Der Künstler Gottfried Kumpf, dessen naiv wirkende, von ihm liebevoll „Asoziale“ getaufte Figuren und Skulpturen große Bekanntheit erlangten, ist am Montag, 05. September 2022 nach einem Herzstillstand völlig unerwartet gestorben.
APA/DOROTHEUM/KRISTIAN BISSUTI
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Kultur

Gottfried Kumpf 91-jährig gestorben

Der Künstler Gottfried Kumpf, dessen naiv wirkende, von ihm liebevoll „Asoziale“ getaufte Figuren und Skulpturen große Bekanntheit erlangten, ist am Montag nach einem Herzstillstand völlig unerwartet gestorben.

Seine Frau Guni bestätigte den Tod Kumpfs gegenüber der APA. „Er hat bis zu seinem letzten Tag sein künstlerisches Schaffen unbeirrt und mit Freude weitergeführt und war voller Pläne für die Zukunft“, hieß es in einer Mitteilung. Kumpf wurde 91 Jahre alt.

Gottfried Kumpf Asozialer V, 2016 Û 6.600,- Bronze, Höhe 17 cm, Gewicht ca. 1,9 kg, Auflage 199 + 20 E A (2)
Dorotheum Galerie
Der „Asoziale“

Der „Asoziale“ wurde zum Markenzeichen

Der „Asoziale“, jenes kleine, unschuldig wirkende Männchen aus zahlreichen seiner Gemälde, ist ebenso eines seiner Markenzeichen wie die unverkennbaren Bronzeskulpturen: Der Maler Kumpf war Wahlwiener mit Wurzeln im Salzburgischen Annaberg-Lungötz. Er gehörte zu jenen Künstlern, deren Werke den meisten Menschen als Thermengast, Stadtflaneur oder Leser präsent sind, selbst wenn sie diese nicht mit einem Namen verknüpfen können.

Geboren wurde Kumpf am 29. November 1930 in Annaberg. Nicht nur, dass hier bereits 2005 ein Weg nach ihm benannt und im Jahr darauf der „Eulenbrunnen“ errichtet wurde, Kumpf gestaltete 2019 auch eine „Kumpf-Gondel“ der Donnerkogelbahn. Und die Gemeinde ernannte ihren großen Sohn zum Ehrenbürger, auch wenn Kumpf seine künstlerische Karriere andernorts startete.

Am Anfang Maler, später auch Schauspieler

Nach der Matura und dem Medizinstudium widmete sich der Sohn eines Landarztes ganz der Malerei. Seit 1965 arbeitete Kumpf als freischaffender Maler. Nach mehreren Jahren in Wien zog er 1968 mit seiner ersten Frau, der akademischen Malerin und Gobelinweberin Maria Plachky, ins Burgenland. Das Paar ließ sich in Breitenbrunn nieder, wo es einen Streckhof aus dem 17. Jahrhundert restaurierte.

1970 unternahm Kumpf dann auch einen Ausflug ins Filmgenre und stand gemeinsam mit Helmut Qualtinger in Bernhard Wickis Spielfilm „Das falsche Gewicht“ in Ungarn vor der Kamera. Im Zuge des Drehs entstanden auch einige malerische Werke zu einzelnen Filmszenen. Anfang der 70er Jahre entstanden erste bildhauerische Arbeiten, u. a. ein Sandsteinbrunnen.

Fotostrecke mit 7 Bildern

Gottfried Kumpf-Elefant im Tiergarten Schönbrunn
APA/Hans Klaus Techt
Gottfried Kumpf Asozialer V, 2016 Û 6.600,- Bronze, Höhe 17 cm, Gewicht ca. 1,9 kg, Auflage 199 + 20 E A (2)
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Der Künstler Gottfried Kumpf, dessen naiv wirkende, von ihm liebevoll „Asoziale“ getaufte Figuren und Skulpturen große Bekanntheit erlangten, ist am Montag, 05. September 2022 nach einem Herzstillstand völlig unerwartet gestorben.
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KUMPF JUBILÄUMSKALENDER
APA/GINDL Barbara
Präsentation der neuen Brozefiguren von Gottfried Kumpf mit Laudator Thomas Brezina
comunicative/Dorotheum/APA-Fotoservice/Rossboth
Marke ihrer Olympia-Serie vom burgenländischen Künstler Gottfried Kumpf
Österr. Post/APA
GOTTFRIED KUMPF mit Toni Polster in seinem Atelier
APA/TECHT HANS

Illustrationen für Brezinas Kinderbücher

Zu dieser Zeit schlägt auch die Geburtsstunde der ersten „Asozialen“, die auch auf zahlreichen seiner Bilder zu sehen sind. Über sie heißt es auf Kumpfs Website: „Asozial ist in diesem Sinn nicht negativ gemeint und bedeutet, dass er neben der Gesellschaft als Einzelgänger existiert.“ Zur selben Zeit entstanden auch erste Lithografien und Radierungen. Hinzu kommen immer wieder Kinderbücher, die Kumpf illustrierte: etwa Dietmar Schönherrs „Ruzzitu“ oder Werke von Thomas Brezina (u. a. „Dicke Freunde“ oder „Abu“).

