigkeit einer hohen Durchimpfung – denn in Großbritannien sehe man aktuell, dass zwar die Fallzahlen stark ansteigen, Dank der hohen Impfrate aber die Zahl der Hospitalisierungen nur „ganz, ganz langsam“ mitziehe.

Virologin Redlberger-Fritz über Kreuzimpfungen

Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien über den Kreuzimpfungen, den Impfschutz bei der Delta-Variante und die Möglichkeit von Großveranstaltungen im Sommer.

Lifebrain erweitert Kapazität

Das Labor Lifebrain hat seine Kapazität seit 1. Juli erweitert: Zusätzlich zu PCR-Analysen werden auch Sequenzierunngen durchgeführt. Pro Woche sind 1.400 Sequenzierungen möglich, hieß es am Freitag in einer Aussendung. In den letzten Wochen hat Lifebrain demnach bereits für die Stadt Wien und das Land Oberösterreich Sequenzierungen durchgeführt und dabei mehrere Fälle der neuen Delta-Mutation identifiziert.

In den letzten Tagen hat Lifebrain den Landessanitätsdirektionen aller Bundesländer angeboten, in den ersten drei Monaten ab 1. Juli positive COVID-19 Proben kostenlos zu sequenzieren.