Raddiebstähle: „Wegfahrsperre“ entscheidend

Die Zahl angezeigter Fahrraddiebstähle ist im Vorjahr um 8,2 Prozent gesunken. Sie bleibt aber weiter hoch und die Aufklärungsquote von österreichweit sieben Prozent niedrig. VCÖ und Polizei empfehlen, Fahrräder gut zu sichern.

Insgesamt gibt es in Österreich rund sechseinhalb Millionen Fahrräder. Das reicht vom rostigen Drahtesel bis hin zum exklusiven E-Bike. 2016 sind in Wien laut Polizei 8.699 Fahrraddiebstähle angezeigt worden, 2017 waren es mit 7.983 um 8,3 Prozent weniger. Österreichweit war es laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ), der sich auf Zahlen des Innenministeriums beruft, bereits das dritte Jahr, in dem die Zahl der Diebstahlsanzeigen gesunken ist.

Abgesperrtes Hinterrad

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Die Aufklärungsquote bleibt mit rund sieben Prozent niedrig. Aber immerhin rund 1.800 Fahrraddiebstähle wurden geklärt. Anders gesehen bleiben mehr als 90 Prozent der gestohlenen Fahrräder verschwunden. Dazu kommt noch, dass die Dunkelziffer bei Fahrraddiebstählen laut einer internationalen Studie aus dem Jahr 2005 achtmal höher sein dürfte wie die Zahlen der Polizei. Neueste Erkenntnisse aus Österreich lassen sogar auf eine noch höhere Rate schließen.

VCÖ-Tipp: Schnellspanner ersetzen

Für den Rückgang bei den Diebstählen gibt es laut VCÖ zwei Gründe: Dass immer mehr Fahrräder mit guten Schlössern gesichert werden, deute auf ein gestiegenes Sicherheitsbewusstsein hin. Zweitens gibt es eine zunehmend bessere Qualität der Abstellanlagen, etwa am Hauptbahnhof in Wien eine Radgarage mit 760 bewachten Abstellplätzen. Insgesamt aber gibt es vielerorts noch großen Aufholbedarf, sagte VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. So fehle es bei Freizeiteinrichtungen, bei Bahnhöfen und bei Wohn- und Bürogebäuden an gesicherten Fahrradabstellanlagen.

Der VCÖ rät, beim Absperren darauf zu achten, dass der Rahmen mit dem Schloss an einem Fahrradbügel befestigt wird. Wird nur das Vorderrad am Fahrradständer angehängt, besteht die Gefahr, dass das Rad abmontiert und der Rest des Fahrrads gestohlen wird. Schnellspanner bei Sattel und Vorderrad sollten durch Sicherheitsschrauben ersetzt werden. Bei hochwertigen Fahrrädern wird eine Diebstahlversicherung empfohlen.

Bei Schlössern auf Qualität achten

Besonderes Augenmerk auf ein gutes Schloss zu legen, empfiehlt die Polizei. Dabei kommt es auf den Verwendungszweck an. Wer sein Rad nur kurz stehen lassen will, der kann quasi als „Wegfahrsperre“ ein Kabelschloss oder ein Rahmenschloss verwenden. Wer sein Rad aber im öffentlichen Raum für längere Zeit abstellt, der sollte unbedingt ein schweres, hochwertiges Schloss verwenden. Dazu gehören etwa ein Panzerkabelschloss, ein Bügelschloss und ein Kettenschloss.

Grafik zur Fahrradsicherheit

LPD Wien

Manche Schlösser, die dick und schwer aussehen, sind oft nur gut isoliert und haben einen dünnen Metallkern. Mit einem Schlüssel sperrbare Schlösser sind laut Polizei sicherer als Schlösser mit Nummernkombination. Die Polizei nennt zwei Grundsätze beim Thema Schlösser:

  • Panzerkabelschlösser, Kettenschlösser und Bügelschlösser haben einen hohen Zeit- und Materialaufwand beim Aufbrechen.
  • Kabelchlösser, Rahmenschlösser und Nummernschlösser haben einen geringen Zeit- und Materialaufwand beim Aufbrechen.

Auf gut geeigneten Abstellplatz achten

Fahrräder sollten an hellen und belebten Plätzen abgestellt werden. Wird es regelmäßig für mehrere Stunden abgestellt, sollte man unter mehreren Abstellplätzen variieren. Das Fahrrad sollte immer an einem festen Gegenstand, am besten einem Fahrradabstellplatz, abgesperrt sein. Zu beachten ist, dass mehrere Komponenten des Fahrrades – zumindest ein Laufrad und der Rahmen – mit dem Abstellrahmen versperrt sein sollen. Das Schloss sollte nicht am Boden aufliegen.

Grafik zur Fahrradsicherheit

LPD Wien

Auch zu Hause sollte das Fahrrad sicher abgestellt und abgesperrt werden. Die Zugänge zu Kellerabteilen und Fahrradabstellräumen sollten abgesperrt und die Räume regelmäßig kontrolliert werden. Ein blickdichtes Kellerabteil schütz zudem vor dem Ausspionieren teurer Fahrräder oder anderer wertvoller Gegenstände. Zubehör wie Fahrradcomputer, Werkzeug, Akkus bei Elektrofahrädern und ähnliches soll unbedingt abgenommen werden.

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Bei Diebstahl hilft der Fahrradpass

Die Polizei weist zusätzlich noch auf den Fahrradpass des Innenministeriums hin. Darin können die wichtigsten Eckdaten eines Fahrrads schriftlich festgehalten werden. Sollte das Fahrrad gestohlen werden, dient der Pass nicht nur als Nachweis des Eigentumsverhältnisses, sondern auch bei der Anzeigenerstattung bei der Polizei. Die Polizei identifiziert Gegenstände nach deren Individual- oder Seriennummer. Wenn bei der Anzeigenerstattung keine Nummer angegeben werden kann, gibt es auch kaum eine Chance das gestohlene Fahrrad wiederzubekommen.

Die Seriennummer findet man am Rahmen des Rades eingestanzt, meistens im Bereich des Tretlagers. Weitere Merkmale, die man am Fahrrad erfassen sollte sind Farbe, Marke und Art des Fahrrades, Marke und Art der Gangschaltung, Art des Antriebes und des Akkus bei Elektrofahrrädern, besondere Ausstattungen oder Merkmale und eventuelle Beschädigungen.

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