Es folgten zahlreiche Kooperationen und Gemeinschaftsprojekte: Gemeinsam mit Gerhard Tötschinger schuf er das Rätselbuch „Der Ring des letzten Kaisers“. Seine charakteristisch gewordene rote Sonne findet sich auf auch dem Cover von Toni Strickers Schallplatte „Erdverbunden“. Für die ORF-Produktion „Wir waren Zwölf – Die Babenberger“ zeichnete er die Trickfiguren.

Gottfried Kumpf 91-jährig gestorben

Der Künstler Gottfried Kumpf, dessen naiv wirkende, von ihm liebevoll „Asoziale“ getaufte Figuren und Skulpturen große Bekanntheit erlangten, ist am Montag nach einem Herzstillstand völlig unerwartet gestorben.

Kampagne zur Rettung der „Langen Lacke“

Seine Liebe zum Burgenland äußerte Kumpf 1980 auch mit der Mitwirkung an einer Kampagne zur Rettung des Naturschutzgebiets „Lange Lacke“: Sein Gemälde „Löffler über der Langen Lacke“ wurde als Poster verkauft und geriet zu einem der bekanntesten Arbeiten des Künstlers. Auch mit der ersten von ihm gestalteten Briefmarke 1983 huldigte er seinem Wahlbundesland („Abendsonne über dem Burgenland“), es folgten weitere Serien, u. a. zu den Olympischen Spielen 1996.

Zu einem seiner erfolgreichsten Kunstbücher wurde 1988 „Der Maler Kumpf“ mit Texten von Alfred Komarek, in den Folgejahren erschienen die Bücher „Hommage an Österreich“ und „Sternbilder“, ebenfalls mit Texten des Autors.

Stahlskulpturen als Start in Wien

Ins Wiener Stadtbild begann sich Kumpf 1989 einzuschreiben, als er den Auftrag erhielt, Stahlskulpturen für den Wiener Adventzauber zu entwerfen, die in Folge 16 Jahre lang Teil des Konzepts blieben. Die erste von vielen großen Bronzeskulpturen im Wiener Tiergarten Schönbrunn war 1990 ein Nilpferd, es folgten u. a. Pandas oder ein „Froschkönig“. Ein Bronzeelefant, der in CoV-Zeiten aktueller denn je wirkt, steht seit 2004 vor dem Naturhistorischen Museum Wien.

In den 1990er Jahren folgte Kumpfs Hinwendung zur Architektur. So gestaltete er etwa die Autobahnstation Göttlesbrunn inklusive Restaurant und Hotel, für das Wasserwerk Wien gestaltete er den Vorplatz des Wassereinlaufwerks Bisamberg als Skulpturenpark. Für die Seefestspiele Mörbisch schuf er 1993 das Bühnenbild von „Der Zigeunerbaron“. Mit der Therme Stegersbach setzte er einen weiteren Großauftrag um.

2003 erhielt er anlässlich des 40-jährigen Bestehens des WWF in Österreich vom damaligen Direktor des Tiergartens Schönbrunn, Helmut Pechlaner, den „Living Planet“-Orden. 2005 erhielt er das „Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse“. Bereits 1990 wurde er zum Professor ernannt.

„Stets das Positive betonender Stil“

„Mit Gottfried Kumpf haben wir einen außergewöhnlichen Universalkünstler, aber auch einen humorvollen und zutiefst sympathischen Menschen verloren“, so Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). „Als Grafiker, Maler, Bildhauer, Architekt und Illustrator war er weit über unsere Landesgrenzen hinaus erfolgreicher Botschafter des österreichischen Kunstschaffens.“

„Gottfried Kumpf war bis zuletzt ein unermüdlicher Schöpfer von Kunst, dessen unverwechselbarer, stets das Positive betonender und das Leben bejahender Stil viele Menschen erfreut und berührt hat“, schrieb Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).