Votivkirche: Flüchtlinge wollen bleiben

Einen Tag nach der Räumung des Flüchtlingslagers vor der Votivkirche halten sich in der Kirche selbst noch etwa 40 Asylwerber auf. Laut Caritas sind sie nach der Polizeiaktion verunsichert und psychisch angeschlagen. Eine Räumung der Votivkirche ist weiterhin nicht geplant.

Mindestens 14 Flüchtlinge befinden sich derzeit im Hungerstreik. Sie litten unter der Kälte und könnten Schlafsäcke brauchen, berichtete Caritas-Wien-Sprecher Klaus Schwertner. „Wir sind erschöpft, aber wir wollen weiter für unsere bescheidenen Wünsche und Rechte eintreten“, sagte einer der Flüchtlinge in der Kirche.

Warten auf politische Lösung

Die Wünsche seien „nicht so groß“: Man wolle keine Sozialleistungen, sondern „selbstbestimmt sein, arbeiten können, eigenes Geld verdienen und Steuern zahlen“. Ein weiterer Wunsch sind schnellere Asylverfahren, denn „die jahrelange Ungewissheit macht uns kaputt“. Es sei „traurig“, dass sich die Politiker „nicht für uns interessieren“, sagte der Asylwerber und fragte, warum die Politiker „nicht zu uns in die Kirche kommen“. Er ist aber dennoch „zuversichtlich, dass die Politik eine menschliche Lösung finden wird“.

Asylaktivisten in Votivkirche

APA/Hochmuth

Flüchtlinge harren aus

Sicherheitsdienst im Einsatz

Seit Freitagabend ist ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz. Die Erzdiözese Wien hat diesen - in Absprache mit dem Pfarrer und der Caritas-Koordinatorin vor Ort - beauftragt. Sie verfolgt damit zwei Ziele: Einerseits sollen die Asylwerber, die sich seit 18. Dezember in der Kirche aufhalten, vor Störaktionen geschützt werden und andererseits soll Gläubigen weiterhin der Besuch des Gottesdienstes ermöglicht werden. Flüchtlinge könnten aber selbstverständlich weiterhin ein- und ausgehen, betonte Schwertner.

Camp um 4.00 Uhr Früh geräumt

Das Camp vor der Votivkirche war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag geräumt worden. Laut Polizei wurden zwei Personen nach dem Fremdenpolizeigesetz festgenommen, es gab 19 Anzeigen nach der Kampierverordnung und fünf Anzeigen wegen sonstiger Verwaltungsübertretungen - mehr dazu in Camp geräumt, Flüchtlinge harren aus.

Polizisten bei einem Zelt bei der Räumung des Asylwerber-Camps vor der Votivkirche

Polizei Wien

Polizei ließ die Zelte abbauen

Mit dem Camp vor der Votivkirche hatten Asylwerber gegen die „menschenunwürdigen Bedingungen“ im Aufnahmezentrum Traiskirchen protestiert - mehr dazu in 70 Asylwerber in Wiener Protestcamp.

Wer war für die Räumung verantwortlich?

Nach der Räumung des Flüchtlingscamps gehen die politischen Wogen weiter hoch. Das Innenministerium sieht die Zuständigkeit allein bei der Wiener Polizei, die gemeinsam mit dem Wiener Rathaus ein Wiener Landesgesetz vollzogen habe. Die Räumung selbst wollte man im Ministerium nicht kommentieren - mehr dazu in ORF.at

Zu den Flüchtlingen in der Votivkirche hat sich auch das UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR zu Wort gemeldet. Es fordert von der Politik einen konkreten Dialog zu den Forderungen der Flüchtlinge - mehr dazu in Votivkirche: UNHCR fordert Dialog.

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