Außenansicht des Leopold Museum mit MQ Libelle auf dem Dach des Museums, 2020
Leopold Museum / Ouriel Morgensztern
APA/Wolfgang Huber Lang
Kultur

20 Jahre Leopold Museum: Sieben Mio. Besuche

Sein 20-jähriges Bestehen hat das Leopold Museum am Dienstagabend in der MQ-Libelle gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Politik und Kunst waren dabei. Bisher hat es sieben Millionen Besuche in dem Museum gegeben, bei insgesamt 119 Ausstellungen.

„Ein paar Grad weniger und wir hätten die erste Après-Ski-Party des Jahres“, scherzte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) in ihrer Rede angesichts der kühlen Witterung. „Das Leopold Museum ist ein Museum für alle“, erinnerte der künstlerische Direktor Hans-Peter Wipplinger an die vielen Besucher.

„Der brave Wipplinger“ führe heute das Museum „gut und geschickt“, meinte Elisabeth Leopold, die 95-jährige Witwe des Sammlers und Stifters Rudolf Leopold, der das rund 5.500 Kunstwerke umfassende Lebenswerk des Sammler-Ehepaares 1994 in eine Stiftung eingebracht hatte – gegen die Zusicherung, dass die Republik der Sammlung ein Museum bauen werde.

Architekten Ortner feierten mit

Die Architekten Laurids und Manfred Ortner, die beide bei der Feier anwesend waren, hätten „ein Haus gemacht, wie es sich mein Mann immer gewünscht hat“, sagte Leopold und dankte vor allen anderen jenen beiden Politikern, die den Stein für das Museum ins Rollen gebracht hätten: Franz Vranitzky und Erhard Busek.

Leopold Museum
APA/Wolfgang Huber Lang
Auch auf der Fassade gibt man sich feierlich

Einige andere Politiker kamen zu Wort – darunter zwei ehemalige Kulturminister. Josef Ostermayer, der sich bei seinem Nachfolger Gernot Blümel für das Vertrauen bedankte, ihn als Vorstandsvorsitzender der Leopold Museum Privatstiftung berufen zu haben, hob hervor, dass es sich u.a. deshalb um „ein ganz besonderes Museum“ handle, weil es „nicht auf einer Sammlung ehemaliger monarchistischer Machthaber“, sondern auf Kunstsinn und Weitblick von Privatpersonen aufbaue, und erinnerte an die Krisenzeiten, in denen das Leopold Museum wegen Restitutionsforderungen und ungelöster Provenienzfragen Stein des Anstoßes gewesen sei. Dass die Konflikte mit der IKG heute beigelegt sind, bewies u.a. die Anwesenheit des ehemaligen IKG-Präsidenten Ariel Muzicant bei der Feier.

Sobotka: „Leseturm wartet noch auf seine Realisierung“

Blümel, heute Finanzminister, erinnerte sich daran, dass eine seiner ersten Ausstellungseröffnungen, die er als Kulturminister vornahm, im Leopold Museum stattgefunden hatte. Angesichts der vielen als unangenehm empfundenen Veränderungen der Corona-Zeit merkte er an, dass auch die Moderne „etwas Disruptives“ hatte, das später folklorisiert worden sei, und erinnerte an Walter Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, in dem die Zerstörung der Aura konstatiert werde. Im Leopold Museum werde den Kunstwerken ihre Aura zurückgegeben.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka verwies u.a. darauf, dass in Österreich nicht nur vieles geplant, sondern auch vieles verhindert worden sei. Deshalb gratuliere er den Architekten auch für ihren Pragmatismus und ihr Durchhalten bei Entwicklung und Bau des Museumsquartiers, in dem nur noch ein Bauwerk fehle: „Der Leseturm wartet noch auf seine Realisierung“, auch wenn er dann wohl nicht mehr Leseturm heißen und einer anderen Bestimmung zugeführt werde. Die jüngste Adaption des einst zu Fall gebrachten Leuchtturm-Projekts des Areals findet sich im soeben erschienenen Jubiläumsband des Leopold Museums in ein Museumsquartier-Foto eingearbeitet. „Sie haben Konsequenz und geben nicht auf“, spielte Ostermayer auf diesen neuen Anlauf an.

Gerda Leopold: "Museum ist ein Unikat

Ehe es zum Anschnitt der Geburtstagstorte in der Form des Museums-Kubus kam, sprach Gerda Leopold, die Tochter des Sammler-Paares, im Namen der Familie. Sie erinnerte sich an einen Moment bei der Hängung der ersten Ausstellungen, als die Nachricht vom Attentat auf die Twin Towers kam. Damals sei die große Bedeutung der intensiven Beschäftigung mit Kunst, die durch den Fanatismus des Vaters die ganze Familie beeinflusste, besonders deutlich geworden. „Wir sind stolz auf dieses Museum“, sagte sie. „Dieses Museum ist ein Unikat. Und ein Unikat verdient es, gepflegt zu werden.“