Votivkirche: UNHCR fordert Dialog

Zu den Flüchtlingen in der Votivkirche hat sich nun das UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR zu Wort gemeldet. Es fordert von der Politik einen konkreten Dialog zu den Forderungen der Flüchtlinge. Mindestens 14 Asylwerber in der Kirche sind derzeit in Hungerstreik.

Christoph Pinter, Leiter der UNHCR-Stelle in Wien, meinte die Kommunikation zu den wichtigen Themen wie Arbeitsmarktzugang, Standard der Unterbringung und Problemen mit Dolmetschern dürfe nicht abreißen. Hier ein Zeichen zu setzen, dass man sich mit diesen Anliegen auseinandersetze, wäre wichtig.

Zugang zum Arbeitsmarkt nach sechs Monaten

Die Protestaktion der Flüchtlinge, die nunmehr seit fast zwei Wochen in der Votivkirche ausharren, bewertete Pinter im Grundsatz positiv. Er halte es für wichtig, dass es Asylwerber gebe, die sich selbst artikulieren wollten und ihre Unzufriedenheit äußerten. Er glaubt, dass es auch aus deren Sicht seitens der Politik sinnvoller wäre, den Dialog mit der Gruppe aufrecht zu halten und über ihre Forderungen zu sprechen als etwa darüber, wer nun im Vorfeld etwas über den Abriss des Camps durch die Polizei gewusst habe.

Asyl-Aktivist in der Votivkirche

APA/MICHAEL GRUBER

Flüchtlinge wollen weiter in der Votivkirche ausharren

Konkret bemängelt das UNHCR, dass es für Flüchtlinge unverändert legal bloß möglich sei, in Saisonbranchen Beschäftigung zu finden. Das Flüchtlingshochkommissariat spricht sich für einen effektiven Zugang zum Arbeitsmarkt nach spätestens sechs Monaten aus. Zudem verlangte Pinter von der Politik, dass man bei der Suche nach Quartieren für Flüchtlinge nicht nur nach „irgendwelchen Plätzen“ fahnden sollte sondern sich auch die Standards der Unterkünfte genau ansehen müsse.

Caritas drängt auf Gespräche mit Politikern

In die Pflicht genommen wurde die Politik neuerlich von der Caritas. Deren Sprecher Klaus Schwertner betonte, dass es dringend weiterer Gespräche speziell zu den Themen „menschenwürdiges Wohnen“ und Zugang zum Arbeitsmarkt bedürfe. Zu sagen „alles ist gut“, wie dies derzeit die Politik tue, lasse sich aufgrund von Fakten nicht belegen.

Indes rief die neue Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden in Österreich, Beatrix Mayrhofer, gemeinsam mit ihrer Amtsvorgängerin Kunigunde Fürst, zu „Solidarität, konkreter Hilfe und politischer Entscheidung“ für Asylsuchende in Österreich auf. Die Schwestern luden Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zu einem persönlichen Besuch in der Votivkirche und einem Gespräch mit den Flüchtlingen ein.

Camp wegen Touristen geräumt?

Mayrhofer hatte sich am Samstag mit den hungerstreikenden Flüchtlingen in der Votivkirche getroffen. „Es kann nicht sein“, so die künftige oberste Ordensschwester Österreichs laut „Kathpress“ wörtlich, „dass Menschen mitten in Wien um ihr Leben fürchten müssen, während nur einige hundert Meter weiter Silvester gefeiert und auf ein hoffnungsfrohes neues Jahr angestoßen wird.“ Es stelle sich die Frage, ob man mit der Räumung des Camps vor der Kirche nicht den vielen Wien-Touristen den Anblick von Elend ersparen haben wollen - mehr dazu in Camp geräumt, Flüchtlinge harren aus.

Zelt

APA/Herbert P. Oczeret

Zelte wurden in der Nacht abgebaut

Die Frauenorden wollen sich nun selbst aufmachen, die Flüchtlinge direkt zu unterstützen. Ab Mittwoch wollen sie „zusammen mit anderen Freiwilligen“ in der Kirche anwesend sein, so die Ankündigung der designierten Präsidentin.

Seit der Räumung des Flüchtlingscamps gehen die politischen Wogen weiter hoch. Das Innenministerium sieht die Zuständigkeit allein bei der Wiener Polizei, die gemeinsam mit dem Wiener Rathaus ein Wiener Landesgesetz vollzogen habe - mehr dazu in ORF.at.

Hungerstreikende trinken wieder Tee

Laut Caritas haben die Nacht auf Sonntag 40 Flüchtlinge in der Votivkirche verbracht. Mindestens 14 sind in Hungerstreik, sie trinken aber alle wieder Wasser bzw. Tee. In den vergangenen zwei Tagen mussten zehn Flüchtlinge ins Spital gebracht werden, sechs vorgestern und vier gestern. Alle konnten nach einer ambulanten Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen und kehrten mittlerweile in die Votivkirche zurück - mehr dazu in Votivkirche: Flüchtlinge wollen bleiben.

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