„Für Studierendenteams ist das noch ungewöhnlich. Es gibt weltweit nur ganz wenige Teams, die sich an das Thema Flüssigrakete heranwagen“, erklärte Taras Weinl vom „Space Team“ der Universität. Die Technologie einer Flüssigrakete sei nämlich deutlich komplizierter als die von Feststoffraketen.
In den vergangenen Jahren schoss das Team Minisatelliten ins All, seine Raketen erreichten mehrere Kilometer Höhe. Auch trat das Team bei internationalen Wettkämpfen gegen Teams anderer Universitäten an. Nun aber will sich das Team verstärkt Flüssigraketen widmen, wie sie auch von der NASA oder SpaceX verwendet werden.

Große Triebwerke auf dem Prüfstand
Typisch für Raketen mit Flüssigtriebwerken ist laut „Space Team“ etwa die Verwendung von Ethanol als Brennstoff und Lachgas (N2O) als Oxidator, die Treibstoffe werden mit Stickstoff druckgefördert. Die Schwierigkeit dabei ist eine kontinuierliche, effiziente Verbrennung zu ermöglichen. Dafür muss die passende Mischung der beiden Stoffe erzeugt werden. Der Vorteil derartiger Triebwerken liegt darin, dass der Schub geregelt und das Triebwerk abgeschaltet und erneut gezündet werden kann.
Kleinere solcher Triebwerke testet das „Space Team“ bereits seit einigen Jahren, mit der neuen Prüfanlage sollen nun auch Testreihen für große Triebwerke durchgeführt werden. Die Entwicklung hat sich darauf fokussiert, alle möglichen Hindernisse, die bei Bau und Betrieb von Flüssigtriebwerken auftreten können, im kleinen Maßstab zu testen. Langzeitziel ist es, mit einer eigenständig entwickelten Flüssigtreibstoffrakete das Weltall zu erreichen.
Erster Test erfolgreich verlaufen
Die Anlage passt auf einen Fahrzeuganhänger, damit die Tests sicher an entlegenen Orten wie Steinbrüchen durchgeführt werden können. Sie ist auf Raketentriebwerke mit einem Schub von bis zu 25 Kilonewton ausgelegt. Zum Vergleich: Ein Formel-1-Auto, das in 2,5 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt, hat einen Schub von etwa 8 Kilonewton.
Bei den Tests sind die Studenten rund 100 Meter vom Teststand entfernt und steuern den Ablauf am Computer. Sensoren überwachen den Ablauf aller wesentlichen Prozesse und messen den erzielten Schub. Ein erster Versuch im Juni lief den Angaben der Studenten zufolge erfolgreich.
Seit 2010 auf dem Weg ins All
Das „Space Team“ der TU Wien entstand im Winter 2010, als sich zehn von Luft- und Raumfahrttechnik begeisterte Studenten zusammentaten. Im Laufe der Zeit wurde das Team immer größer und hat heute rund 200 Mitglieder. Es ist nicht nur Vorzeigeprojekt der TU geworden, sondern dient auch als Plattform von Studierenden für Studierende, die sich für Projekte im Bereich der Luft– und Raumfahrttechnik interessieren.
Es geht dabei um die Entwicklung von Experimentalraketen, Triebwerken, Kleinstsatelliten und vielem mehr. Benötigte Komponenten werden selbstständig gefertigt. Dabei kann theoretisches Wissen aus dem Studium praktisch angewendet werden. Studierende werden darüber hinaus auch Teil eines größeren Projektes mit klar definierten Zielen. Auch die Teilnahme an internationalen Wettbewerben gehört dazu. Betont wird auch, dass die Projekte des „Space Teams“ der TU Wien ausschließlich für die zivile Nutzung bestimmt sind.