Schmid tastet die Platten ab
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Kultur

Tastplatten als Street Art für Blinde

Das Unsichtbare greifbar machen – das ist das Ziel eines Kunstprojekts in Neubau. Damit auch Blinde und sehbehinderte Menschen die Graffitis im Karl-Farkas-Park wahrnehmen können, hat man dort 3D-Platten montiert. Sie machen die Kunstwerke durch Tasten erfahrbar.

Erich Schmid ist seit seiner Geburt blind. Mithilfe der 3D-Platten kann er die Kunst im öffentlichen Raum – etwa die Graffitis im Karl-Farkas-Park – erleben. „Da geht es um eine taktile Platte, wo man auf der oberen Seite mit einem 3-D-Druck eine dreidimensionale Form gezaubert hat. Und darunter wird in Brailleschrift, also in Blindenschrift, das Kunstwerk erläutert“, sagt Initiator Martin Essl, Gründer Essl Foundation, im „Wien heute“-Interview.

3D-Platten am Farkas-Park
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Die taktilen Platten kommen aus dem 3D-Drucker

Initiiert wurde das Projekt vom „Zero Project“ mit dem Anspruch, dass Kunst für Alle da sein soll. Denn blinde und sehbehinderte Menschen würden im Alltag und im Kunstbetrieb häufig übersehen. „Es ist sicher so, dass die Kunst auf den breiten Markt zielt. Und Menschen mit Behinderung sind eben nicht der breite Markt. Manchmal wird daran gedacht, aber in den meisten Fällen nicht“, so Erich Schmid.

Eine Dame liest die Braille_Schrift
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In Braille-Schrift wurden Erklärungen angebracht

Erfahrungen aus Belgrad

In die Produktion seien blinde und sehschwache Menschen eingebunden worden. Die Idee für die barrierefreien Graffitis stammt aus Belgrad. Dort wird dieses Angebot bereits gerne angenommen. Die Kosten der Taktilplatten lassen sich laut „Zero Project“ auf ungefähr 1.000 Euro pro A4-Größe schätzen. Die Gesamtkosten für das Projekt in der Burggasse wollte niemand nennen. Eine österreichweite Ausrollung sei zwar wünschenswert, hieß es. Geplant sei derzeit aber noch nichts.