Wolfgang Ambros erinnert sich

Mit seinen Erinnerungen hat Wolfgang Ambros diese Woche für viel Aufregung gesorgt: Ein Ö3-Interview löste den Bruch mit Rainhard Fendrich aus. Zwei Tage nach der Präsentation seiner Biografie sprach Wolfgang Ambros auf Radio Wien noch einmal mit Christian Ludwig über die wichtigsten Stationen in seinem Leben.

40 Jahre Karriere und der im März nächsten Jahres bevorstehende 60. Geburtstag waren Anlass für Wolfgang Ambros, seine Biografie zu schreiben. Im Gespräch mit Christian Ludwig auf Radio Wien ging es „zum größten Teil um Erlebnisse, die Spaß gemacht haben“. Ausgeschlossen blieben aber auch jene Dinge nicht, die tiefe Spuren im Leben von Ambros hinterlassen haben. Er habe „zwölf Leben“, sagte er einmal. So sprach er auch über seine Malaria-Erkrankung und darüber, wie er seine Krebserkrankung überwunden hat. Neben dem Rückblick gab es aber auch einen Ausblick: Ganz kurz spricht Ambros auch über seine neue Platte.

Wolfgang Ambros und Christian Ludwig

ORF

Wolfgang Ambros bei Christian Ludwig:

Ambros über die Zeit als Kind, seinen ersten Ruhm und Bob Dylan:

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Ambros über Tagwache und seine Zeit in Tirol:

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Eine Biografie, die es eigentlich nie hätte geben sollen

Journalisten, Fotografen und Kamerateams waren am Donnerstagabend gekommen, Ambros selbst erschien auf die Minute. Ihm zur Seite die Autoren der Biografie mit dem Titel „Wolfgang Ambros - Die Biographie mit CD“, Thomas Köpf und Andrea Fehringer. Sie zeigten sich begeistert von Ambros’ Erinnerungsvermögen: „Wenn 1982 etwas war, er hat das irrsinnig gut im Kopf gehabt. Es ist gesprudelt.“ Ambros selbst äußerte sich sehr zufrieden, wie Köpf und Fehringer sein Leben zu Papier gebracht haben: „Ich war mit jeder Seite mehr und mehr begeistert und hab mir gedacht, ja, genau so. Und es steht natürlich vieles drinnen, was nicht viele Leute wissen, das wird sich jetzt ändern.“

Das Buch hätte es eigentlich nie geben sollen, versicherte Ambros. Doch immer, wenn er in eine Buchhandlung gegangen ist, sei er darauf angesprochen worden, wann es denn seine Biografie geben werde. Zudem rückten der 60er und das 40. Bühnenjubiläum immer näher. Also habe er befreundete Autoren damit beauftragt, eine Biografie zu schreiben: „Wir haben 70 Stunden Bandinterviews fabriziert und das Buch im Zuge von Reisen nach Griechenland und Kenia entwickelt“, sagte einer der Autoren, Thomas Köpf. „Er hat das Buch in einem durchgelesen“, so die Autorin Andrea Fehringer: „Am Ende des Buches hatte er Tränen in den Augen.“

Damit, dass sich durch seine Biografie andere auf den Schlips getreten fühlen, könne er gut leben: „Aber wie!“, formulierte Ambros es kurz und bündig. Zum derzeit aktuellen Streit mit Rainhard Fendrich wolle er eigentlich nichts mehr sagen, aber: „Mein Verhältnis zum Rainhard hat sich nicht verändert, nur seines.“ Was für ihn Freundschaft bedeutet, definierte Ambros so: „Nicht das, was mich mit dem Fendrich verbindet.“

Wolfgang Ambros singt bei der Präsentation seiner Biografie.

APA/Herbert Neubauer

„20 Schilling von Marcel Prawy“

Zur Buchpräsentation gekommen waren viele Freunde und Weggefährten, allen voran Joesi Prokopetz. Er erinnerte sich daran, wie beide noch jung und unbekannt waren, aber für ihren Traum alles getan haben: „Am Theseustempel bin ich mit dem Hut absammeln gegangen. Der Wolfgang hat gespielt. Der Marcel Prawy hat damals gönnerhaft gelächelt und 20 Schilling in den Hut geschmissen.“

