Chronik

Schwerverletzte am Maurer Kirtag: Prozess

Eine gewalttätige Jugendbande, die am diesjährigen Maurer Kirtag in Wien-Liesing ihr Unwesen getrieben hat, ist am Mittwoch vor dem Wiener Landesgericht gestanden. Sie sollen zwei Männer schwer verletzt haben.

Die Angeklagten hatten zunächst einem Burschen unter Gewaltandrohung eine teure Uhr abgenommen, wenig später prügelten sie einen 28-Jährigen spitalsreif. Als ein Augenzeuge dem bereits bewusstlos am Boden Liegenden zu Hilfe kam, kassierte dieser einen Faustschlag ins Gesicht und einen Bauchstich. Die Klinge verletzte die Leber, die beschädigt wurde. Der Schwerverletzte kam umgehend in ein Spital und wurde intensivmedizinisch versorgt.

Neben der Stichverletzung hatte der 30-Jährige auch einen Nasenbeinbruch und Abschürfungen und Hämatome im Gesicht erlitten. Auf die Frage, wie es zu der Messerattacke gekommen sei, erzählte das Opfer: „Da ist einer am Boden gelegen und die haben auf ihn eingetreten. Ich hab’ gesehen, der kann nicht mehr.“ Da habe er eingegriffen, worauf ihm einer der Täter „Der Nächste bist du!“ zugerufen habe. Sekunden später hätte ein anderer Bursch diese Ankündigung wahr gemacht.

Messerangreifer ging selbst zur Polizei

Im Unterschied zu den drei Angeklagten im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, die unmittelbar nach den Gewalttätigkeiten ausgeforscht und festgenommen worden waren und seither in U-Haft sitzen, blieb der Messerstecher zunächst unbekannt. Eigenen Angaben zufolge überkamen den 20-Jährigen dann jedoch Schuldgefühle, nachdem er in der Zeitung gelesen hatte, dass der Niedergestochene zunächst in Lebensgefahr schwebte. Daher sei er zu einem Anwalt gegangen und habe sich in Begleitung seines Verteidigers Mathias Burger einige Zeit später der Polizei gestellt.

Auf einer Polizeidienstelle wurde der 20-Jährige aber zunächst weggeschickt. Man glaubte ihm nicht und ging davon aus, dass er einen der Festgenommenen decken wolle. Im Zuge der Erhebungen stellte sich jedoch heraus, dass seine Angaben mit Zeugenaussagen in Einklang zu bringen waren. Die Verhängung der U-Haft wurde in seinem Fall seitens der Staatsanwaltschaft aber nie beantragt, worüber sich die Richterin in der Verhandlung mehr als erstaunt zeigte.

Drei Angeklagte geständig

Die Staatsanwaltschaft klagte ihn auch nicht wegen versuchten Mordes an, obwohl mit einem Stich in die Bauchgegend in der Regel Lebensgefahr verbunden ist. Die Anklage legte ihm absichtliche, schwere Körperverletzung zur Last. Dazu war der 20-Jährige geständig. Den drei Mitangeklagten im Alter zwischen 18 und 20 Jahren wurde ebenfalls absichtliche schwere Körperverletzung angekreidet.

Zwei von ihnen waren umfassend geständig, der dritte behauptete, er sei erst später dazu gestoßen. Der 28-Jährige konnte sechs Wochen keine feste Nahrung zu sich nehmen, weil sein beidseitig gebrochener Unterkiefer verplattet werden musste. Weiters hatte der Maschinenbautechniker eine Schädelprellung, eine Nasenbeinfraktur und Verletzungen an den Augenhöhlen erlitten.