Der Leihladen in der Grundsteingasse in Ottakring. Im Bild: Eine Wand mit Dingen zum Ausleihen – von der Trompete bis zu Boccioa-Kugeln
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Bohrmaschine und Mopskostüm zum Leihen

Es ist ein Geschäft, in dem man nichts kaufen kann: Im Leihladen Wien in Ottakring wird nur verliehen – alles vom Winkelschleifer bis zum Mopskostüm. Den Leihladen gibt es seit mittlerweile seit sieben Jahren, jetzt suchen die Gründer ein Nachfolgeteam.

Vom Mopskostüm, einer Trompete, über die Bohrmaschine bis hin zu Boccia-Kugeln oder einem Schokobrunnen: Rund 240 Gegenstände gibt es im Leihladen in der Grundsteingasse zum Ausborgen. „Es sind Gebrauchsgegenstände, die nicht jeder unbedingt besitzen muss. Das kann eine Bohrmaschine sein, ein Entsafter. Und der Sinn dahinter ist, dass wir alle Platz sparen können, natürlich auch Geld sparen und natürlich auch Ressourcen, weil wir nicht alle jeden Gegenstand selbst für zu Hause kaufen müssen“, erklärt Mae Schwinghammer vom Leihladen.

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Der Leihladen in der Grundsteingasse in Ottakring
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Der Leihladen in der Grundsteingasse in Ottakring. Im Bild: Eine Wand mit Dingen zum Ausleihen – von der Trompete bis zu Boccioa-Kugeln
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Das Angebot des Leihladens in der Grundsteingasse in Ottakring ist auf der Website des Vereins zu sehen
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Der Leihladen in der Grundsteingasse in Ottakring. Im Bild: Das Lager mit Werkzeugen zum Ausleihen
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Der Leihladen in der Grundsteingasse in Ottakring. Im Bild: Einer der Betreiber, Mae Schwinghammer
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„Richtige Ladenhüter haben wir nicht“

Die Leihgebühren liegen im niedrigen Euro-Bereich. Das Skateboard ist für 50 Cent am Tag zu haben, die Akkuhandkreissäge gibt es für 2,50 Euro und für das Mopskostüm fällt eine Leihgebühr von einem Euro an. Pro Woche werden im Schnitt 15 Mal Dinge ausgeliehen.

"Richtige Ladenhüter haben wir nicht. Aber wir haben natürlich auch viele spezielle Gegenstände, wie Instrumente, die nicht viele Leute spielen. Aber Werkzeuge wie die Bohrmaschine, oder der Winkelschleifer, die gehen das ganze Jahr. Und saisonal natürlich so Sachen wie Campingausrüstung im Sommer“, erzählt Schwinghammer.

„Es ist selten etwas kaputt“

Knapp 800 Ausleiherinnen und Ausleiher hat der Verein derzeit. Wegen der CoV-Pandemie haben mehr Leute Werkzeug ausgeborgt, und die Einnahmen sind um 20 bis 30 Prozent gestiegen, berichtet die „Presse“. Und das, obwohl die Öffnungszeiten reduziert wurden. Pandemiebedingt hat der Leihladen nur mehr am Dienstag und Freitag zwischen 17.00 und 20.00 Uhr geöffnet. „Wir leihen ein Drittel mehr Gegenstände aus, das ist wegen der ganzen Do-it-Yourself-Projekte“, so Schwinghammer.

Mit den Kundinnen und Kunden ist man zufrieden. "Es ist selten etwas kaputt, sondern das Prinzip Vertrauen funktioniert hervorragend. Die Dinge kommen oft sauberer zurück, als wir sie verliehen haben“, sagt Schwinghammer. Und manchmal brächten die Kundinnen und Kunden auch Kostproben mit, etwa wenn sie sich den Dörrautomaten ausgeborgt hatten.

Leihladen sucht Nachfolger

Ein Skateboard, eine Bohrmaschine oder auch eine Trompete: All das gibt es in Ottakring in einem Laden zum Ausleihen. Ein Herzensprojekt für die Betreiber, die nun aber Nachfolger suchen.

„Alle im Berufs- oder Familienleben“

Seit sieben Jahren gibt es den Leihladen in Wien. Die Idee dazu stammte aus Berlin und wurde in Wien von einer Gruppe befreundeter Studierender übernommen. Jetzt suchen die Betreiber aber eine Nachfolge. „Wir haben als studentisches Projekt gestartet, aber mittlerweile sind alle ins Berufs- oder ins Familienleben hineingewachsen. Natürlich können wir das Projekt nicht mehr so ehrenamtlich betreiben, wie wir es früher getan haben. Und deswegen bräuchte es quasi ein junges, frisches, neues Team“, sagt Schwinghammer.

Findet sich niemand, will die Gruppe den Laden Ende April schließen. Auf der Homepage gibt es Informationen für Interessierte. Finanziert wird der Leihladen, der als Verein geführt wird, durch die Leihgebühr, Spenden und Förderungen. Und der Verein hat auch einen schmales Büchlein publiziert, wie man einen Leihladen gründet. Eigentlich wäre es der Wunsch, dass es in jedem Grätzl einen Leihladen gibt, erzählt Schwinghammer. Denn im Sinne der Nachhaltigkeit ist Leihen laut den Betreiberinnen und Betreibern „ur-leih-wand“.