„Bildnis Fräulein Lieser“ im Auktionshaus im Kinsky
Auktionshaus im Kinsky Vienna/Hubert Zierhofer
Auktionshaus im Kinsky Vienna/Hubert Zierhofer
Kultur

Verschollen geglaubtes Klimt-Bild ausgestellt

Ein als verschollen gegoltenes Klimt-Bild kann seit heute im Wiener Auktionshaus im Kinsky besichtigt werden – bevor es am 24. April versteigert werden soll. Der Schätzpreis für das „Bildnis Fräulein Lieser“ liegt zwischen 30 und 50 Millionen Euro.

Das Gemälde galt rund hundert Jahre als verschollen. Tatsächlich befand es sich in Privatbesitz im Verborgenen. Von 13. bis 21. April kann es im Auktionshaus im Kinsky in der Wiener Innenstadt bei freiem Eintritt besichtigt werden, jeweils zwischen 10.00 und 17.00 Uhr. In den vergangenen Wochen wurde das Bild bereits in London, Genf, Zürich und Hongkong präsentiert.

Das „Bildnis Fräulein Lieser“ ist eines der letzten von Gustav Klimt gemalten Frauenporträts. Das 140 mal 80 Zentimeter große Bild zeigt eine junge Frau in strenger frontaler Haltung vor rotem Hintergrund. Um ihre Schultern liegt ein reich mit Blumen dekorierter Umhang. Es stammt aus 1917, Klimt verstarb 1918.

Ausstellungshinweis

„Bildnis Fräulein Lieser“ im Auktionshaus im Kinsky, 13. bis 21. April, täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr, Freyung 4, 1010 Wien, ohne Anmeldung, Eintritt frei

Erlös bis zu 70 Millionen Euro „denkbar“

Versteigert wird das Bild am 24. April ab 17.00 Uhr. Was den erwarteten Auktionserlös angeht, seien – im Vergleich mit anderen Klimt-Werken der vergangenen Jahre – Summen zwischen 40 und 70 Millionen Euro „denkbar“, erklärte Michael Kovacek, einer der Geschäftsführer des Auktionshauses im Kinsky, bei einer Präsentation im Jänner.

„Bildnis Fräulein Lieser“ im Auktionshaus im Kinsky
Auktionshaus im Kinsky Vienna/Hubert Zierhofer
Das Gemälde befand sich zuletzt in einer Villa in der Nähe von Wien

Bisher war in Fachkreisen davon ausgegangen worden, dass Klimt hier die 18-jährige Constance Margarethe Lieser, Tochter von Adolf Lieser, porträtiert habe. Die Brüder Adolf und Justus Lieser zählten zu den führenden Großindustriellen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Recherchen des Auktionshauses hätten allerdings auch eine andere Möglichkeit zutage gefördert.

Demzufolge komme auch die Schwägerin von Adolf – die oft „Lilly“ genannte Henriette Amalie Lieser-Landau, die 1905 von Justus Lieser geschieden wurde – als Auftraggeberin infrage. Folglich könnte das porträtierte „Fräulein Lieser“ auch eine der beiden Töchter Lillys sein.

Schicksal des Gemäldes teils ungeklärt

Auch die Provenienz des Gemäldes ist teils ungeklärt. Zwischen 1925 und den 1960er Jahren ist das genaue Schicksal des Porträts ungeklärt – und damit auch der Verbleib während der Herrschaft des Nationalsozialismus. Hinweise auf eine rechtswidrige Enteignung sollen keine vorliegen – mehr dazu in Verschollen geglaubtes Klimt-Bild präsentiert.

Die jetzigen Eigentümer hatten das Gemälde vor etwa zwei Jahren laut dem Auktionshaus von entfernten Verwandten geerbt, davor war es wiederum über mehrere Generationen vererbt worden. Etwa seit Mitte der 1960er Jahre befand es sich demnach im Salon einer Villa in der Nähe von Wien.