Polizisten vor U-Bahn-Zeichen in der  Waffenverbotszone in Wien-Favoriten
APA/Tobias Steinmaurer
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CHRONIK

Waffenverbot in Favoriten: Straftaten halbiert

Seit sechs Wochen gilt in Teilen Favoritens ein Waffenverbot. Laut Innenministerium ist die Zahl der Straftaten um mehr als die Hälfe zurückgegangen. Bisher sind 190 Anzeigen erstattet worden.

Seit Ende März haben die Einsatzkräfte bei Schwerpunktaktionen allein am Reumannplatz elf Waffen, meist Messer beschlagnahmt. Bei Planquadrataktionen und Streifen der neu gegründeten Einsatzgruppe Jugendkriminalität (EJK) wurden in ganz Favoriten in den vergangenen zwei Monaten rund 1.000 Personen überprüft und 190 Anzeigen erstattet.

Bilanz: Waffenverbotszone am Reumannplatz

Entlang der Favoritenstraße im 10. Bezirk gilt seit sechs Wochen ein Waffenverbot. Auslöser waren Polizeieinsätze nach blutigen Attacken und Raubüberfällen. Durch die Waffenverbotszone sind die Straftaten laut Innenministerium um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

Laut Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) fänden nun fast täglich Schwerpunktaktionen der EJK im bevölkerungsmäßig größten Bezirk Wiens statt. Für ganz Wien sprach die Polizei von bisher 8.700 Kontrollen und 940 Anzeigen. Österreichweit seien rund 14.000 Identitätsfeststellungen sowie mehr als 2.000 Anzeigen vollzogen worden.

Innenminister Gerhard Karner und Bundeskanzler Karl Nehammer  mit Passanten in der Waffenverbotszone in Favoriten
APA/Tobias Steinmaurer
Für Innenminister Karner und Bundeskanzler Nehammer zeigt die Waffenverbotszone ihre Wirkung

Rückgang bei Kerndelikten

Karner betonte am Mittwoch, die Waffenverbotszone in Favoriten zeige ihre Wirkung. Man wolle dennoch die bisherige Strategie fortsetzen. „Es wird weiter konsequent aufgeräumt, wenn es darum geht Messerstecher aus dem Verkehr zu ziehen und Jugendkriminalität Einhalt zu gebieten“, so Karner. Ähnlich äußerte sich auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) am Mittwoch am Reumannplatz. Es sei weiter Ziel, egal „wo Eskalationspunkte entstehen, sie im Vorfeld zu bekämpfen“, so Nehammer.

Der Chef des Landeskriminalamts, Gerhard Winkler, zog am Mittwoch eine vorläufig positive Bilanz zum Waffenverbot. Typische Kerndelikte wie absichtlich schwere Körperverletzung und schwerer Raub seien drastisch zurückgegangen. „Wir hatten im April davon keinen einzigen Fall“, sagte Winkler.

Zeitliche Verlängerung noch offen

Das Gebiet der Waffenverbotszone erstreckt sich oberhalb des Reumannplatzes bis zum Beginn des Antonsplatzes und in die andere Richtung über den Kepler- und Columbusplatz bis zum Hauptbahnhof. Westlich ist die Zone von der Laxenburger Straße und östlich von Sonnwend- sowie Herndlgasse begrenzt. Die Maßnahme ist mit Ende Juni befristet. Über eine Verlängerung der sicherheitspolizeilichen Maßnahmen wurde noch nicht entschieden.

Die Oppositionsparteien kritisierten die Maßnahmen als „PR-Show“ und forderten im Kampf gegen die Kriminalität in Favoriten mehr Polizeibeamte. Der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp nannte den Lokalaugenschein in einer Aussendung eine „peinliche Show der schwarzen Regierungsversager“: „Offenbar trauen sich Nehammer und Karner nur mit einem riesigen Polizeiaufgebot auf diesen Platz in Favoriten, während Frauen und Kinder täglich ungeschützt Angst um ihre Sicherheit haben.“ Gefordert wurde eine eigene Polizeistation am Reumannplatz.