Asyl: Zusätzliche Plätze in Erdberg und alter WU

Für vier Monate werden in Wien bis zu 600 zusätzliche Asylplätze zur Verfügung stehen. Das haben Stadt und Bund vereinbart. Die Plätze sollen auf die alte Wirtschaftsuniversität und eine ehemalige Polizeiunterkunft in Erdberg aufgeteilt werden.

Die ÖVP hatte am Donnerstagvormittag mitgeteilt, dass in einem Gebäude der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) in Wien-Erdberg zusätzliche Plätze für Flüchtlinge für vier Monate zur Verfügung gestellt werden. Der zweite Standort ist laut einer ÖVP-Presseaussendung die alte Wirtschaftsuniversität am Alsergrund.

Nur zwei Standorte in Wien

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hatte mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) fixiert, dass Wien 500 bis 600 Plätze für vier Monate zur Verfügung stelle. Einen zunächst von Häupl angekündigten dritten Standort werde es nun aber doch nicht geben, sagte eine Sprecherin von Mitterlehner am Nachmittag gegenüber Radio Wien. In Erdberg sollen nun kurzfristig 350 Asylwerber aufgenommen werden, in der alten WU 250. „Dort müssen die Räume aber noch entsprechend adaptiert werden“, so die Sprecherin.

Großquartier

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Die Unterkunft in Erdberg war eigentlich als Studentenheim vorgesehen

Die Finanzierung und Betreuung wird vom Bund übernommen. Wien habe sich nie verwehrt, wenn Menschen an Leib und Leben bedroht würden, so die Botschaft von Häupl. „Wir gehen davon aus, dass das so umgesetzt wird“, hieß es. In den vier Monaten sind die entsprechenden Folgequartiere österreichweit zu schaffen, hieß es am Nachmittag in einer Aussendung von Mitterlehner und Häupl. Die Unterkunft in Erdberg könne ab Montag bezogen werden, sagte Mitterlehner. Es handle sich dabei um eine sofortige Hilfestellung seitens des Bundes.

Quartier soll Traiskirchen entlasten

Eigentlich plant die BIG, aus dem Gebäude ein Studentenheim zu machen. Im „Sinne der Solidarität“ sei dieses Vorhaben für einige Monate zurückgestellt worden, so Mitterlehner. Es handelt sich um ein früheres Schulungszentrum für Zöllner, das nun übergangsweise genützt werden kann.

Die fünf Etagen stehen seit Jahresanfang leer, nur ein Stockwerk des Gebäudes ist an ein Oberstufenrealgymnasium für Sportler vermietet. Die Reaktionen einiger Schüler waren gegenüber „Wien heute“ positiv: „Man sollte den Flüchtlingen helfen“, „ich habe mein Verständnis für die Flüchtlinge, meine Eltern sind auch aufgenommen worden“, „sie sollten eine Chance haben, in Österreich zu bleiben“, „jeder hat verdient, in einer sicheren Umgebung zu leben“, hieß es.

„Das ist ein tolles Signal für Hilfsbereitschaft“, so Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Anderenfalls wären bis Ende der Woche die Kapazitäten für die Unterbringung von Flüchtlingen erschöpft gewesen. Die Betreuung der zusätzlichen Flüchtlinge übernimmt die ORS, die auch andere Betreuungsdienste für das Innenministerium übernimmt.

Video von der neuen Flüchtlingsunterkunft in Erdberg:

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Weitere Quartiere benötigt

Aus dem Innenministerium hieß es, dass mit den neuen Plätzen vor allem eine weitere Unterbringung in Turnsälen vermieden werden soll. Derzeit sind in Turnsälen der Polizei in Salzburg und Eisenstadt etwa 80 Personen untergebracht, vorwiegend kommen sie aus Syrien und Afghanistan.

TV-Hinweis:

„Wien heute“, 25.9.2014, 19.00 Uhr, ORF2 und danach online in der ORF TVTHek.

Zudem sollen die Zusatzquartiere zur Entlastung der Erstaufnahmezentren dienen, um Kapazitäten für neue Antragstellende zu bekommen. In Traiskirchen waren am Mittwoch 1.553 Flüchtlinge untergebracht, in Thalham 167. In der Bundesbetreuungsstelle Bad Kreuzen kommen zurzeit 215 Asylwerber unter. Mikl-Leitner betonte aber, dass die Anstrengungen der Bundesländer und Gemeinden, weitere Quartiere zu schaffen, fortgesetzt werden müssen. Auch hofft sie auf weitere Möglichkeiten zur Unterbringung in Kasernen. „Wir brauchen weiterhin die ganze Kraft“, so Mikl-Leitner.

7.096 Flüchtlinge derzeit in Wien

Derzeit werden in Wien 7.096 Flüchtlinge betreut. Das Soll liegt laut Fonds Soziales Wien bei 5.415, die Quote wird daher mit 131 Prozent übererfüllt. Zwei Drittel der Flüchtlinge werden in Privatunterkünften betreut. Dazu zählen auch die Wohnungen von Ute Bock. Der Rest ist in Quartieren von NGOs untergebracht, etwa bei der Caritas, der Diakonie und der Volkshilfe. Etwa 200 Plätze sind zusätzlich in der Bundesbetreuungsstelle Mitte in der Nußdorfer Straße vorhanden.

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