Drei weiße Lipizzaner und ein braunes Jungtier
APA/Roland Schlager
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Politik

Hofreitschule: Aufsichtsrat bestreitet Vorwurf

In der Debatte über den umstrittenen Lipizzanerverkauf in der Spanischen Hofreitschule hat sich nun auch der Beschuldigte zu Wort gemeldet: Der Aufsichtsratsvorsitzende Johann Marihart weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einer „haltlosen, völlig verzerrten Darstellung“.

Marihart, auch langjähriger Generaldirektor der Agrana AG, wird vorgeworfen, 2013 einen Lipizzanerhengst von der Hofreitschule erworben zu haben. Für das Pferd soll er 12.000 Euro gezahlt haben. Mittlerweile wird der Wert des Tieres aber auf mehrere hundertausend Euro geschätzt, weil er eine langjährige Ausbildung erhalten habe und immer wieder für die Hofreitschule auftrete. Gezahlt habe Marihart dafür nicht, so der Vorwurf.

In einer Stellungnahme spricht Marihart nun von „haltlosen Anwürfen und völlig verzerrten Darstellungen“. Seine Tochter habe vielmehr einiges an Geld in das Tier investiert – ohne es selbst nutzen zu können. "Fantasca ist ein Sponsorpferd, für dessen Haltung und Ausbildung die Spanische Hofreitschule von privater Hand die Kosten erstattet bekommen hat“, so Marihart. „Würde man mehr Menschen für solche Investments gewinnen, ließen sich die finanziellen Probleme der Hofreitschule deutlich lindern.“

Hengst sei regulär zum Verkauf angeboten worden

Denn nicht jedes Pferd erfülle die hohen Ansprüche der Hofreitschule, deshalb sei der Verkauf von Tieren inzwischen ein gutes Nebengeschäft der Institution. Für diese Fälle gebe es „auch klare vertragliche Konditionen. So auch im Fall Marihart.“ Im Mai 2012 habe die Tochter des Agrana-Chefs das Tier mit dem Namen Maestoso Fantasca-67 ganz regulär erworben, es sei damals auf der Homepage der Hofreitschule zum Verkauf angeboten worden.

Laut internen Aufzeichnungen der Hofreitschule sei das Pferd damals „in eher durchschnittlichem Zustand“ gewesen, „einige Röntgenbefunde galten sogar als für die – Zitat – ‚Hohe Schule bedenklich‘, insgesamt wäre das Tier ‚zuchttechnisch nicht relevant‘ gewesen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Zusätzlich habe es – wie für alle Käuferinnen und Käufer – das Angebot gegeben, dass die Hofreitschule das Tier weiter betreut. Dieses habe die Käuferin in Anspruch genommen – und dafür 1.200 Euro pro Monat bezahlt.

Hofreitschul-„Engpass“ machte Hengst zu Star

„Als sich 2014 ein Engpass bei Pferden für die Ausbildung und Vorführungen ergab, suchte die Hofreitschule nach Lösungen und stieß dabei auch auf Maestoso Fantasca-67. Der Bereiter sah nun doch Potenzial und aktivierte das Tier als Einspringer für das Haus“, heißt es weiter. Danach habe es immer mehr Auftritte gegeben und die Besitzerin habe das Pferd kaum mehr selbst nutzen können. Nur die „eine oder andere“ Bewegungseinheit habe die Käuferin selbst übernommen. Die kostenlosen Reitstunden waren ebenfalls Teil der Kritik.

Dazu sagte einer der Geschäftsführer der Hofreitschule, Erwin Klissenbauer, im Ö1-Interview: „Die Besitzerin nimmt fallweise auf dem Pferd Platz. Ich würde das nicht als Reitunterricht bezeichnen.“ Die zweite Geschäftsführerin, Sonja Klima, – sie folgte 2019 Gürtler nach – sagte dazu im „Morgenjournal“: „Bis gestern habe ich auch angenommen, dass das immer in der Freizeit ist unserer Bereiter, aber es ist auch: Manchmal sind Reitstunden eben auch am Vormittag passiert.“

Kritik an Kostenübernahme

Laut einem Nachvertrag im Einstellvertrag der dem ORF vorliegt, zahlt die Hofreitschule für den Tierarzt und den Hufbeschlag – rückwirkend ab 2014. Das erklärt Marihart so: Nach der Rechnungshofkritik, dass die Hofreitschule für private Pferde – nicht allerdings für das betroffene Tier – unter anderem Tierarztkosten übernehme, sei rechtlich noch einmal nachgeschärft worden: Es sei eine Kostenübernahme abgeschlossen worden, „die der Hofreitschule zugleich ‚die uneingeschränkte Nutzung‘ zusicherte“.

Dennoch bezahlte die Besitzerin laut eigenen Angaben weiterhin die monatliche Gebühr von 1.200 Euro sowie Sättel und Zaumzeug und einen 2018 erforderlichen Klinikaufenthalt mit Kosten von in Summe 10.000 Euro zusätzlich. Insgesamt habe man über die Jahre 130.000 Euro an die Hofreitschule gezahlt, dabei das Pferd selber aber „kaum“ nutzen können.

Vorwürfe sollen überprüft werden

Die Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule, Sonja Klima, hatte bereits angekündigt, die Vorwürfe überprüfen zu wollen. Die Spanische Hofreitschule befindet sich ebenso wie das dazugehörige Gestüt Piber im Eigentum der Republik. Die Vorwürfe haben daher auch die zuständige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auf den Plan gerufen. Sie will diese „rasch und umfassend“ aufklären. Sowohl die Geschäftsführung als auch die drei vom Ministerium entsandten Aufsichtsräte wurden aufgefordert, Stellungnahmen zu übermitteln.