Chronik

Malteser totgetreten: Neun Monate Haft

Ein 49-jähriger Mann ist am Landesgericht wegen Tierquälerei zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er Ende März auf einen im Eingangsbereich des Palais Kinsky angeleinten Malteser eingetreten hatte. Der Hund verendete am Weg in eine Tierklinik.

Bei einer Strafdrohung von bis zu zwei Jahren fasste der Angeklagte neun Monate aus, die ihm unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen wurden. Der Mann akzeptierte seine Strafe. Da er allerdings anwaltlich nicht vertreten war, ist das Urteil formal nicht rechtskräftig. Der 49-Jährige hätte drei Tage Zeit, um dagegen Rechtsmittel einzulegen.

„Bis zu einem gewissen Grad schuldig“

Der Angeklagte hatte zuvor der Richterin erklärt, er fühle sich „bis zu einem gewissen Grad schuldig“. Offenbar aus Verärgerung, weil ihn Securitymitarbeiter aufgrund seiner Alkoholisierung und verhaltensauffälligen Benehmens aus einer Vernissage geworden hatten, war er auf den Hund losgegangen. Die Besitzerin des kleinen Hundes – eine 73 Jahre alte Pensionistin – hatte ebenfalls die Vernissage besucht.

Weil sie den kleinwüchsigen Vierbeiner nicht die Stufen zu den Räumlichkeiten hinauftragen wollte, leinte sie ihn am untersten Treppenabsatz an. Dort nahm ihn dann der Angeklagte wahr. Er trat mit Arbeitsschuhen mit Stahlkappen mehrfach auf das Tier ein.

Zeugin: „Er hat dabei gelächelt“

„Es hat sich angehört, als würden Weinflaschen zertrümmert. Ich hab’ ihn (den Angeklagten, Anm.) durchgehend Tretbewegungen machen gesehen. Er hat dabei gelächelt. Dann habe ich ein kurzes Jaulen gehört“, schilderte eine 24-jährige Augenzeugin beim ersten Prozesstag im August der Richterin. Die Verhandlung wurde Anfang August zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

Der Angeklagte räumte im August ein, er sei „ungut“ gewesen und habe deshalb die Vernissage verlassen müssen: „Es ist mir schon den ganzen Tag nicht gut gegangen.“ Er habe zunächst daheim „ein bis zwei Bier“ getrunken, sei aber grundsätzlich „voll fit“ gewesen. Auf der Vernissage habe er dann „wahrscheinlich etwas zu schnell Sekt und Wein getrunken“, der Alkohol habe „zu schnell gewirkt“.

Angeklagter gibt Erinnerungslücken an

Weshalb er auf den Hund eintrat, wisse er nicht mehr: „Vielleicht hab’ ich ein Blackout gehabt. Irgendetwas muss gewesen sein.“ Er könne sich nur mehr erinnern, „dass ich auf irgendetwas ein-, zweimal hintreten hab’. Mir war nicht bewusst, dass das ein Tier ist.“ Immerhin entschuldigte sich der anwaltlich nicht vertretene Angeklagte bei der Hundebesitzerin, die als Zeugin darauf verzichtete, sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte anzuschließen. Sie verlange keinen Schadenersatz, sagte die 73-Jährige.

„Es tut mir wirklich extrem leid. Das hätte ich normalerweise nicht gemacht“, sagte ihr der 49-Jährige. Er habe den Hund ja „vom Sehen gekannt“, er sei der Frau öfter beim Gassigehen begegnet: „Ich habe ihn auch einmal gestreichelt.“