Außenansicht des Volkstheaters in Wien aufgenommen am Dienstag, 10. Mai 2022
APA/Georg Hochmuth
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Kultur

Volkstheater-Spielplan: „Es wird lustig“

Renovierung, Cov-Pandemie und Zuschauerrückgang: Nach zwei schwierigen Jahren hofft Volkstheater-Direktor Kay Voges, mit dem neuen Spielplan 2022/23 wieder Zuschauer zurückzugewinnen – etwas mit einem großen Shakespeare-Projekt: „Es wird lustig werden.“

Zuletzt wurden zwei Produktionen des Volkstheaters zum renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen – ein Ritterschlag in der Theaterszene. Ein weiterer Erfolg: Man werde trotz Schließzeiten und Zuschauerrückgangs die Saison mit einer schwarzen Null abschließen, so Voges bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Im letzten Jahr sanken die Abonnentenzahlen von 2.500 auf 250. Diese will er mit 21 Premieren – darunter neun Uraufführungen – in der kommenden Saison wieder gewinnen. So plant das Volkstheater Wien in der kommenden Saison neben dem Shakespeare-Projekt von Luk Perceval eine „Faust“-Inszenierung des Hausherrn, zahlreiche große und kleine Inszenierungen, Projekte der Künstler Paul McCarthy und Jonathan Meese, Tanzabende und Konzerte.

Volkstheaterdirektor Kay Voges
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Kay Voges selbst inszeniert in der nächsten Saison „Faust“

Eine „Hoffnungsbekundung“

Und dennoch wunderte sich Voges bei der Pressekonferenz am Dienstag, bereits sein drittes Spielzeitbuch in Händen zu halten, so wenig konnte man im neu renovierten Haus bisher Normalbetrieb fahren. „Dieses dritte Spielzeitbuch ist eine Hoffnungsbekundung. Wir glauben daran, dass Theater wieder stattfinden kann. Volkstheater ist Erlebnistheater“, bekundete Voges, musste aber auch bekanntgeben, dass die Pandemie am Haus keineswegs vorbei sei, sondern derzeit das Technikteam heimsuche.

Dienstag und Mittwoch müssen deshalb die Vorstellungen auf der großen Bühne abgesagt werden. „Wie geht Theater in pandemischen und in postpandemischen Zeiten, und wie geht Theater in Kriegszeiten?“ Diese Fragen versuche man mit den nun vorgestellten Plänen, die nach eigener Zählung insgesamt 21 Premieren umfassen, zu beantworten.

Bildende Kunst als wichtiges Element

„Wir werden unser Profil fortsetzen: Die bildende Kunst ist ein wichtiger Punkt bei uns im Spielplan“, versicherte Voges. Deswegen kommt nicht nur Jonathan Meese für ein neues Projekt und gestaltet der deutsche Künstler Tobias Rehberger, 2009 mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet, das Bühnenbild für Sebastian Baumgartens Interpretation des Bunuel-Films „Der Würgeengel“, sondern startet die Saison mit einem „Europa-Ereignis“: US-Künstler Paul McCarthy zeigt ab 3. September an fünf Abenden sein Projekt „NV / Night Vater / Vienna“, das auf Liliana Canvanis Film „Der Nachtportier“ zurückgeht.

Turbulenzen am Volkstheater

Dem Volkstheater fehlt das Volk: Renovierung und Pandemie haben die Zuschauerzahlen einbrechen lassen.

Faust in Regie des Hausherrn

Das Theaterprogramm wird gestartet mit einem „Stück, das versucht zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“, kündigte Voges Goethes „Faust“ in eigener Regie an. Dabei arbeitet er mit Fotograf Marcel Urlaub, der als Setting eine Mischung aus Live-Fotoshooting und Fotoausstellung plant. Die „Faust“-Besetzung ließ sich der Regisseur indes nicht entlocken: „Da kommen einige Überraschungen auf Sie zu.“

Fünf Mal Shakespeare

„Es wird lustig werden“, versprach der Theaterleiter – und kündigte nicht nur Molieres „Der eingebildete Kranke“, „inszeniert von dem Komödienexperten im deutschen Sprachraum, Leander Haußmann“, an, sondern auch die Uraufführung einer Weltuntergangskomödie namens „Apokalypse Miau“. „Es geht um die jährlich stattfindende Destroy-Theaterpreis-Verleihung, neben der gerade die Welt untergeht“, verriet Voges, der Nestroy „Fachbühnen, die das besser können als wir“, überlassen will.

