Ein Mann läutet bei der Schuldnerberatung an
APA/dpa/Angelika Warmuth
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Wirtschaft

2022: Weniger Privatkonkurse als erwartet

Für das Jahr 2022 erwartet die Schuldnerberatung Wien eine Zunahme von sieben Prozent bei den Privatinsolvenzen. Die noch im August erwartete Welle an Privatkonkursen scheint damit also vorerst, trotz der Teuerung, noch nicht zu kommen.

Die Zunahme von sieben Prozent ist zwar eine Steigerung zum Vorjahr, erreicht das Vor-Corona Niveau der Jahre 2018/2019 aber trotzdem noch nicht. Grund für die Zunahme von sieben Prozent sei, dass langsam die Corona-Spätfolgen sichtbar werden. Das erklärt Gudrun Steinmann von der Schuldnerberatung Wien gegenüber Radio Wien. Auch für 2023 erwarte man trotz der Teuerung nur einen mäßigen Anstieg an Konkursen.

Das erscheint vorerst etwas unlogisch. Steinmann erklärt die niedrigen erwarteten Anstiege jedoch damit, dass die Menschen im Moment mit der Bezahlung ihrer Fixkosten beschäftigt sind. Darunter fallen Strom, Miete und Heizkosten. Ihnen bleiben also keine Mittel übrig, ihr Geld für andere Sachen auszugeben. Dazu komme der Fakt, dass man in Zeiten wie diesen keinen Kopf für seine Schulden habe und erst verspätet mit der Schuldenregulierung beginnt, so Steinmann.

„Vor Weihnachten keine Ratengeschäfte abschließen“

Das Geld nicht für andere Dinge auszugeben ist laut Gudrun Steinmann auch der richtige Umgang mit der aktuellen Situation: „Vor Weihnachten keine Ratengeschäfte abzuschließen, weil die Zahlungen dann im neuen Jahr dazukommen, zur Energie Abrechnung. Das heißt lieber Zeit schenken“.

Teuerungs-Problematik bereits im Sommer thematisiert

Bereits im August kam von der Schuldnerberatung die Forderung, man müsse Förderungen gezielter ausschütten. Die Folgen der Teuerung würden eben ohnehin erst verzögert spürbar werden. Clemens Mitterlehner, der Geschäftsführer der Schuldnerberatung, befürchtete damals schon, dass die Spitze der Pleitewelle noch nicht erreicht sei.

Mitterlehner erklärte im August, dass die steigendenden Konkurszahlen die Auswirkungen der Teuerung noch kaum beinhalten: „Die Effekte der Preissteigerung werden erst verzögert zu Konkursen führen“. Seine Forderung damals: Eine gezielte Verteilung von Förderungen für Menschen mit geringem Einkommen. So ließe sich der Konsum einkommensschwacher Haushalte ankurbeln und die Wirtschaft stärken.