Schutz für ranghohe Geistliche?

Jene 45-Jährige, die zwei Geistliche wegen sexueller Nötigung angezeigt hatte, ist von der Klasnic-Kommission enttäuscht. Die Frau bekommt zwar eine Entschädigung von 15.000 Euro, doch nur wegen der Übergriffe eines Paters. Ranghohe Kirchenmitglieder würden geschützt.

Von zwei Priestern - einem Franziskanerpater und einem hochrangigen Geistlichen - ist die Frau nach eigenen Angaben missbraucht worden. Beide Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück, auch die Staatsanwaltschaft legte die Anzeigen zurück.

Eine finanzielle Hilfe wird nun aber doch für jenen Fall durch den Tiroler Franziskaner-Pater gewährt „als die Frau noch minderjährig“ war, hieß es in dem Schreiben der Opferschutz-Stiftung der katholischen Kirche. Die ebenfalls angezeigten Vorwürfe gegen einen ranghohen Geistlichen blieben bei der Entschädigungszahlung unberücksichtigt. Kommissionssprecher Herwig Hösele begründete diese Entscheidung damit, dass dieses Gremium grundsätzlich nur für zur Tatzeit minderjährige Opfer zuständig sei.

Zudem sei „die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ausschlaggebend gewesen, die nach einer inhaltlichen Prüfung festgestellt hatte, dass der Tatbestand der sexuellen Nötigung ‚schon objektiv nicht erfüllt‘ ist“, wie es in einer Aussendung weiter hieß.

„Unabhängige Untersuchung“ gefordert

Heftige Kritik an der Entscheidung der Kommission übte die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt, welche die Frau vertritt. Die von Kardinal Schönborn eingesetzt Kommission zeige damit „ein Mal mehr, dass sie nicht unabhängig ist. Während Opfer von wenig einflussreichen kirchlichen Tätern entschädigt werden, werden ranghohe kirchliche Würdenträger geschützt“, hieß es. Die Plattform forderte die Einleitung einer „tatsächlich unabhängigen Untersuchung“.

Dass die Klasnic-Kommission „ihren Auftraggeber Schönborn und ranghohe Geistliche schützen will, mag aus ihrer Sicht erklärbar sein. Aus rechtsstaatlichen und demokratiepolitischen Gründen muss allerdings der Staat endlich einschreiten und der fortgesetzten Vertuschung ein Ende bereiten.“

„Verwundert“ sei man auch darüber, dass die Klasnic-Kommission nun erkläre, nur für Minderjährige zuständig zu sein. Die Plattform forderte zudem den ranghohen Geistlichen auf, sich einem „unabhängigen Glaubwürdigkeitsgutachten“ zu unterziehen - und auf die Verjährung zu verzichten, um die Aufklärung vor einem Zivilgericht zu ermöglichen.

Gutachten eindeutig, Stiftung betont Freiwilligkeit

Ganz anders stellt die Klasnic-Kommission das Ergebnis dar und betonte auch die Freiwilligkeit der Zahlung. Man habe auch das Ergebnis des sogenannten Clearing-Verfahrens berücksichtigt. Dabei handelte es sich um Gespräche mit einer Psychologin. In ihrem Bericht hatte sie einen „eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen den jahrelang wiederholt erlittenen sexuellen Missbrauchshandlungen, Gewalterfahrungen psychischer Art“ und dem laut Gutachten Besorgnis erregenden psychischen Zustand der Betroffenen festgestellt. Empfohlen wurde eine Therapie und auch von einer möglichen Entschädigung in der Höhe von 70.000 Euro war die Rede.

Die 45-Jährige wurde in dem Schreiben weiters gebeten, die Entscheidung als Versuch zu sehen, „ein Zeichen dafür zu setzen, dass Kirche und Gesellschaft sich heute ihrer Verantwortung auch gegenüber zeitlich länger zurückliegendem Unrecht, unabhängig von juristischen Verjährungsfristen und Rechtsverfahren, bewusst sind und deshalb eine freiwillige Entschädigungsleistung vornehmen“.

Weiters wies man darauf hin, dass die Kommission eine Therapie um rund 13.000 Euro ermöglicht habe. Weitere Therapiemöglichkeiten würden ab Oktober angeboten.

Waltraud Klasnic und Christoph Schönborn

APA/Techt

2010 wurde Waltraud Klasnic von Kardinal Schönborn zur „unabhängigen Opferbeauftragten“ der katholischen Kirche ernannt

Staatsanwaltschaft legte Anzeigen zurück

Die Staatsanwaltschaft hatte die Anzeigen sowohl gegen den Tiroler Pater als auch gegen den ranghohen Geistlichen zurückgelegt. Der Tiroler Pater hatte zunächst ein Schuldeingeständnis abgelegt, dieses später aber widerrufen. Auch Ermittlungen gegen Kardinal Schönborn, weil er laut Anzeige in seiner Zeit als Wiener Weihbischof von den Vorfällen informiert gewesen sein soll, wurden von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt.

Nach dem zweiten Übergriff 1994 sei sie direkt zum damaligen Weihbischof Christoph Schönborn gefahren, so die 45-Jährige. „Ich habe ihn im Zuge des Gesprächs auch die Telefonnummer dieses Priesters gegeben und ihn gebeten, er soll diesen direkt anrufen und mir helfen, dass er das unterbindet“, so die Frau damals im Ö1-Interview.

Der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Michael Prüller, wies die Vertuschungsvorwürfe von Beginn an zurück. Er bestätigte zwar das Treffen Schönborns im Jahr 1994, allerdings habe es sich um ein Beichtgespräch gehandelt. Aus diesem Grund habe man auch das Beichtgeheimnis einhalten müssen, ein offenes Gespräch über die angeblichen Vorkommnisse habe es hingegen nicht gegeben. Man könne aber davon ausgehen, dass Schönborn bei schwerwiegenden Vorwürfen tätig geworden wäre, um weitere Vergehen zu verhindern, so Prüller.

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