Unsere Stärken liegen woanders." Nämlich offenbar bei Shakespeare: „Luk Perceval wird bei uns gleich fünf große Shakespeares machen. Das wird sicher ein Highlight der Saison werden.“ Unter dem Titel „Rom“ geht es um „Julius Caesar“, „Coriolanus“, „Antonius und Cleopatra“, „Cymbeline“ und „Titus Andronicus“, die in einem über zwei Saisonen reichenden zweiteiligen Prozess er- und bearbeitet werden.

„Ich bin Carmen“ geht weiter

Zweimal steht das Thema Öl im Mittelpunkt: Sascha Hawemann inszeniert den gleichnamigen Upton-Sinclair-Roman, Manuela Infante, die Voges als „tolle Theatermacherin aus Chile“ ankündigte, erarbeitet „Black Flame – A Noise Essay“, einen „fast popkonzertähnlichen großen Monolog, tief philosophisch und gleichzeitig berauschend“.

Apropos Musik: „Ich bin Carmen“ wird nach dem großen Erfolg der einmaligen Aufführung doch in der nächste Saison weitergespielt (Voges: „Was für ein toller Abend!“). Dafür kommt Claudia Bauer, die mit ihrem Jandl-Abend zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, erst zu Beginn der übernächsten Spielzeit als Regisseurin wieder.

Herrndorf-Romanfragment auf die Bühne

In den Bezirken habe man sich im vergangenen Jahr intensiv mit den Abonnentinnen und Abonnenten ausgetauscht, berichtete Leiter Calle Fuhr. Diese hätten das auf Projektentwicklungen und ganz neue Stoffe fokussierte neue Programm zwar „unheimlich gut aufgenommen“, hätten aber gebeten, zumindest einmal im Jahr mit bestehender Literatur konfrontiert zu werden. Weswegen er in der nächsten Saison dort auch Wolfgang Herrndorfs Romanfragment „Bilder deiner großen Liebe“ auf die Tourneebühne bringen wird.

„Auslastung wird besser“

„Wir wollten die Menschen halten und für die neue Sache gewinnen, aber wir wollen es nicht allen recht machen“, berichtete Fuhr von manchen bösen Briefen, aber auch von Schlangen an der Abendkasse. „Wir arbeiten weiter dran. Die Auslastung wird besser – und auch wir werden besser.“ Doris Weiner, die langjährige Leiterin der Bezirke-Tournee, wird Ehrenmitglied des Volkstheaters.

„Leider liegen die Kartenerlöse unter den Erwartungen“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek auf Nachfrage. Man habe zeitgerecht gegengesteuert und Kurzarbeit in Anspruch genommen. „Ich habe aber nicht gedacht, dass ich es erleben würde, jemals eine Auslastung zu erwähnen, die unter 50 Prozent liegt. Das tut weh und ist hoch unbefriedigend.“

„47 Prozent Gesamtauslastung“

Dies dürfe aber einen in einer Gesamtsituation mit der Renovierung, der CoV-Pandemie und dem „Verordnungschaos“ nicht wundern. Man sei im intensiven Austausch mit dem Aufsichtsrat. "Ich bin zuversichtlich, dass der richtige Weg eingeschlagen wurde. Auf neuerliche Nachfrage bezifferte Urbanek die Gesamtauslastung über alle Spielstätten mit „47 Prozent mit dem heutigen Tag“. Die Chance sei da, als Zuschauer bereits jetzt etwas für das Volkstheater tun zu können, betonte Voges: „Der Abo-Verlauf geht jetzt los.“