Parkpickerl bleibt umstritten

Auf Ablehnung, auf mit Kritik vermischte Befürwortung und auf Zustimmung stößt die Parkpickerl-Ausweitung. ÖAMTC, der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher und der Verkehrclub Österreich (VCÖ) meldeten sich zu Wort.

„Außer einigen marginalen kosmetischen Anpassungen wurde am ursprünglichen Konzept der flächendeckenden Kurzparkzonen bis fast an den Stadtrand nämlich gar nichts geändert“, zeigte sich ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer über die am Dienstag präsentierte Lösung verärgert. Die Rot-Grüne Stadtregierung wolle offenbar die Parkpickerlzone „auf Biegen und Brechen“, regiere dabei aber an der Bevölkerung vorbei - mehr dazu in Parkpickerl-Ausweitung ab Herbst.

Für den Autofahrerclub sei der nun präsentierte Plan „nichts anderes, als eine völlige Fehlbeurteilung der Meinung der Wiener Bürger durch Teile ihrer politischen Vertreter“. Nicht zuletzt sei die geplante Ausweitung gesetzeswidrig, so Hoffer. Der ÖAMTC erwarte, dass es sehr bald entsprechende Musterverfahren geben wird und reiht sich damit in die breite Front jener ein, die den nun präsentierten Vorschlag ablehnen - mehr dazu in Breite Ablehnung der Parkpickerl-Ausweitung.

Knoflacher: „Sünden der Vergangenheit“

Von einem „offensichtlichen Kompromiss“ sprach Verkehrsexperte Hermann Knoflacher gegenüber Radio Wien. Jetzt müssten die Sünden der Vergangenheit aufgearbeitet werden: „Eigentlich hätte man das Parkpickerl schon vor über 20 Jahren längst einführen sollen. Es würde heute kein Hahn mehr danach krähen, denn es ist einfach notwendig, dass der Autofahrer, der ja als jüngstes Kind des Verkehrswesens gehätschelt wurde, langsam erwachsen wird und einen kleinen Beitrag dazu leistet, was er von den anderen bezahlt bekommt, insbesondere an Flächen und an Kosten.“

Knoflacher sprach von einem „wesentlichen Schritt vorwärts“, auch wenn der Kompromiss wahrscheinlich in einigen Jahren überarbeitet werden müsse. Abstimmen über das Parkpickerl könne man nur, „wenn die Bürger ehrlich informiert sind. Das ist ja bis heute nicht der Fall“. Viele Autofahrer würden glauben, Anspruch auf kostenlosen Parkraum zu haben. Seit langer Zeit sei aber bekannt, „dass sie in Wirklichkeit mit dem kostenlosen Parken überall der Gesellschaft auf der Tasche liegen“.

Diese Tatsache werde aber sehr gerne unterdrückt. Knoflacher berief sich auf das Schweizer Vorbild, wonach Bürger in der Regel drei Jahre lang informiert würden, bevor sie über etwas abstimmen. Knoflacher: „Nur ein gut informierter Bürger kann ein reifes Urteil abgeben.“

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VCÖ betont Vorteile des Parkpickerls

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte die Entscheidung, die Parkpickerlzonen plangemäß zu erweitern. Eine spätere Bürgerbefragung sei sinnvoll, da dann die positiven Effekte überzeugen würden. Parkgebühren würden den Verkehr reduzieren und den Anrainern mehr Lebensqualität bringen.

„Haben die Wienerinnen und Wiener nach einem halben Jahr oder Jahr festgestellt, dass sie leichter einen Parkplatz finden und der Verkehr in ihrer Nachbarschaft zurückgegangen ist, dann werden sie auch der Maßnahme klar zustimmen“, zeigte sich VCÖ-Experte Markus Gansterer überzeugt. So hätte sich in den Parkpickerl-Bezirken die Zustimmung nach dessen Einführung von 46 auf 67 Prozent gesteigert.

An positiven Auswirkungen machte der VCÖ zudem noch geltend, dass durch die Parkraumbewirtschaftung die Parkauslastung von über 100 Prozent auf bis zu 65 zurückgegangen sei. Das den Verkehr behindernde Falschparken, wie etwa in zweiter Spur, auf dem Gehsteig oder auf Schutzwegen sei gar um 80 Prozent zurückgegangen. Auch der Parkplatzsuchverkehr habe sich um ein Fünftel verringert. Und nicht zuletzt sei auch der Pendlerverkehr zurückgegangen.

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