Neben dem Buch präsentierte Ambros noch neue Lieder, die exklusiv auf der dem Buch beigefügten CD enthalten sind. Beim Lesen aus seiner Biografe klang Ambros richtig locker und fröhlich. Zu hören war etwa jene Passage, in der er von seiner ersten Gitarre erzählt, auf die er so lange warten musste: „Mit der kleinen roten Gitarre habe ich meine ersten Griffe gelernt, C-Dur, A-Dur, G-Dur und D-Dur, das Rüstzeug eines jeden Komponisten im Popmusikbereich. Wie ich dann nach eineinhalb Monaten den Unterricht beendet habe, konnte ich genau die vier Harmonien und viel mehr ist nicht dazugekommen.“

Eine der schillerndsten Karrieren

Die Biografie zum 40-jährigen Bühnenjubiläum war der Anlass für das Ö3-Interview, in dem Ambros über Fendrichs Kokainkonsum erzählt hatte. Ambros hatte im Vorfeld versprochen, nicht nur die Höhen seiner Karriere zu kommentieren. Auch die Tiefen kommen zur Sprache, dabei ist auch von regem Drogen- und Alkoholkonsum die Rede. Auch sein Privatleben kommt nicht zu kurz. Sein Leben als Vater von Zwillingen, sein Kampf gegen den Krebs und sein Engagement in Afrika werden unter anderem beschrieben.

Buchhinweis

Andrea Fehringer und Thomas Köpf: „Wolfgang Ambros - Die Biographie mit CD“, Carl Ueberreuter Verlag, 192 Seiten, 29,95 Euro.

Vor 40 Jahren hatte der damals 19-jährige Wolfgang Ambros österreichische Musikgeschichte geschrieben. Er vertonte ein von seinem früheren Schulkollegen Joesi Prokopetz verfasstes Gedicht, die „Uraufführung“ feierte das Lied im privaten Kreis vor dem Wiener Theseustempel. Eine Bekannte animierte ihn zu einer Plattenaufnahme, in zwei Stunden wurde „Da Hofa“ eingespielt. Die Single schaffte es von 0 auf Platz 1 in der Hitparade. Eine der schillerndsten Karrieren in der österreichischen Musik hatte begonnen.

Wolfgang Ambros präsentiert seine Biografie.

APA/Herbert Neubauer

3.000 Konzerte und über 400 Lieder

Im Dezember 1971 tritt Ambros in der ORF-Sendung „Spotlight“ auf. Die „Hofa“-Single ist zu diesem Zeitpunkt über 30.000 mal verkauft. Im Februar 1972, knapp vor seinem 20. Geburtstag erscheint die erste LP von Wolfgang Ambros. „Alles andere zählt net mehr“, neben „Da Hofa“ ist mit „Du bist wia de Wintasun“ ein weiterer Ambros-Klassiker enthalten. 15.000 Stück werden verkauft.

40 Jahre später kann Ambros auf über 3.000 Konzerte zurückblicken. „Ich stehe zu allem, was ich je in meiner Karriere getan habe. Es gibt Lieder, die sich nicht eignen, live gespielt zu werden, aber ich habe trotzdem ein Repertoire von mehr als 400 Liedern“, zog Ambros anlässlich eines Jubiläumskonzerts in der Wiener Arena im Frühjahr Bilanz.

Neben der Biografie hat Ambros zum 40-jährigen Bühnenjubiläum auch eine Tournee gestartet. Neben zahlreichen deutschen und österreichischen Städten wird er dabei am 9. November auch in Wien Station machen. Bei der Gala „Wider die Gewalt!“ spielt Ambros im Ronacher. Im Frühjahr 2011 hatte Ambros auch ein neues Album angekündigt. „Wenn dann der 60er ansteht, ist es schon mal wieder an der Zeit, dass man sich äußert.“ Druck verspürt er aber keinen: „Ich kann selbst in Ruhe abwarten und mir etwas überlegen.“

Verhältnis zu Fendrich getrübt

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Ein Ö3-Interview am vergangenen Sonntag brachte Ambros und sein Verhältnis zu Rainhard Fendrich wenige Tage vor der Präsentation der Biografie in die Schlagzeilen. Wenige Tage später wünschen sich viele Musiker, es hätte den Streit gar nie gegeben. Ambros langjähriger Weggefährte Joesi Prokopetz kommentierte gegenüber Radio Wien: „Tu felix Austria, offenbar ist die Krise vorbei, wenn solche Thematiken die Schlagzeilen besiedeln.“ Marianne Mendt meinte „Je öfter man schweigt, desto besser“.

Musikproduzent Thomas Rabitsch fasste zusammen: „Ich hab mir das Interview angehört, Wolfgang hat nix ausgesprochen, was man nicht eh schon gewußt hat. Rainhard war halt auf Kokain und jetzt ist er es nimmer.“

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