Anatoliy Babiychuk, East Village, 2018,
Foto Wien/Open Space Barbareum/Anatoliy Babiychuk
Foto Wien/Open Space Barbareum/Anatoliy Babiychuk
KULTUR

Foto Wien mit 140 Ausstellungen

140 Ausstellungen und 300 Veranstaltungen bietet das Programm der Foto Wien. In der neuen Festivalzentrale aber auch sonst werden vor allem Fotografinnen und das Verhältnis von Mensch und Natur in den Mittelpunkt gestellt.

Fotografie in all ihren Facetten soll das vom Kunst Haus Wien organisierte Festival bis zum 27. März bieten. Die beiden Schwerpunkte sind alut Kuratorin Verena Kaspar-Eisert möglich, „weil Wien ein wirklicher Standort für Fotografie ist“. Von der wegen der Corona-Panemie verschobenen Ausgabe des Vorjahrs wurden einige Projekte mitgenommen, etliche neue kamen hinzu. Insgesamt sind über 500 Personen an den Veranstaltungen beteiligt.

„Es ist durch das Festival möglich, ganz konzentriert einzutauchen in das Thema Fotografie und unterschiedliche Strömungen zu zeigen“, betonte MQ-Geschäftsführerin Bettina Leidl, bis vor kurzem noch Kunst Haus Wien-Direktorin, am Mittwoch in der diesjährigen Festivalzentrale im Atelier Augarten.

Fotostrecke mit 7 Bildern

Jonathas De Andrade, Still aus: O Peixe (The Fish), 2016
Foto Wien/Fotogalerie Wien/WUK/Jonathas De Andrade
Anatoliy Babiychuk, East Village, 2018,
Foto Wien/Open Space Barbareum/Anatoliy Babiychuk
Poulomi Basu, Centralia, 2020
Foto Wien/Poulomi Basu
Kristina Varaksina, Self-Portrait Hair, 2020
Foto Wien/TNTxOFHxHWG Showroom/Kristina Varaksina
Luca Piscopo, Candy Oscuro: Apocalypse & Genesis, 2020
Foto Wien/MQ Freiraum / Freie Universität Bozen/Luca Piscopo
Danila Tkachenko, #9, aus der Serie: Motherland, 2016
Foto Wien/Danila Tkachenko
Foto von Phillipa Bloom, 2020
Foto Wien/Phillipa Bloom

Schwerpunkt auf Fotografinnen

Die Schwerpunkte der Foto Wien werden auch in der Festivalzentrale sichtbar: Gut ein Dutzend Positionen sind es, die bei „Rethinking Nature/Rethinking Landscape“ die Bedeutung der Fotografie bei der Wahrnehmung von Natur und Landschaft hervorstreichen. Sissa Micheli zeigt in „Mountain Pieces. Reflecting History“ nicht nur die Schönheit der Südtiroler Bergwelt, sondern bringt eine historische Komponente in ihre Großformate, spielt doch die Erinnerung an die hier stattgefundenen kriegerischen Handlungen im Ersten Weltkrieg eine wesentliche Rolle.

Nicht nur sehen, sondern auch hören kann man wiederum Tamás Dezsös „Hypothesis: Everything is Leaf“: Der ungarische Fotograf hat nämlich auf etliche Metronome konservierte Blätter platziert, die in beharrlicher Manier hin und her wippen. Ihnen gegenüber findet sich eine Serie mit einer Büste Wittgensteins, die sich zuerst sukzessive aus dem weißen Steinblock schält, um am Ende ins Nichts zu vergehen – der Kreislauf des Lebens eben. Oder aber sein Triptychon zu einer englischen Hecke, die eher wie amorphes, sich im Schlaf befindliches Wesen anmutet.

Wenige Schritte weiter stehen im Museum Ambrosi „Fotografinnen im Fokus“: Hier werden zehn in Österreich wenig bekannte Künstlerinnen vorgestellt, wie Kaspar-Eisert sagte. Ihnen gemein sei trotz aller Unterschiedlichkeit „eine hohe Relevanz in politischen und gesellschaftspolitischen Themen“. Pixy Liao, die mit „Red Nails“ auch das diesjährige Festivalsujet liefert, hinterfragt etwa gängige Geschlechterrollen, wenn sie sich mit ihrem Ehemann Moro in beinahe theatral wirkenden Situationen als dominante Figur inszeniert. Nakeya Brown ist wiederum mit neun Tableaus vertreten, die Nostalgie, Haarpflege und schwarze, weibliche Identität zusammenführen.

Veranstaltungen in ganz Wien

In der Festivalzentrale finden neben weiteren Präsentationen auch tägliche Bildbesprechungen, verschiedene Talks und das Symposium „Wie hältst du’s mit dem Material? Vom Umgang mit Fotografien“ (18. und 19. März) statt. Das gesamte Ausmaß der Foto Wien wird aber erst beim Blick auf die im Programmheft enthaltene Stadtkarte ersichtlich: Institutionen wie das Architekturzentrum Wien und das mumok, Galerien von Charim bis Wolfrum und unzählige Ausstellungsräume, Ateliers, Studios und Open-Air-Angebote sind zu erkunden.

„Shoot & Think“ heißt es etwa bei Studierenden der Freien Universität Bozen, die im Freiraum des MQ Aufstellung bezogen haben: „Ein Bild hört nicht am Rand eines Blatts Papier auf“, verwies Künstlerin Eva Leitolf auf die Frage, in welchem Kontext und wie Fotos verwendet werden. Für ihre Studierende sei es „eine umgemein heraufordernde, aber auch fruchtbare Situation“, auf der Foto Wien mit einem so großen Raum, aber auch dem Publikum konfrontiert zu werden.

Foto Wien: Bis 27. März an verschiedenen Locations, Festivalzentrale im Atelier Augarten, Scherzergasse 1a, 1020 Wien

Wie sich Bewegung und Stillstand auf Natur, aber auch die Gesellschaft auswirken, versucht die Schau „Stop-Non-Stop“ im Ausstellungsraum auf der Gumpendorferstraße zu erörtern, während der Fotograf Martin Vukovits seine Porträts von Gert Voss im Kunstbogen am Gürtel zeigt. Entstanden ist diese „Hommage an einen Ausnahmekünstler“ über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Höchst aktuell ist natürlich Anna Jermolaewas „Chernobyl Safari“, die im MAK zu einer Begegnung mit der kürzlich von russischen Truppen eroberten Sperrzone rund um das ehemalige AKW in der Ukraine lädt.

Sammlung für Opfer des Ukraine-Kriegs

Mit einer kurzfristig aufgelegten Sonderedition von zehn Bildern soll bei der Foto Wien Geld für die Opfer des Kriegs in der Ukraine gesammelt werden, der Reinerlös wird der Volkshilfe gespendet, erklärte Kaspar-Eisert. Was wiederum die Zukunft des Festivals selbst betrifft, zeigte sich Leidl optimistisch. Die kommende Ausgabe (8.-26. März 2023) sei gesichert, und auch danach werde es aus ihrer Sicht eine Foto Wien geben: „Das Festival ist nicht mehr wegzudenken.“