Ansturm auf Gratisbuch von Llosa

Einen Ansturm hat es am Dienstag auf das Gratisbuch „Der Geschichtenerzähler“ von Mario Vargas Llosa gegeben. Der Literaturnobelpreis-Träger von 2010 bezeichnete die Aktion als wunderbar: „Literatur kann eine bessere Welt schaffen“.

Höchstpersönlich verteilte Llosa am Dienstag in der Hauptbücherei symbolisch die ersten Exemplare des heurigen Gratisbuches im Zuge der Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“. Das Buch wurde in einer Auflage von 100.000 Stück gedruckt und wird nun in ganz Wien verteilt. Der Roman „Der Geschichtenerzähler“ beschreibt die Welt der Urwaldindianer an einem Seitenarm des Amazonas. Die Titelfigur taucht gelegentlich bei den Indianern auf, im Roman versucht Vargas Llosa die Funktion des Geschichtenerzählers zu ergründen.

Mario Vargas Llosa übergibt Buch beim Start der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch"
APA/Helmut Fohringer
Nobelpreisträger verteilte erste Exemplare

Das Buch verweise auf eine uralte Tradition, die es in jeder Gesellschaft gebe, meinte Vargas Llosa: „Das Geschichtenerzählen“. Die Menschen hätten sich nämlich immer danach gesehnt, nicht nur das eigen Leben zu haben. „Daher haben sie immer schon andere erfunden. Und daraus ist die Literatur entstanden“, sagte der Nobelpreisträger bei der Präsentation.

Begründer des lateinamerikanischen Literatur-Booms

Der 75-jährige Vargas Llosa gilt als einer der führenden lateinamerikanischen Schriftsteller. Der Peruaner, der auch die spanische Staatsangehörigkeit besitzt, gilt mit seinem 1962 erschienenen Roman „Die Stadt und die Hunde“ als Begründer des „Booms“ lateinamerikanischer Literatur, zu dem auch Autoren wie Gabriel Garcia Marquez (Kolumbien), Carlos Fuentes (Mexiko) und Julio Cortazar (Argentinien) beitrugen. „Das grüne Haus“ (1967) und „Gespräch in der Kathedrale“ (1969) gelten so wie „Die Stadt und die Hunde“ für viele Kritiker als die besten Romane von Vargas Llosa.

Vargas Llosa hatte Peru 1955 verlassen, nachdem er sich mit seiner Familie überworfen hatte. Grund war die Heirat des damals 19-Jährigen mit seiner zehn Jahre älteren, angeheirateten Tante Julia Urquidi. Das Ehepaar übersiedelte zunächst nach Madrid und dann nach Paris, wo die Ehe 1964 zu Bruch ging. Vargas Llosa heiratete ein Jahr später wieder, diesmal seine Cousine Patricia Llosa, eine Nichte seiner ersten Frau. Mit ihr ist er noch heute verheiratet und hat drei Kinder.

Nobelpreis für „bissige Bilder von Widerstand“

Die Werke von Mario Vargas Llosa erfassten mit den Jahren ein immer breiteres Spektrum und beschränkten sich thematisch längst nicht mehr auf sein Heimatland Peru. Ein großer Erfolg der späten Jahre wurde „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000), ein Roman über Leben und Tod des dominikanischen Diktators Rafael Leonidas Trujillo.

Mario Vargas Llosa beim Start der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch"
APA/Helmut Fohringer
Mario Vargas Llosa

Vargas Llosa ist ein politisch engagierter Schriftsteller, der sich auch einmal selbst als Politiker versuchte. 1990 wollte er Präsident werden. Er zog nach Peru in den Wahlkampf, hielt landauf, landab wunderschöne Reden, die seine Freunde entzückten, von der einfachen Landbevölkerung aber nicht verstanden wurden. Am Ende siegte der Außenseiter Alberto Fujimori - und Vargas Llosa sagte der aktiven Politik Lebewohl.

Im Vorjahr hatte die Schwedische Akademie Vargas Llosa mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er wurde für seine „Kartographien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlagen des Individuums“ ausgezeichnet, wie es in der Begründung hieß. Vargas Llosa war der erste Preisträger aus Südamerika seit 1982, damals ging der Literaturnobelpreis an Gabriel Garcia Marquez.

Zehnjähriges Jubiläum für Gratisbuchaktion

Die Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ wird heuer zum zehnten Mal veranstaltet. Erstmals wird das Gratisbuch deshalb nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin verteilt. In Wien werden die Gratisexemplare des Romans zwischen 17. und 22. Oktober unter anderem in Büchereien, Buchhandlungen, Volkshochschulen und im ORF-Funkhaus in der Argentinierstraße verteilt.

Zum Auftakt der Gratisbuchaktion war im Jahr 2002 der Roman „Ewigkeitsgasse“ von Frederic Morton verteilt worden. 2003 gab es mit „Schritt für Schritt“ von Imre Kertesz erstmals ein Buch des aktuellen Nobelpreisträgers. Unter den bisherigen Titeln waren unter anderem „Das geheime Brot“ von Johannes Mario Simmel, „Sehr blaue Augen“ von Toni Morrison und „Fever Pitch“ von Nick Hornby. Im Vorjahr wurde bei der Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ der Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie verteilt.

Ansturm von Personen zum Start der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch"
APA/Helmut Fohringer

Komarek und Gruber bei „Österreich liest“

Wien steht diese Woche im Zeichen der Literatur. Im Zuge der Aktion „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ stehen über 4.000 Veranstaltungen auf dem Programm, in Wien wird es unter anderem Lesungen mit Alfred Komarek und Sabine Gruber geben - mehr dazu in wien.ORF.at.

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