Kranzniederlegung nicht vor Soldatendenkmal

Die Kranzniederlegung am Nationalfeiertag in der Krypta am Heldenplatz findet heuer nicht vor dem Denkmal des „Toten Soldaten“ statt. Die Kränze werden stattdessen bei der Gedenktafel für Bundesheer-Soldaten niedergelegt.

Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) argumentierte die „Zäsur in der Gedächtniskultur der Zweiten Republik“ unter anderem mit den jüngsten Erkenntnissen zum Bildhauer Wilhelm Frass. Im Sommer war unter dem Denkmal des „Toten Soldaten“ eine Kapsel mit zwei Schriftstücken gefunden worden, eines davon war ein NS-Huldigungsschreiben von Frass - mehr dazu in Nazi-Parolen in Burgtor versteckt (news.ORF.at).

Darabos hat nun entschieden, dass die Kränze „bewusst nicht mehr bei der Skulptur des Nazi-Sympathisanten Frass niedergelegt“ werden sollen, bestätigte er einen „Standard“-Bericht. Durch die Niederlegung an der Gedenktafel - ebenfalls in der Krypta - durch Darabos und Bundespräsident Heinz Fischer werde der Nationalfeiertag nun „mit dem Andenken an die im Dienst verstorbenen Soldaten unseres Bundesheeres verknüpft“.

Krypta am Wiener Heldenplatz
APA/Robert Jäger
Die Kranzniederlegung am Nationalfeiertag findet erstmals vor der Gedenktafel für die im Einsatz verstorbenen Bundesheer-Soldaten stattfinden

Umgestaltung bis 2014

Für die Umgestaltung der Gedenkstätte gibt es nun einen konkreten Zeitplan des Projektteams. Die Vorbereitungen werden von einem international besetzen Beirat begleitet, im August 2013 ist ein Künstlerwettbewerb geplant, ab dem Frühling 2014 soll dann das Siegerprojekt umgesetzt werden.

Einen ersten symbolischen Akt zur Umgestaltung der Krypta hat Darabos im Juni gesetzt: SS-Kriegsverbrecher Josef Vallaster wurde aus einem der dort aufliegenden Totenbücher gestrichen - mehr dazu in Krypta: Darabos strich SS-Kriegsverbrecher (wien.ORF.at; 17.6.2012).

Nicht nur die Krypta, sondern auch der gesamte Heldenplatz steht im Mittelpunkt von Umgestaltungs-Diskussionen. Nicht mehr im Gespräch ist der Heldenplatz seit Freitag als Standort des Denkmals für Deserteure der NS-Wehrmacht, das Mahnmal wird auf dem Ballhausplatz errichtet - mehr dazu in Deserteursdenkmal kommt auf Ballhausplatz.

Grüne: Umgestaltung soll Chefsache werden

Der Nationalratsabgeordnete Harald Walser (Grüne) hat am Freitag gefordert, die Neugestaltung des Heldendenkmals beim Wiener Burgtor zur „Chefsache“ zu machen, er will Bundespräsident Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in die Pflicht nehmen. Darabos ist für Walser dagegen „gescheitert“.

Walser bekräftigte auch seine Forderung nach einem unabhängigen Gremium von Wissenschaftern, das zunächst ein inhaltliches Konzept ausarbeiten soll. Dafür hätte er auch schon ein paar Namen parat: die Politologen Anton Pelinka, Walter Manoschek und Peter Pirker. Klar ist für die Grünen, dass in der künftigen Gedenkstätte jene Platz finden müssen, „die für die Wiedererrichtung Österreichs gekämpft haben“ - also die alliierten Soldaten, die Widerstandskämpfer und die Opfer des Nationalsozialismus.

Rückendeckung kam vom Politikwissenschafter Anton Pelinka, der Bereitschaft bekundete, sich an einem solchen Gremium zu beteiligen. Er will die Neugestaltung von Weiheraum und Krypta als Anstoß dafür nehmen, gleich über die prinzipiell „widersprüchliche Botschaft“ des Heldenplatzes nachzudenken. Verschiedenste historische Elemente würden sich gegenüberstehen - etwa Dollfuß, Habsburger, der Balkon, von dem aus Hitler das Dritte Reich verkündete - und das seien eigentlich „nicht vereinbare Narrative“.

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